Montag, 28. Oktober 2013

Der Lohn der Tat: Dankbarkeit für den Bischof von Limburg



Noch schleichen ein paar übriggebliebene Kamera- und Mikrofonträger durch die Gassen der Altstadt, auf der Suche nach irgendjemandem, der noch nicht zweimal interviewt und dreimal fotografiert wurde, aber so ganz langsam kehrt wieder eine Art von Ruhe ein.
Nur an der Panzersperre des Bischöflichen Palais sammeln sich nach wie vor die Schau-Lustgewinner, die auch an jedem schweren Verkehrsunfall anhalten und gaffen. Hier haben sie das Schild an der Autobahn zum Anlass genommen, „sich das jetzt doch mal selbst anzuschauen“. Mit dem Resultat, dass die meisten hilflos achselzuckend vor dem stehen, was von dem Bauwerk überhaupt zu sehen ist. Es sei denn, sie sind Architekten. Dann sind sie entweder entsetzt – oder entzückt, weil alles sowas von modern ist und bekommen ob der Schlichtheit und Integration durch Linienführung und Materialwahl in das Bild der Bebauung einen Orgasmus.
Die letzten Wochen waren für die Altstadtbewohner am Ende nur noch schwer zu ertragen. Hatte schon der Bau der Stein gewordenen Hybris des vorgeblich so weltabgewandten Würdenträgers tiefe Furchen in die Straßen, die Häuser und die Nervenstränge der Anwohner gepflügt, wurde dies auf eine bis dahin nicht vorstellbare Art und Weise innerhalb eines extrem kurzen Zeitraums von der Vollendung und dem Bezug des neudefinierten Bauabschnittskonglomerats noch einmal übertroffen.
Es war kaum noch möglich, sich auf der Straße zu zeigen, ohne von Journalisten fast angefallen zu werden. Die Gassen der Altstadt wurden kurzerhand zu Pressedauerparkplätzen erklärt und Satellitenschüssel tragende Irrläuferkastenwagen fuhren sich in Ecken fest.
Und überall sah man sie, die Menschen mit den warmen Outdoor-Jacken, den Cordhosen, dem derben Schuhwerk und dem Einmalkaffeebecher in der Hand.
Sie machten ihren Job. 
Alle in Deutschland existierenden Journalisten gleichzeitig.
In Limburg.
Katastrophentourismus
Dass dabei auch Grenzen massiv überschritten wurden und sich Berichterstatter zum Beispiel über Mauern schwangen (selbst beobachtet), um Bilder privater Häuser und Grundstücke zu schießen und in Fenster zu schauen, die mit der katholischen Kirche und dem Bistum absolut nichts zu tun haben, liegt leider im Wesen der Sache. Reporter sind Menschen wie du und ich (wenngleich in der Regel noch etwas neugieriger) und deshalb gibt es auch unter ihnen ernsthafte, um differenzierte Berichterstattung bemühte Journalisten – genauso wie hemmungslose, klebrige Schmierfinken, für die spezielle Wörterbücher gedruckt werden. Solche, in denen Begriffe wie „Privatgrundstück“, „Anstand“ und „Straßenverkehrsordnung“ nicht vorkommen.
Spannend war auf jeden Fall, dass ein einzelner Mann sogar durch seine Abwesenheit ein mediales Interesse an Limburg generierten konnte, wie die Stadt es in ihrer mehr als tausendjährigen Geschichte noch nie erlebt hat.
Um Bilanz zu ziehen ist es noch zu früh und eine offizielle Entscheidung über die Zunkuft des Bistums steht ja noch aus, auch wenn der offiziell noch amtierende Mitraträger und Weihrauchschwinger vom Spielfeld geschickt wurde.
Auf den Rängen gibt es deshalb Pfiffe und enttäuschte Zwischenrufe. Man hätte den Großmeister der finanziellen klerikalen Blutgrätsche zu gerne gleich an der Torlatte baumeln sehen. Aber daraus wurde erstmal nichts.
