Posts mit dem Label Bischofsresidenz Limburg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bischofsresidenz Limburg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 14. September 2013

Weißer Rauch am Dom?



Am Freitagnachmittag erzitterte die Altstadt wieder einmal vom Geheul schwerer, luftgekühlter Dieselmotoren und das wieder einmal auf klerikale Veranlassung. Die Feuerwehr fuhr in voller Stärke hinauf zum Dom.
Was war geschehen? Stieg dort etwa weißer Rauch auf und Erschrockene hatten die 112 gewählt? Hat Limburg am Ende endlich einen echten Bischof?
Dom zu Limburg: Feuer unter dem Dach?
Doch die Hoffnungsvollen wurden genauso enttäuscht wie die Sensationsgierigen, die die Nonnenmauer hinauftrabten. Zwar wurde die Drehleiter vorsorglich ausgefahren und Freiwillige Wehrleute in voller Montur standen zum Eingreifen parat. Doch das Einzige, das der rettungsdienstlichen Fürsorge bedurfte, war der externe Schaltkasten der Brandmeldeanlage.
Fehlalarm. Wieder einmal. Diesmal nur eben durch die Feuermelder des Doms und nicht durch die des bischöflichen Ordinariats, die in schönster Regelmäßigkeit gerade nächtens einlaufen und die Feuerwehr zwingen, mit einem kompletten Löschzug auszurücken.
An dieser Stelle einmal ein ausdrücklicher Dank an die Bereitschaft dieser Männer und ihre Sensibilität, beim Einsatz zu nachtschlafender Zeit auf das Fahren mit vollem Orchester zu verzichten.
Genervt sein dürften die Freiwilligen sicher, die immer wieder wegen Nichts aus den Betten gerissen werden. Aber das Bischöfliche Ordinariat hat ja kein Geld für eine Brandmeldeanlage, die modernen Ansprüchen bezüglich Zuverlässigkeit genügt. Die Millionen wurden anderweitig vergraben.
Für einen Mann, der das Amt des Bischofs ausüben soll und die Stadt Limburg darob in den vergangenen Wochen bundesweit auf alle Titelseiten und in jede Magazinsendung brachte. So groß war die Publizität, dass sogar das ferne Rom sich des Provinztheaters annehmen musste und ebenfalls mit einer Sendung reagierte. Der Ent-Sendung eines Botschafters für ein „brüderliches Gespräch“.
Eine Woche weilt der päpstliche Inquisitor nun in der Domstadt und man hört… NICHTS.
Wann wo mit wem worüber gesprochen wird und wurde unterliegt einer Nachrichtensperre und selbst durch die Mauern des B. O., die sonst die Dichtigkeit eines mittleren Küchensiebs haben, dringt praktisch kein Wort. Von heute auf morgen ist das Bistum Limburg in Sachen Verlautbarungen praktisch von der Landkarte verschwunden.
Man hört lediglich, dass der Gesandte spricht. Und zwar mit vielen Menschen, wenngleich ausschließlich mit Klerikalen. Worüber weiß man nicht.
Es ist eine Zeit der Spekulationen und Vermutungen. Eine Deutung, die sicher nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, wäre zum Beispiel die Folgende. Wäre irgendetwas, das dem aktuellen Mitraträger Limburgs zur Entlastung oder gar zu Ehre gereichen könnte, zu Tage getreten, wäre dies mit hoher Wahrscheinlichkeit vom rudimentären Propagandaapparat des Bischöflichen Ordinariats mit Posaunenklängen und einem Pontifikalamt verkündet und gefeiert worden.
Doch man schweigt. Man schweigt sehr.
Weniger zurückhaltend sind angesichts der Entwicklungen indessen die werten Kollegen des Betroffenen. Einer nach dem anderen melden sich inzwischen die deutschen Bischöfe zu Wort und sprechen eine immer klarere Sprache. Selbst jene, denen man alles Mögliche nur keine progressive oder gar weltoffene Grundhaltung unterstellen würde, sehen sich genötigt, ein paar Worte zu sagen. Worte, die von allem sprechen, nur nicht von einer Wertschätzung des Landwirtssohns in seinem Palast am Domberg (der eigentlich Mühlberg heißt, aber das ist eine andere Geschichte).
