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Sonntag, 20. April 2014

ZeitWeg – Die eine Stimme der Vernunft



In Limburg ist etwas Ungeheuerliches und Seltenes passiert. Etwas, das man seit vielen Jahren so nicht mehr erlebt hat. Das Stadtparlament ist seiner Aufgabe nachgekommen und hat die Notbremse gezogen, bevor ein weiteres Monument sinnfreier, kommunaler Geldverschwendung (oder Geldverlagerung in private Taschen…) in Limburg errichtete werden konnte.
Das ZeitWerk ist gestorben.
Endgültig.
Das heißt, sterben kann nur etwas, das jemals gelebt hat. Dieses Mitmach-Museum war von vorn herein eine Totgeburt, wie ein Mensch, der einigermaßen die Grundrechenarten beherrscht, zu jeder Zeit selbst feststellen konnte und kann. Auch die allergrößten finanztechnischen Taschenspielertricks und Hochrechnungen aus dem Reich von Wolkenkuckucksheim hatten bereits bei den „Planungen“ ergeben, dass vielleicht wenn Sonne, Mond und Sterne irgendwann in einer Linearkonstellation an Ostern stünden, eventuell und möglicherweise einmal eine tiefrote Null in der Bilanz eines einzelnen Jahres stehen würde. Eines. Von 25, die man den musealen und selbst zu fertigenden Palast der bewegenden aber unbeweglichen Dinge anzumieten gedachte.
Nun ist es gescheitert, das ehemalige Mechanikum, mit dem teuersten Namen der Stadtgeschichte, der natürlich ungenutzt bleiben sollte, aber eine sechsstellige Summe in den Sand setzte bzw. in anwaltliche Kassen stopfte.
Was für ein Knall. Und was für eine Blamage.
Dabei war alles vorbereitet, für die schöne, große Inszenierung. Der zuständige Ausschuss hatte noch rasch getagt, keine wesentlichen Fragen gestellt und mit deutlicher Mehrheit den Abnickverein des Stadtregenten gespielt, wie es so häufig der Fall ist.
Doch die gewählten Abgeordneten funktionierten nicht. Wenigstens nicht mehrheitlich. Der übliche Überallesbescheidwisser verkündete lautstark, einem Zahlenwerk, in dem erwiesenermaßen noch eine ganze Reihe von wesentlichen Angaben nicht vorhanden oder nicht gesichert waren, seien alle Informationen zu entnehmen. Und er forderte, man müsse endlich mal Nägel mit Köpfen machen.
Es wurden.
Sargnägel.
Mit für den Alleinherrscher der Stadt nachgerade penetranter Hartnäckigkeit wurden Fragen gestellt – und auf die übliche Art von oben herab nicht beantwortet. Mit einem mehr als überraschenden Resultat.
Das Volk verweigerte einfach die Gefolgschaft.
Industrieruine - Günstige Miete
Das Veto der Stadtverordnetenversammlung ist eine laut schallende Ohrfeige für die Limburger Hinterzimmermauschelpolitik. Lange genug war Intransparenz ein Synonym für Limburger Entscheidungsfindung gewesen. Diejenigen, die die Stimme der Bürger repräsentieren sollten, wurden von (übrigens ebenfalls gewählten und dem Bürgerwohl verpflichteten) Regenten nicht nur für dämlich gehalten, sondern auch mit schönster Regelmäßigkeit für dumm verkauft.
So ließ es sich der oberste Verfechter des Musentempels nicht nehmen, die tolldreiste Behauptung mehrfach ins Feld zu führen, die Miete für das Objekt sei ja nun auch extrem günstig. Als ob eine so dynamisierte Tatsache nur durch ständige Wiederholung zur Wahrheit geadelt würde.
Knappe 6 Euro sollte die Quadtratmetermiete „nur“ kosten. Und für was? Für eine Ruine, denn nichts anderes ist das Gebäude zurzeit, das für das Museum vorgesehen war. Jede Investition in das Objekt sollte aus dem Geldsack des Mieter, also der Stadt kommen! Es wär sicher einmal interessant, eine Umfrage zu starten, welcher Besitzer einer 1000 m² großen, völlig maroden Lagerhalle in Limburg sich weigern würde, diese der Stadt für 6000,-- € im Monat zu vermieten. Für 25 Jahre, vollständige Sanierung und Ausbau in ein Eventcenter inklusive.
Doch dazu kommt es nun nicht.
Es haben sich vollkommen unerwartet in der Debatte Menschen zu Wort gemeldet, die das Denken dann doch nicht völlig an den lokalen Machthaber delegiert haben.
Der wird sich selbstredend dafür rächen und keine Gelegenheit auslassen, in seiner restlichen Amtszeit die Parlamentarier dafür abzustrafen, dass sie ihrem verfassungsgemäßen Auftrag nachgekommen sind.
Aber er kann an der Entscheidung nichts mehr ändern.
Das ZeitWerk ist tot.
Die Demokratie in Limburg offenbar doch noch nicht.
Gerade hat sie einmal kurz gezuckt und fest zugebissen.
Wir sollten sie füttern und pflegen, damit sie sich noch viel öfter in freier Wildbahn zeigt.