Es war aber doch nicht anders zu erwarten. Der noch aktuelle Bischof der Lahnstadt mag ein arg schwarzes Schaf sein, aber trotzdem ist er nach wie vor ein Kerikaler. Der Klerus hält für gewöhnlich clanartig und objektiven Erkenntnissen gegenüber blind bis ignorant zusammen und lässt auf einen der seinen nichts kommen. Praktisch nie. Warum sollte also ausgerechnet in diesem Fall der große Vater einen Sohn schlachten, nur weil die Meute danach heult und nach seinem Blut lechzt.
Besonders in Limburg und besonders in den Reihen derer, die an alldem, was geschehen ist, mehr als nur ein wenig beigetragen haben.
Oh Herr,  du musst uns nicht unsere Schuld vergeben. Denn wir tragen keine.
Amen.
Dafür inszeniert man dann auch mal schnell eine inhaltsfreie Presse"konferenz" in der man verkündet, dass man nichts verkündet, was die Welt nicht schon tagelang wusste. Und wie schwierig nun alles wird. In der Diözese.
Aber das interessiert kein Schwein.
Es ist eines der großen Missverständnisse des katholischen Limburgs (gleich nach dem Bauernsohn) azunehmen, irgendjemand in Rom würde Befindlichkeiten und kleinere Verwaltungsscharmützel innerhalb der Diözese Limburg zur Kenntnis nehmen - oder am Ende gar Gefühle der Laien oder auch Gläubigen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat mit so etwas Banalem erstrecht keinen Vertrag. 
Sollte TvE am Ende seinen von ihm so begehrten Posten tatsächlich verlieren, dann nur deshalb, weil er der Familie, sprich dem Klerus, geschadet hat.
Er hat es vollbracht, das Ansehen der katholischen Kirche massivst zu schädigen und allen bereits vorhandenen Vorurteilen noch einige belegbare mehr hinzuzufügen. Durch ihn ist etwas zur öffentlichen Debatte geworden, das heiliger als jede Reliquie in seinem Regal ist/wahr: Das unglaubliche bis dahin jedoch geheime Vermögen der katholischen Kirche.
Und beim Geld hört der Spaß auf.
Dass er und seine Spießgesellen die Öffentlichkeit und die ihm kriechend folgende Politikerschar mit gebleckten Zähnen lächelnd fortgesetzt belogen haben – Schwamm drüber. Diese Umstände waren in keiner der Erklärungen Roms den Heiligen Stuhl auch nur ein Wort wert. Dass er ein wenig geprasst hat – who cares. Aber die Todsünde war, dass er bis zu beiden Ellbogen in die Schatzkiste des Bistums gegriffen hat, als deren Bewahrer und nicht Eigner er Rom gilt – UND damit öffentlich gemacht hat, dass diese sogar nach seiner freundlichen Selbstbedienung noch lange nicht leer ist.
Damit wurde auf einmal nachdrücklich und über jedes verfügbare Medium bis hin zur Tante-Emma-Laden-Kundenzeitschrift ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, dass genau die Institution, die jederzeit sofort mit der ganz großen Schüssel am Topf der staatlichen Suppenküchen steht, in Wirklichkeit der größte Grundbesitzer und der größte, institutionelle Eigner von Bar- und Anlagevermögen ist.
Plötzlich stellen auch erklärte Katholiken Fragen, die Kirchenverächter schon lange wiederholen: Warum ist entgegen aller Staatsfreiheit der Kirche ebendieser Staat für ebendiese Kirche(n) der Hauptdienstleister (Kirchensteuer) sowie Hauptsponsor, der praktisch alle caritativen Organisationen, Krankenhäuser, Altersheime, Kindergärten und Schulen durch staatlichen Zuschüssen finanzieren muss, während diejenigen, die sich mit diesem sozialen Engagement rühmen, höchstens das Schild mit dem Kreuz und dem Heiligennamen an die Tür hängen.