Bambi wohnt hier. Noch.
Er hat ihnen noch nie gefallen und sie haben ihn noch nie wirklich als einen der Ihren betrachtet, doch seine kölsche Protektion und seine devote Papsthörigkeit veranlassten die Meisten, sich mit Äußerungen zurückzuhalten. Ihn den Kreis ihrer Freunde nahmen sie ihn deswegen noch lange nicht auf.
Anlässlich der Ratzinger-Visitation im Jahr 2011 entstand ein Dokumentarfilm, der auf der Berlinale 2012 unter dem Titel „Die Lage“ lief. In erster Linie befasste sich der Filmemacher damit, dass eine ganze Stadt für dieses eine Ereignis zu einem großen Sperrgebiet mit exzessiven Sicherheitsvorkehrungen wurde (ob die Organisatoren sich beim Limburger Altstadtkreis kundig gemacht hatten, wie man derlei mit größtmöglichem Flurschaden durchführt, ist nicht bekannt…). Bei den Dreharbeiten lag es in der Natur der Sache, dass das Großaufgebot an deutschen und europäischen Soutanenträger immer wieder ins Bild kam. Man begrüßte sich, sprach, scherzte, tauschte Anektdoten, debattierte Weinqualitäten, suchte die Toilettenanlagen (Kardinäle, die am Dixi-Klo anstehen, sind ein mehr als wunderlicher Anblick…) und feierte sich und das Ereignis.
Aber dazwischen sah man immer wieder ein einzelnes, verlorenes Wesen in verkrampfter, gebeugter Haltung, die seinem quasi-jugendlichen Alter Hohn sprach, das zu keiner der Gruppen und keinem Freundeskreis gehörte und um das alle einen großen Bogen machten: Bambi - alleine in Erfurt.
Damals schon mied jeder den Kontakt mit TvE.
Heute hingegen sprechen die meisten Bischöfe in ungekannter Klarheit aus, was sie von diesem Mann halten, mit dem die Limburger Diözsese… ausgezeichnet wurde: Sie betrachten ihn als für dieses Amt vollkommen ungeeignet.
Wie bereits einmal erwähnt, ist es nicht wirklich wichtig, was Gegner über einen sagen und denken. Es ist entscheidend, dass man seine Anhänger behält. Kritisch wird es für jeden Amts- und Würdenträger dann, wenn die Freunde von ihm abrücken. Doch was geschieht erst mit denen, die überhaupt keine Freunde haben, wenn sie ihre Protektion verlieren?
Der einsame Palastbewohner gegenüber des Doms könnte einem leidtun.
Er könnte. Aber er muss nicht.
Denn was gerade geschieht, ist nicht, wie seine Weltsicht ihm vermittelt, die nicht weniger fest in den Fels betoniert ist, als sein Privatbunker für seinen Privatgott, das Resultat einer niederträchtigen Hetzkampagne ALLER Medien. Was aktuell abläuft, hat er sich ausschließlich selbst zuzuschreiben.
Wie sagt der Volksmund, der nicht immer nur Blödsinn redet?
Gottes Mühlen mahlen langsam. Aber schrecklich klein.
Und der Müller ist da…

Donnerstag, 5. September 2013

Bistum nach Disney-Art?




Mit weit aufgerissenen, großen Augen stakst er auf wackeligen Beinen staunend durch eine ihm unbekannte, fremde und beängstigende Welt und fürchtet sich vor der Attacke eines Schmetterlings. Sein Erscheinungsbild hat dem Bischof von Limburg einen Spitznamen eingetragen, der zurzeit rasend schnell die Runde in der Domstadt macht: Bambi.
Es gibt tatsächlich einige Parallelen. In Bambis Welt dominieren schwülstige Musik und schmalzige Songs, man spricht kaum miteinander und wenn es hart auf hart geht, ruft das Rehlein nach seiner Mama.
Doch der Bambi Disneys hat echte Freunde. Und er wird am Ende ein stattlicher Hirsch.