Freitag, 4. April 2014

Mitmachmuseum in der Nachbarschaft: Finanzielle Katastrophe



Bad Hersfeld und Limburg haben einige Gemeinsamkeiten. Beide liegen in der hessischen Provinz. Sie sind etwa gleich groß, haben ähnliche Entfernungen zu Metropolen, liegen verkehrsgünstig nahe Autobahnen, sind aus verschiedenen Gründen überregional bekannt und haben historische Altstädte. Doch in einem unterscheiden sich Limburg und Bad Hersfeld fundamental.
 In Limburg meint man, die Stadt bräuchte dringend ein Mitmach-Museum.
In Bad Hersfeld würde man alles dafür geben, wenn man sich niemals für ein solches Projekt entschieden hätte.
„Wortreich“ nennt sich die Einrichtung in Bad Hersfeld und soll genauso Besucher in Gruppen und Einzelne anlocken, wie das obskure Projekt, das in Limburg zwischenzeitlich bereits diverse Namen hatte, deren Erwerb und Verzicht eine sechsstellige Summe gekostet hat.
Anders als das „Mechanikum“ oder „ZeitWerk“ oder „Keineahnungwasdaswerdensoll“ Limburgs, hat „Wortreich“ hingegen eine Konzeption, die in einem Satz erklärbar ist: Es soll Sprache und Kommunikation der Menschen direkt erlebbar machen.
Das Limburger Projekt hingegen soll es in erster Linie mal geben.
Dann sieht man weiter.
Weiter sehen würde man auch in Bad Hersfeld gerne, doch das einzige was man erblicken kann, ist die Tatsache, dass man kurzsichtig war. Und optimistisch. Nachgerade fahrlässig optimistisch.
Haushaltstechnisches Katastrophengebiet, in Planung
Von 50.000 Besuchern ist man in Bad Hersfeld ausgegangen. Erschienen sind im vergangenen Jahr aber gerade einmal 42.000. Das Ergebnis ist ein saftiges Defizit von über 300.000,-- €.
Noch einmal zur Erinnerung: Lage und Infrastruktur von Bad Hersfeld und Limburg sind vergleichbar. Das „Wortreich“ hat eine klare Konzeption, das Limburger Projekt nicht. Trotzdem kalkulierte man in Bad Hersfeld mit 50.000 Besuchern. In Limburg nicht. Die Politgötter Limburgs nehmen kurzerhand 75.000 Eintrittzahler als gegeben an. Schlimmstenfalls 65.000. Legt man die realen Besucherzahlen eines vergleichbaren Unternehmens zugrunde, ist eine solche Annahme nicht optimistisch. Sie ist schlicht und ergreifend vollkommen weltfremd und bewegt sich etwa in der Region des Doppelten dessen, was man sinnvoll erwarten kann.
Ausgehend vom realen Defizit in Bad Hersfeld muss man also befürchten, dass im Fall einer Realisierung ein „ZeitWerk“, „Mechanikum“ oder „Hauptsachewirhabenes“ MINDESTENS eine halbe Million Euro jährlich aus der Stadtkasse saugen wird. Wahrscheinlich eine siebenstellige Summe.
Doch davon sind die Verfechter der Planungen vollkommen unbeeindruckt. Es ist nicht so, dass dieses Desaster in der näheren Umgebung nicht bekannt wäre. Das Defizit in Bad Hersfeld hat erst kürzlich Schlagzeilen gemacht, überregional. Aber was folgt daraus für Limburg?
Nichts.
Man geruht einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass es Belege dafür gibt, dass das geplante Unternehmen alle Anlagen zu einer wirtschaftlichen Katastrophe in sich trägt.
Für die Stadt.
Nicht für den Eigentümer der heiligen Hallen. Der bekäme im Fall eines Falles für Steuergeld einen perfekten Veranstaltungsort gebaut UND eine Jahresgarantie an Miete.
Worum es geht, ist also mehr als eindeutig. Der Investor, der die Stadt Limburg mit dem Vorzeige-, Lieblings- und Streichelprojekt WerkStadt bedacht hat, soll dafür aus dem Stadtsäckel noch einmal reichlich belohnt werden, koste es, was es wolle. Und ohne Rücksicht auf die Folgen für spätere Haushalte und Generationen.
Wäre es da nicht einfacher, dem Betreffenden die Millionen einfach zu schenken, ohne eine solch aufwändige Alibiveranstaltung? Dann wäre das Geld zwar auch weg.  Aber nur einmal. Und nicht auch noch für die kommenden 20 Jahre.