Kann und wird nach TvE nun alles so weitergehen wie bisher? Man fürchtet in Rom und bei der DBK: nein. Bei aller Debattenmüdigkeit wird das Thema sicher nicht einfach versanden.
Der Klerus wird das schwarze Schaf verfluchen, das all das ausgelöst hat und möglicherweise weit weg nach Indien schicken. Vielleicht findet der Freund der Liturgie dort ja noch seine Heilige, die ihm nur nichts mehr nutzen wird.
Doch die säkulare Öffentlichkeit ist dem Einsamen vom Domberg zu ganz erheblichem Dank verpflichtet.
Denn ohne ihn wäre es niemals zu dieser Diskussion gekommen.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Die Lügner von Limburg



Es sind dieser Tage Tränen geflossen, in Räumen mit kruzifixgeschmückten Winkeln. Echte Männertränen, in Strömen, hinter verschlossenen Türen, in erlesenen, kleinen Kreisen. Heißt es. Genaues weiß man nicht, denn man war ja nicht dabei und ist auf Angaben und Aussagen von Menschen angewiesen, deren Wahrheitsliebe und Zuverlässigkeit einer eingehenderen Untersuchung bedürfte.
Was sicher zu sein scheint: Hat es sie wirklich gegeben, waren es ganz bestimmt Krokodilstränen.
Auf der Jagd
Bundesweit wird gerade eine dürre Sau durchs Dorf getrieben, wie man es schon lange nicht mehr erlebt hat, und nach wie vor setzen sich mit spitzen Stöcken diejenigen an die Spitze der Meute, die sich noch vor wenigen Tagen mit besagtem, gehetzten Tier genüsslich im Sumpf der Wahrheitsdynamik suhlten.
Der Papst sitzt in Rom und Rom ist weit, war die Devise in Handeln und Denken an den Schaltstellen des Bistums. 
In Rom ist nun auch der Bischof und alle hoffen, dass er entweder genau dort bleibt oder von da aus an eine Stelle expediert wird, die seinen theologischen Talenten mehr entspricht als seinen irdischen Begierden und Gelüsten.
Strafe, Schande, Verdammnis, Schmutz, Dreck und kleine Steinchen über den Mann, denn er hat gelogen.
Heißt es.
Aber ist er denn der Einzige?
Was ist zum Beispiel von einem Dom-Baumeister zu halten, dem jede Abrechnung und Kostenaufstellung vorgelegt wurde, dem jeder einzelne, neue Bauantrag und jede Änderung bekannt waren, der aber überhaupt keine Probleme damit hat, bei „Informationsveranstaltungen für die Bürger“ Baupläne zu präsentieren, die mit der Realität überhaupt nichts mehr zu tun hatten. Und der nicht müde wurde, weiter einen Gesamtetat von unter 6 Millionen verbreiten zu lassen, als er schon längst über die realen Zahlen im Bilde war?
Oder wie sieht es mit dem Triumvirat aus, das angeblich zur Kontrolle verpflichtet war, vom Bischof aber als höriger und williger Abnickverein aus eitlen Titelsammlern installiert wurde.Von Diesem „Rat“ wurden zweimal gute 15 Millionen bewilligt. Angeblich dachte man, es sei zweimal dasselbe Geld. Heißt es. Aber ändert das denn irgend etwas?
Ist denn das Schweigen besser als das direkte Verbreiten von sachlich unrichtigen Tatsachen?
Auf der einen Seite stehen Verlautbarungen bezüglich von Baukosten von unter 10 Millionen, während man auf der anderen Seite bereits ein gutes Jahr vorher ganz genau WUSSTE, dass selbst diese Zahl um das Dreifache überschritten würde. Ganz sicher und nach eigener Aussage jedoch um mehr als 50%. Da gab es nicht ein einziges Stirnrunzeln, kein Nachfragen oder Nachhaken. Da war offenbar nur das selbstgefällige und augenzwinkernde Einverständnis logenbrüderartiger Natur, ein „wir hier, dort der Rest der dummen Menschheit“.