Da endet der Gleichklang. Dass aus dem Limburger Kitz noch einmal ein aufrechtes, männliches Wesen werden könnte, das souverän sein Revier beherrscht, ist sehr, sehr unwahrscheinlich.
Zumindest die Ereignisse bzw. Nichtereignisse der letzten Tage sprechen eindeutig dagegen.
Fünfmal war der Stellvertreter in der Presse, seit er überregional Limburg auf die Landkarte und jedem Fahrer mit LM-Kennzeichen Reaktionen zwischen Mitleid und Spott gebracht hat („Was habt IHR denn da für einen…“).
Wer sich selbst erhöht, soll...
Und fünfmal platschte er für die, die genau hinsehen und hinhören auch gleich wieder knöcheltief in den Fettnapf der dilettantischen Öffentlichkeitsarbeit.
Statt sich dem zu stellen, was er da verursacht hatte, kletterte der Limburger Papst im Wartestand a. D. als Allererstes gleich wieder an Bord eines Flugzeugs, jettete nach Rom und weinte sich dort an einer männlich-starken Schulter aus. Man ließ verlauten, er hätte Unterstützung und Beistand erfahren.
Welcher Art, darüber schwieg man sich aus.
Dann folgte der erste öffentliche Auftritt, den Presse und Fernsehen gerne als High-Noon in FFM gesehen hätten. Aber glitschig wie immer entwand TvE sich allen verfänglichen Fragen. Nur eine Wirkung hatte die Berichterstattung ganz offensichtlich. Das bajuwarische Schlachtschiff war im Hafen geblieben und man war mit einem Passat gen Main gesegelt. Als ob dieses Zugeständnislein irgendetwas daran ändern würde, dass das Gefährt nun einmal vorhanden ist und nur allzu gerne genutzt wird (insbesondere für rasante Stadtfahrten, wie am letzten Freitag zu beobachten…).
Dann folgte der ganz, ganz große Befreiungsschlag. Sozusagen. Dachte man auf dem Domberg.
Man gewährte ein Interview, in dem offen jede Frage erlaubt war. Heißt es. Und wer waren die kritischen Journalisten? Befehlsempfänger des in seiner Diözese ähnlich beliebten Kardinals Meissner. Ein katholisches Radio aus Köln, von dem hierzulande noch nie jemand etwas gehört hatte, führte das Interview, das TvE „spontan“ zusagte.
Man muss schon sehr viel glauben, wenn man hier nichts anderes als eine abgekartete und abgesprochene Sache sieht. Das Ergebnis war dann entsprechend und vor allem entlarvend. Sogar bei pseudokritischen, dreimal gesiebten Fragen war der Bischof von LM nicht in der Lage, eine Antwort zu geben, die wirklich etwas mit der Frage zu tun hatte.
Karnevalistisch waren seine Auslassungen zum Bischofspalast und der Frage nach den Kosten. Ja, wunderbar, dass nachgefragt würde, denn man würde in den nächsten drei Wochen sich nach Kräften bemühen, Antworten zu geben. Aber jetzt ginge das noch nicht.
Der Erstklässler fragt sich, was das Problem ist.
Da liegt ein Stapel Rechnungen.
Dort ist ein Taschenrechner. Die große Taste, mit dem kleinen Finger zu bedienen, das ist das PLUS. Die drückt man, nachdem man einen Rechnungsbetrag eingetippt hat. Immer wieder. Bis keine mehr da ist. Dann hat man am Ende etwas, das heißt SUMME.
Jeder, der von dieser Welt ist, kann das. Fortschrittlichere Menschen benutzen zu solchen Zwecken sogar sogenannte Computer mit Tabellenkalkulationsprogrammen. Muss man aber gar nicht. Dafür hat man teuer bezahlte Spezialisten.
Wer sich ein Haus bauen lässt, bekommt von seinem Architekten periodisch eine Aufstellung, in der die kalkulierten Kosten den wirklichen bzw. beauftragten gegenübergestellt werden.
Dann weiß man, wieviel man ausgegeben hat, wieviel man ausgeben wird und was das mit dem zu tun hat, was man ausgeben wollte.
Wie gesagt, so läuft das in dieser ach so weltlichen Welt…
Das war also das Radio-Interview. Andere Medien wurden nicht bedient.
Der nächste Schritt zum freudigen Offenseinwirkensollen war ein Quasi-Hirtenbrief, der überall verlesen werden sollte. Eine Seite voll inhaltsfreier Phrasen, die trotzdem ein gewisses Presseecho hervorriefen und für Überschriften sorgten wie „Bischof gibt Fehler zu“.
Ähm…
Nein.
Tut er nicht.
Wer den Brief wirklich liest, wird feststellen, dass von „Fehlern“ an keiner Stelle die Rede ist. Lediglich von Dingen, die er im Rückblick anders angehen würde. Ohne diese zu benennen. Dass man etwas anders machen würde, hätte man im Angesicht des Resultats noch einmal die Wahl, ist genauso menschlich wie selbstverständlich. Hätte ich gewusst, dass ich davon Bauchschmerzen bekomme, hätte ich die Currywurst nicht gegessen…
Einen Fehler zugeben, zu bedauern und sich bei denen, die unter dieser falschen Entscheidung leiden zu entschuldigen, das ist etwas Anderes.
Etwas völlig Anderes.
Das „Schreiben“ enthält nichts, das zu irgendeiner Hoffnung Anlass geben würde, es hätte irgendeine Art von Erkenntnisprozess unter der Mitra eingesetzt. Vielmehr bringt es zum Ausdruck, für wie unglaublich dumm bzw. naiv der Hirte seine Schäflein nach wie vor hält.
Alle.
Im gesamten Schreiben ist die Rede von dem, was ER für SICH von ANDEREN wünscht. Vertrauen, Gebete, Gemeinsamkeit, Miteinander. Nirgends ist die Rede davon, was ER dazu beitragen will.
Alles meins. Alles nur für mich.
Nichts hat sich an diesem Habitus geändert.
Das nächste Häppchen mit Beruhigungstablette folgte nicht viel später.
Mit viel Trara wird verkündet, das sogenannte Diözesane Zentrum würde geöffnet.
Wer da erwartet, nun dürften also alle Dombesucher z. B. in der ehemaligen Privatkapelle sich im Gebet auf das Betreten des großen Baus vorbereiten, der hofft falsch.
Es geht um – Minitourismus mit TvE als Führer.
Ein paarmal in diesem Jahr in handverlesenen, kleinen Gruppen.
Ansonsten bleibt die Panzersperre oben. Der Pöbel muss weiter draußen bleiben.
Passend zum Thema kontert nun der Spiegel. Die Verantwortlichen wären auch arge Dilettanten, hätten sie ihr ganzes Pulver bereits verschossen. Da lagert sicher noch Einiges in den Magazinen. Überall.
Zaun - "von der Bauaufsicht gefordert"?
Nun kam also die erste Salve der Reserve. Es gibt Bilder. Jede Menge Bilder aus der Bauzeit. Trotz des doppelten Sichtschutzzauns, der nach der falschen und dokumentierten (im Rahmen der Indienflugstory aber völlig untergegangenen) Behauptung von TvE keineswegs von der Bauaufsicht befohlen worden war. Trotz Schlägertrupps mit Bauhelmen, die Touristen und Journalisten, die einmal rasch auf den Auslöser drücken wollten, wenn einmal ein Tor aufging, mit Gewalt bedrohten. Und diese Bilder sprechen eine sehr eindeutige Sprache von Protz, Prunk und hemmungsloser Geldverschwendung, von immer neuen, immer schwieriger zu erfüllenden Sonderwünschen und mehr. Vom Abriss bereits fertiggestellter Gewerke und Entscheidungen nach Gutsherrenart.
Aber ja, er wird alle Fragen dazu beantworten.
Wahrscheinlich mit dem Habitus der hessischen Spezialität der „brutalstmöglichen Aufklärung“…
Und nun?
Ein paar Wochen sind vergangen, aber irgendwie will sich die erflehte Hörigkeit des Volkes, äh, wollen sich die Gemeinsamkeit und das Miteinander nicht einstellen.