Erst als offenbar wurde, dass man all das geheime Treiben eben nicht mehr geheim halten konnte, da wurde eine pseudomoralisch entrüstete Flucht nach vorne angetreten, um die eigene Haut zu retten. Man muss sich fragen, wieviel Überzeugung dahinter steht – und wieviel Angst. Nicht nur um den eigenen Ruf. Denn es stellt sich eine weitere, eventuell existentielle Frage: Ist ein Aufsichtsgremium, das in einer solchen Weise entweder eklatant versagt hat oder sogar durch aktive Mitwirkung ermöglicht hat, genau die Regularien zu umgehen, deren Überwachung die nominelle Aufgabe war, nicht am Ende sogar regresspflichtig?
Haus ohne Hüter (pl)
Auch das "Argument", man hätte ja nicht damit rechnen können, dass einem nicht die Wahrheit gesagt wird, zieht angesichts der Vorgeschichte des Hauptredners nicht. War er doch nichts weniger als der General eines Mannes, der für seinen mehr als eigenwilligen Umgang mit Realitäten sowie Geldern fragwürdiger Herkunft bekannt war. Als "brutalstmöglicher Aufklärer" geriert sich nun der seinerzeitige Haushofmeister selbst und reaklamiert unverfroren alleine für sich die absolute Glaubwürdigkeit.
Es sind aber nicht nur die offen katholischen Würdenträger und Bediensteten, deren Rolle man sich genauer anschauen sollte.
Was ist denn mit den Jubelpersern in öffentlichen Ämtern und unter den Politikern, die so willfährig dem Kirchenfürsten im vorauseilenden Gehorsam und in Form des modernen Ablasshandels vielleicht in der Hoffnung auf die vorzeitige Sicherungen eines Himmelsplatzes auf Wolke 7 die Geschäfte führten und auch heute noch führen? Gab es nicht Menschen an weiteren Schaltstellen, die die Macht gehabt hätten, auf die Bremse zu treten, als alles aus dem Ruder lief? Das, was am Ende auf dem Domberg gebaut wurde, hat ja schließlich mit der ersten, genehmigten Planung nichts mehr zu tun. Jede einzelne Änderung erforderte demnach neue Genehmigungen, die problemlos erteilt wurden. Sofort. Wo der private Bauherr wenn es sein muss auch mal jahrelang alleine auf die „Bestätigung der Vollständigkeit der Unterlagen“ warten muss(te), ging es beim Palast des TvE schnell. Über Nacht. Und selbst wenn immer mal wieder Zweifel bezüglich der Kompetenz der städtischen Ämter angebracht ist, was das Bauen betrifft, kann man dem Limburger in Bezug auf sein größtes Hobby bzw. die zentrale Aufgabe jeder Politik wohl kaum etwas vormachen.
In den zuständigen Büros wussten damit mehr als genug Menschen, was der unlängst in einer Zeitung zutreffend mit Sparkassenästhetik beschriebene Atomschutzbunker tatsächlich kosten würde.
Die Vermutung, dass bei dem rasanten vertikalen Informationsfluss innerhalb der Behörden damit auch die leitende Politik bestens Bescheid wusste, was im Einzelnen vor sich ging, ist sicher nicht allzu weit hergeholt.
Doch man schwieg. Überall.
Die Wahrheit ist ein Gut, das in Limburg allem Anschein nach keiner allzu großen Wertschätzung unterliegt.
Aber nicht nur von Seiten eines einzelnen, einsamen Mannes in den klinisch sterilen und von keiner menschlichen Wärme befleckten Hallen seines Monument gewordenen Seelenspiegels.

Samstag, 12. Oktober 2013

Altstadtfestskandal: Magistrat mauschelt erneut mit Veranstalter



Vier Monate sind inzwischen vergangen, seit die Limburger Altstadt rechtswidrig zu einem „Veranstaltungsgelände“ eines kommerziellen Vereins erklärt und jeder, der sie betreten wollte, unter Androhung von Gewalt gezwungen wurde, einen „Eintritt“ zu entrichten.