Es funktioniert nicht, muss der kirchliche General in seinem Labyrinth am Dom feststellen. Und wieder sind es nicht die bösen „linken“ Medien, sondern die Konservativen, die den Ton vorgeben. Berufene Münder verkünden in ihren Analysen, dass TvE nicht der Mann ist, der zu irgendeiner Art von Selbstkritik oder gar Umdenken fähig ist.
ALLES, was er seit dem Aufstand im Dom zu Frankfurt unternommen hat, bestätigt diese Einschätzung.
Es wird sich also nichts ändern.
Es wird weiter Phrasen und Verlautbarungen und weinerliche Statements verletzter Eitelkeit geben.
Und ansonsten wird der Herrscher vom Dom weiter das tun, was er will.
Ein paar Fanboys und Girls hat „unser Bischof“ ja immer noch, die denken, der Weg in den Himmel führe über eine Schleimspur. In einem grotesken Aufstand der Strickstrumpfsandalen-Omas zogen diese schon zu Felde, stopften in Sytterlin gestochene Drohbriefe in die Briefkästen von Kritikern und klauten Unterschriftenlisten.
Aber ob diese Geriatrie-Division an Kreuzfahrern es schaffen wird, das Bambi vom Dom zu retten?
Zweifel sind angebracht…


Montag, 26. August 2013

Götterdämmerung am Dom?



Vor einiger Zeit belästigte ich das gläubige, das ungläubige und auch das Glauben heuchelnde Volk mit ein paar Gedanken zur Wahrnehmung der Realitäten dieser Welt durch den lokalen Stellvertreter des Stellvertreters des katholischen Gottes auf Erden.
Nun haben sich unlängst ein paar Ereignisse zugetragen, die geradezu nach einer Fortführung dieser Überlegungen schreien. Gut, das ist jetzt etwas untertrieben. Die Ereignisse tragen sich nicht einfach zu. Sie überschlagen sich nachgerade.
Er möge doch einmal die armseligste Pfarrei seiner Diözese übernehmen, diese führen, sich mit den alltäglichen Problemen eines Seelsorgers vor Ort und den Menschen selbst befassen, um dann sieben Jahre später als geläuterter und weiserer Mann das Amt des Bischofs von Limburg wieder aufzunehmen. Diesen wahrlich ungewöhnlichen und klugen Rat erhielt der aktuelle Limburger Bischof unlängst von einem seiner Untergebenen.
Der Bischof von Limburg fand darauf erwartungsgemäß keine spontane Antwort.
Der Bischof von Limburg kam erwartungsgemäß dem Rat nicht nach.
Die Pyramide vom Domberg
Der Bischof von Limburg lief vielmehr, ebenfalls erwartungsgemäß, zu einem seiner wenigen Freunde (bzw. einem Mann, den er dafür hielt) und weinte sich bei dem über diese Form der Anmaßung aus.
Ob er um Diskretion bat, ist nicht bekannt.
Auf jeden Fall erfolgte keine. Vielmehr machte die Begebenheit als Treppenwitz die Runde. Der Bischof von Limburg sah sich daraufhin genötigt, den betreffenden Stellvertreter, der einen einflussreichen Posten in der Mainmetropole Frankfurt hält und sich dort hoher Anerkennung und Beliebtheit erfreut, in erweiterter Runde zu maßregeln und ihn aufzufordern, sein Amt aufzugeben.
Unter einer der Soutanen im Kreise hatte sich aber wohl ein kleines Vöglein verborgen und dieses zwitscherte die Ereignisse und deren Ursprung der interessierten Presse.
Und die schrieb und so wurde wieder einmal öffentlich verkündet, dass es auch weiterhin Unruhe im Bischöflichen Ordinariat Limburg gibt. Noch mehr Unruhe, als sowieso schon innerhalb der Institution herrscht, in der der nun gar nicht mehr so neue Machthaber in der Manier „Die Diözese bin ich“ die Hallen quert (falls er mal seinen tausendquadratmetrigen Privatpalast verlässt). Diese seine Bewegungen innerhalb der klerikalen Organisation führt er jedenfalls von der ersten Stunde an mit dem Feingefühl eines schweren Bergungsgeräts durch: Was zufällig im Weg steht, wird plattgewalzt.