Doch alle jemals zum Altstadtfestskandal gestellten Fragen sind nach wie vor unbeantwortet. Bürgermeister, Magistrat, Stadtverwaltung und Pressestelle verweigern stur jegliche Auskunft auch auf mehrfaches Insistieren hin, gerade so, als gäbe es den § 3 des Hessischen Pressegesetzes nicht.
Dort heißt es jedoch wörtlich:
Die Behörden sind verpflichtet, der Presse die gewünschten Auskünfte zu erteilen.
Anordnungen, die einer Behörde die Auskünfte an die Tagespresse überhaupt, an diejenigen einer bestimmten Richtung oder an ein bestimmtes Druckwerk allgemein verbieten, sind unzulässig.
Geschlossene Gesellschaft, mal wieder
Das Verweigern von Auskünften ist damit absolut rechtswidrig und diese eklatanten Gesetzesverstöße sind allen bestens bekannt, die zu Antworten auf mehrfach gestellte, konkrete Fragen verpflichtet wären. Wie man hört, existiert jedoch eine (natürlich niemals schriftlich fixierte..) Anweisung von höchster Stelle, Anfragen des Dom-Zoo-Blogs nicht zu beantworten.
Man stellt sich tot und bügelt in der bekannten Arroganz der kleinen, lokal begrenzten Macht sogar Nachfragen von Parlamentariern mit inhaltsfreien Phrasen ab.
Das Schweigen hat Methode. Denn in Wirklichkeit geht die nachgerade komplizenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Politik, öffentlicher Verwaltung und lokalem Krämerverband eifrig und in aller Heimlichkeit schon in die nächste Runde.
Gerade so, als hätte es jahrelange, massivste Verstöße gegen diverse behördliche Auflagen und Schlimmeres niemals gegeben, zieht die Karawane weiter und behauptet auch noch, es hätte nicht einmal ein Hund gebellt.
In bestens bekannter Limburger Manier wird in geschlossener Gesellschaft im erlesenen Kreis bereits jetzt wieder diskutiert, wie im kommenden Jahr unter der Federführung derer, gegen die die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf verschiedene Delikte ermittelt, genau derselbe Veranstalter einen neuen Abzockefeldzug starten kann.
Dem Vernehmen nach hat man für die, die sich gegen offenbar kriminelles Vorgehen der Stadtbesetzer und –absperrer und ihrer Unterstützer zur Wehr setzen, nur herablassenden Spott übrig. Maximal als lästig wie hartnäckige Fliegen werden die Bürger betrachtet, die der Ansicht sind, dass Recht und Gesetz auch für Machthaber in der Verwaltung und deren brüderlich verbundene Protegés gelten, mit denen man so schön öffentlich Fässer anstechen kann.
Aussitzen und Aushungern sind als Devise angesagt.
Und auf gar keinen Fall irgendwelche Fragen beantworten, intern nicht – und schon gar nicht gegenüber denen, die den eingeweihten Kreisen nicht angehören.
Im Schatten des großen, Schlagzeilen, Sondermeldungen und eine Belagerung der ganzen Stadt durch Berichterstatter produzierenden Skandals fühlen sich die kleinen Rädelsführer im Augenblick sehr sicher. Die Öffentlichkeit hat auch regional und lokal zurzeit andere Sorgen und Interessen und in diesem Bewusstsein wird versucht, wieder einmal klammheimlich Tatsachen zu schaffen.
Doch eines sollten diese Menschen vielleicht bedenken. Leugnen, Lügen, Attacke und Desinformation in besagtem, weltweit Aufsehen erregenden Skandal haben am Ende dann doch nicht zum gewünschten Ziel geführt. Ganz im Gegenteil.
Und irgendwann wird auch das Thema vom Dom erledigt sein bzw. die Limburger werden entnervt einfach nichts mehr davon hören wollen.