Bollwerk gegen die böse Welt
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Das Bistum Limburg besteht wahrlich nicht nur aus Unschuldslämmern und Opfertieren mit Betonkragen. Im Prinzip wäre also nichts dagegen einzuwenden, dass jemand versucht, die verkrusteten Strukturen dieses selbstgerechten Provinzapparats aufzubrechen, in dem jeder seine Posten und Pfründe verteidigt und in dem schon mal fette Millionenbeträge jahrzehntelang unbemerkt unterschlagen werden können. Fände diese Übung zu dem Zweck statt, das Verwaltungsungetüm dahingehend zu restrukturieren, dass es die längst vergessene, zentrale Aufgabe einer Kirche wieder wahrnehmen kann, nämlich für den Menschen da zu sein und ihm in seiner seelischen und irdischen Not beizustehen, wäre das sicher zu begrüßen.
Doch darum ging und geht es eben gerade nicht. Nie.
Das Hauptziel aller Aktionen des von außen und ohne Mitspracherecht aufgedrückten Machthabers ist, dafür zu sorgen, dass alles und jeder den ganz persönlichen Wünschen, Gelüsten, Begierden und Ambitionen des Bischofs untergeordnet wird: Alles meins.
Dass sich gegen so etwas Widerstand regen könnte, vermag nur jemanden zu überraschen, der sich mit Wissen über das Wesen des Menschen an sich und die Abgründen seiner Existenz aus Prinzip nicht belastet. Niedlich naiv ist es wohl, wenn jemand trotz fortgeschrittenen Alters tatsächlich glaubt, seine allumfassende Weisheit und die Wahrheit seines Wortes Kraft Amtes seien Legitimation genug, alles so zu richten, wie es ihm gefällt – und alle würden applaudieren und loyal und eigenmeinungsfrei vor, hinter und neben ihm stehen.
In der Diözese sowieso.
Aber auch in dieser schrecklichen, gottlosen Welt außerhalb.
Doch in dieser wird der Unfehlbare seiner eigenen Wahrnehmung nach von Anbeginn unberechtigt und bösartig kritisiert, diskriminiert und bloßgestellt.
Dabei steht nun auf einmal nach einer langen Zeit des Schweigens ein Presseorgan an der Spitze der Bewegung, von dem man das niemals erwartet hätte. In einschlägigen Kreisen wird diese rechtsintellektuelle Publikation ob seiner erschreckend linientreuen und erzkonservativen katholischen Berichterstattung bislang gerne auch mal als das „Hessische Bistumsblättchen“ bezeichnet: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Doch nun ist Wundersames und Erstaunliches geschehen.
Ausgerechnet dieses Hauptverlautbarungsorgan hat dem Bischof von Limburg die Gefolgschaft aufgekündigt und in einem ganzseitigen, bestens recherchierten und formulierten Artikel eine Generalabrechnung mit der Amtsführung des ambitionierten Landwirtssohns publiziert, dass diesem in den Marmorhallen auf dem Domberg tagelang die Ohren geklungen haben müssen.
Macht im Schatten des Doms?
Die seiner Untertanen in der Folge sowieso, denn die mussten das wochenlange Gejammer seiner Hochwürdigsten Eminenz ertragen.
Doch nun reicht es dem General in seinem Labyrinth am Dom.
Das Imperium schlägt gnadenlos und mit aller Macht zurück.
Das Bistum Limburg wird die FAZ in den Ruin treiben. Denn es hat das Abo der Zeitung gekündigt.
Damit nicht genug.
Wie man erfährt, hat das Bistum Limburg ein streng geheimes „Argumentationspapier“ herausgegeben, das alle Untertanen des Bischofs zu nutzen haben, um den „Verleumdungen“ durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung entgegenzuwirken.
Was soll man dazu sagen, außer: Zu dumm, zu aussichtslos, zu spät.
Die Publizistikwissenschaft hat sich eingehend mit der Meinungsbildung an sich befasst und dabei bemerkenswerte Ergebnisse erzielt. Eine Erkenntnis ist, dass es vollkommen gleichgültig ist, was ein Medium berichtet und kommentiert und wertet, das in der allgemeinen Wahrnehmung als Gegner einer im Rampenlicht stehenden Person bekannt ist. Auf den lokalen Schöpfervertretervertreter in Limburg bezogen bedeutet das, es spielt für den Konservativen oder Reaktionär oder allgemein auch nur Kirchenhörigen keine Rolle, was Der Spiegel schreibt, da dieses Wochenblatt als, vorsichtig ausgedrückt, katholikenkritisch bekannt ist.
Auch all die Zeitungen und sonstigen Medien, die den Spiegel-Tendenzen hinterherhecheln, sind für die wahren Parteigänger des Katholizismus ohne jede Bedeutung.
In der Öffentlichkeitsarbeit hat jemand, der vom Spiegel zum Feind erklärt wurde, auch niemals eine Chance, dort eine Meinungsänderung zu bewirken. Er kann immer nur bemüht sein, den Schaden möglichst klein zu halten und wenig Angriffsfläche zu bieten.
Worum sich eine gute Propagandaabteilung unbedingt kümmern muss, ist die Pflege der geneigten publizistischen Landschaft. Soll heißen: Sorge dafür, dass Deine Freunde Deine Freunde bleiben.
Das hat der Bischof von Limburg in seiner Hybris nicht getan.
Im Gegenteil.
Es ist ihm gelungen, den Meinungsführer des Konservatismus an sich gegen sich aufzubringen, die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Und nun steht er nicht etwa vor einem Scherbenhaufen. Nein, er wird von der Lawine spitzer Steine begraben, die er selbst losgetreten hat.
Notausgang. Köln oder Kloster, das ist hier die Frage...
Genau so, wie es Spiegel-Abschreiber gibt, existiert eine Unzahl von Journalisten, die sich an dem orientieren, was die FAZ vorgibt – und mit deren Ganzseiter haben auch diese alle ihre Hemmungen abgelegt. Man mag vielleicht in der Lokalredaktion am Neumarkt den Schuss nicht gehört haben (wäre auch das erste Mal…), doch selbst in der Hauptredaktion der Frankfurter Neuen Presse, der es ja in der Regel immer gelingt, sich in den schmalen Spalt zu quetschen, den die FAZ noch rechts vom eigenen Standpunkt frei lässt, ist man vom Apologeten bzw. Bejubelerclub des TvE umgeschwenkt.
Und man beginnt Fragen zu stellen. Öffentlich und drängend und, zumindest auf Seiten der FAZ, wohlinformierte und substanzielle. Nicht nur nach Mitarbeiterführung, menschlichem Anstand und Weisheit, sondern auch nach Geldern. Nach deren Auftauchen und Verschwinden, Verwendungen und Verschwendung und, noch viel schlimmer, nach explizit verbindlichen, kirchenrechtlichen Grundlagen von Haushaltsführungen im Geheimetat des bischöflichen Finanzschattenreiches.
„Anfragen der FAZ sind ins Leere laufen zu lassen“, lautet die Anweisung von ganz oben.
Als ob es damit getan sei.
Der Verlust an jeder Rückendeckung durch die publizistische Öffentlichkeit hat Folgen, die nur jemanden überraschen können, der von Medien und deren Wirkung noch weniger weiß, als von den Menschen in seiner Diözese.
Es regt sich Widerstand. Öffentlicher. In einem ungekannten Schulterschluss zwischen Gläubigen und Teilen des Klerus wird in Kirchen und Domen protestiert, benennen Betroffene (oder deuten zumindest erkennbar an, wo die Wurzel des Übels liegt) Ross und Reiter und setzen sich gegen die fortgesetzte Gängelung, Unterjochung, Prunk und mittelalterliche Protzsucht zur Wehr.
Jeden Tag ein wenig mehr.
Inzwischen ist es so weit, dass ein höherrangiger Kirchenmitarbeiter sich traut zu äußern, genau dieser Bischof hätte die gesamte Diözese „vor die Wand gefahren“.
Wäre TvE ein Politiker, wäre er unter diesen Umständen schon lange nicht mehr zu halten.
Was wird als nächstes kommen?
Es bleibt in jedem Fall weiter sehr, sehr spannend.