Dann wird man sich auch wieder Themen zuwenden, die den Einzelnen mehr betreffen und ein Interesse daran zeigen, was unmittelbar vor der Haustür mit öffentlichem Eigentum und den Bürgerrechten geschieht. Und auch dort hinschauen. Sehr genau.
Eines zumindest zeigen die aktuellen Entwicklungen nämlich interessanterweise: Ignoranz und Aussitzen scheinen auf einmal in Limburg gegen jede Tradition keine große Zukunft mehr zu haben.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Strafbefehl!

Gerade hat die Staatsanwaltschaft Hamburg bekanntgegeben, dass sie gegen TvE den Erlass eines Strafbefehls wegen uneidlicher Falschaussage beantragen wird.
Die vorherrschende Meinung nicht nur der Öffentlichkeit sondern auch unter den Kollegen des Bischofs ist, dass er unter diesen Umständen nicht mehr zu halten wäre.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann, der gerade wieder sein exzeptionelles Geschick in Sachen Öffentlichkeitsarbeit dadurch dokumentiert hat, dass er ausgerechnet der BILD-Zeitung ein inhaltsfreies Interview gewährte und wieder einmal einen "klärenden" Brief ankündigte, auch diese neue Entwicklung ignorieren bzw. aussitzen will, ist ziemlich hoch.
Wir werden weiter berichten.
Gestern hätte Bambi einem noch leid tun können.
Nach seinen jüngsten öffentlichen Äußerungen ist das aber auch schon wieder vorbei.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Bischofskrieg in Limburg: Die Hofschranzen greifen zu den Waffen


Limburg hat es geschafft. Die Stadt zwischen Westerwald und Taunus ist auf die Titelseiten aller Tageszeitungen der Bundesrepublik zurückgekehrt – erstmalig seit dem brutalen Angriff einer Polizistin in privater Mission auf zwei Fußballerinnen des VfR 07 Limburg während eines Pokalspiels.
Man spricht und schreibt über Limburg, dessen Altstadt gestern regelrecht von wichtigen Menschen mit Mikrofonen und vor und hinter Kameras belagert wurde. Die Straßenverkehrsordnung gilt übrigens auch für Fahrzeuge von Fernsehsendern und Rundfunkanstalten. Das sei an dieser Stelle einmal ins Gedächtnis gerufen.
Es fanden sich gestern immer wieder Spezialisten mit unglaublichem Fach- und Detailwissen, die in jedes Tonaufnahmegerät sprachen, das die Reporter nicht schnell genug wegzogen.
Experten in Sachen Bischof von Limburg poppten allerorten aus dem Boden wie die Pilze in den Herbstwäldern, selbst dort, wo man sie weder vermutet noch gesucht hätte.
Der Tenor der heutigen Berichterstattung, die durchgängig wieder einmal auf Erst- und Agenturmeldungen der FAZ beruht, ist einmütig: Die Luft für TvE ist nicht mehr dünn, sie ist praktisch nicht mehr vorhanden und auch Schnappatmung dürfte kaum sein Überleben im Amt ermöglichen.
Es findet sich zurzeit eine bisher nicht dagewesene Einheitsmeinung von hoher moralischer Qualität: All das darf man nicht, nicht einmal oder schon gar nicht als Träger eines solchen Amtes.
Somit ist also die Jagd freigegeben und nahezu jeder fühlt sich berufen, an der fröhlichen Hatz teilzunehmen.
Einzeltäterunterschlupf?
Vermutlich bleibt es am Ende der Staatsanwaltschaft Hamburg vorbehalten, nach dem fast ein Jahr währenden Gegacker endlich auch einmal ein Ei zu legen und dem waidwunden Rehlein mittels eines Verfahrens oder eines Strafbefehls den Fangschuss zu geben.
Das Volk schreit nach Blut und irgendwer wird es ihm gegeben. Irgendwann, in naher Zukunft.
Doch bevor dieser neue, schlagzeilenträchtige Umstand eintritt, wäre es vielleicht an der Zeit, gerade jetzt einmal einen Schritt zurückzutreten und sich zu besinnen, was zur Zeit abläuft.
Mit den Grundgedanken des Christentums, wie sie der Zimmermann vor mehr als 2000 Jahren in bemerkenswerten Redebeiträgen einer begrenzten Zuhörerschaft nahezubringen versuchte, hat es jedenfalls nicht einmal am Rande zu tun. Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein", sagte er bei einer Gelegenheit, als der Mob sich ein Opfer ausgesucht hatte. In und um Limburg findet man dieser Tage jede Menge Steine - und diese allzu häufig in Händen, die nicht von Arbeit schmutzig sind. 
Bemerkenswerterweise stimmen nun sehr spät verschiedene Menschen in das Geheul der Wölfe ein, die Bambi durch das Dickicht seiner eigenen Realitätswahrnehmung hetzen, die eine gefühlte Ewigkeit lang abwiegelten, verteidigten, Kritiker attackierten und diskriminierten oder einfach nur wegschauten oder schwiegen, als ihr Auftrag doch ein ganz anderer gewesen wäre.
Da liest man nun Leitartikel mit Rücktrittsforderungen von Chefschweigern, die dafür sorgten, dass TvE lokal kein Thema war, während man im Mutterhaus der Zeitung bereits auf Distanz gegangen war. Aber die eigenen Eitelkeiten und Verbindungen, das sich sonnen Wollen und Dürfen im Schatten der lokalen Macht waren bedeutender als eine journalistische Berufung.
Der übliche Verdächtige und kommunalpolitische Lautsprecher, der vor Kurzem noch brüsk verkündete, es sei ihm völlig Latte, ob der Prunkbau nun den Domberg verschandele oder ob er überhaupt so genehmigt sei, weil er ja nun fertig wäre, schwingt sich in einer 180° Wende zum Chefkritiker und selbstredend Kirchenverwaltungsfachmann auf und stellt sich gegen den Mann, dem er seit Amtseinführung unterwürfigst gar zu gerne jeden Wunsch auf Kosten der Stadt erfüllt hätte und hat.
Ein Gremium von Spesenrittern, das sich mit Begeisterung von Posten und Titeln schmücken ließ, gab zwei Jahre lang kollektiv den Abnickverein, ohne auch nur ein einziges Mal eine Frage zu stellen oder gar auf eine Antwort zu beharren.
Und was wollen diese nun mit dem Dolche?
Die Titanic Bistum Limburg ist auf den Eisberg gelaufen – und es ist die Erste Klasse, die in die wenigen Rettungsboote drängt. Die Mittäter kraft Unterlassung sind es ausgerechnet, die nun am lautesten brüllen und es in einem Fall innerhalb eines einzigen Satzes schaffen, das gesamte Angebot an juristischen und medizinischen Deutungen des bischöflichen Handelns und/oder psychischen Zustandes zur freien Auswahl zu präsentieren.
Aber sie selbst, sie sind ohne jede Schuld. 
Und so fliegen sie nun, die Steine.
Der Einsame vom Dompalast ist ganz sicher kein angenehmer Mensch. Seine Prunk, seine Arroganz, seine Herrschsucht und weltfremde Hybris offenbaren massive Charakterschwächen, die die meisten Menschen nicht in ihrem Freundeskreis finden wollen.
Doch was immer hoch oben über Limburg geschehen ist, eines ist sicher: EIN einzelner Mann wäre ohne aktive und passive Unterstützung von Vielen an den Schaltstellen niemals in der Lage gewesen, all das aus- und anzurichten.
Dass es nun genau diese potentiellen Mittäter und Mitwisser sind, die sich um die Plätze in der ersten Reihe der Verfolger drängen, ist psychologisch sicher nachvollziehbar und zutiefst menschlich. Im negativsten Sinne.
Christlich jedoch ist es nicht.
Ganz bestimmt nicht.