Dienstag, 17. September 2013

Science Haus – Limburg (er)findet eine neue Geldvernichtungsmanufaktur



Der Haupt- und Finanzausschuss könne beschließen, dass es nichts zu beschließen gibt, musste der Bürgermeister auf der letzten Sitzung gestehen. Das Thema war das aktuell geheimnisvollste Projekt der rührigen Stadtregierung, das inzwischen unter dem dritten Namen firmiert. Was einst als Mechanikum ins Leben trat, eine kurze heftige Pubertät als ZeitWerk erleben durfte, heißt nun Science Haus und war Thema.
Wissenschaft in Denglish hier...
Wieder einmal oder erstmalig, je nach Deutung der Entwicklungen und Standpunkt.
Die Älteren werden sich erinnern, dass einst im Mai der Bürgermeister die Stadt, den Magistrat und generell alle damit überraschte, dass in der damals noch gar nicht beschlossenen Erweiterung der WerkStadt etwas Volksbildendes entstehen müsse. Was, wusste niemand so wirklich. Nur dass es etwas mit Mechanik zu tun haben sollte und mit verschiedenen anderen –kums der weiteren Umgebung korrespondieren.
Nach dem Beschluss, dass die Stadt derlei unbedingt braucht, weil sie damit EU-Gelder einsacken könnte, geschah das, was in Limburg üblich ist. Es wurde in Hinterzimmern und vor einschlägig bekannten Cafés gemauschelt und das Resultat war, dass der fremde Initiator des Projekts rausgekegelt wurde. Und der Kampf um Rom begann, sprich um den Namen des Dinges an sich.
Nachdem man diesbezüglich obsiegte, waren sowohl Name als Konzeption bei der nächsten Beschlussvorlage Schall und Rauch und das Kind hatte einen anderen Titel.
Und niemand hatte eine Vorstellung, was es denn überhaupt werden sollte.
Man beschloss trotzdem fleißig, dass es gebraucht würde, und erfuhr, dass es natürlich teurer werde. Warum, wieso, mit wem und weshalb waren Fragen, auf die die Herrscher traditionell jede Antwort schuldig blieben.
Dieser offenbar obligatorischen Vorgabe im Limburger öffentlichen Handeln folgten die Machthaber dann bei der jüngsten Sitzung des zuständigen Ausschusses.
Man kann so ungefähr alles noch nicht sagen.
Nur, dass nun also ein Science Haus das allein Seeligmachende sein soll.
Dabei spielt es ganz offenbar absolut keine Rolle, dass die zuständigen Stellen von der Stadtverordnetenversammlung keinerlei Mandat hatten, irgendetwas anderes als eine Konzeption des Mechanikums zu entwickeln und entsprechende Machbarkeits- und Bedarfsstudien in Auftrag zu geben. Von ZeitWerken oder Science-Häusern war nie die Rede.
Schnitzel mit Pommes hatten die Limburger bestellt - serviert wurde nun aber Kalbshirn an Blattspinat. Mit der entsprechenden Rechnung.
...oder dort?
4,4 Millionen soll die große Unbekannte zum jetzigen Zeitpunkt kosten – und nur 1,5 Millionen davon sollen aus irgendeinem EU-Goldtopf kommen. Bleiben rein rechnerisch satte 2,9 Millionen, die die Stadt Limburg aufbringen muss, auch wenn bürgermeisterliche Verrechnungsoperationen mit Posten, die mit dem „Science Haus“ überhaupt nichts zu tun haben, etwas anderes suggerieren wollen.
Doch das sind nur die Kosten, die bis jetzt KALKULIERBAR sind. Wie schnell Preise für kleine, bescheidene Eigenheime nebst häuslichem Arbeitszimmer explodieren können, zeigt ein gewisses Monument der Hybris gegenüber des Doms für jetzt und alle Ewigkeit.
Was bekäme der gemeine Limburger nun für diese fast 3 Millionen, Tendenz steigend?
Nichts, was er in irgendeiner Form braucht oder was der Allgemeinheit zu Gute käme.
Auch wenn der Spezialist des beauftragten Projektentwicklers einen ganzen Vorrat an Phrasen parat hatte, was die Bürger der Lahnstadt denn nun mit diesem Populärwissenschaftstempelchen anfangen können sollen, eine wirkliche Antwort darauf hatte er nicht. Nur Forderungen an den gemeinen Limburger, „sich einzubringen“.
In erster Linie ist das angeblich vorbildliche Stadtmarketingprodukt für Auswärtige, die sehr hochgerechnet 75tausendköpfig jährlich dorthin pilgern sollen, dabei anderthalb Stunden Anfahrt in Kauf nehmen und auch noch 7,50 € Eintritt für das unbekannte Vergnügen zahlen sollen.
Auf der Haben-Seite für Limburg stehen drei Arbeitsplätze und ein paar Minijobber.
Und eine schwarze Null. Vielleicht. Wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen.
Besucherparkplatz?
Soll heißen, derlei Besucherzahlen sind der absolut hochgerechnete Idealfall, mussten Bürgermeister und Vortragender zugeben. Schaut man auf den Radius des angeblichen Einzugsgebiets, findet man mittendrin nämlich so kleine und unattraktive Ziele wie Frankfurt und Köln, deren Museums- und Eventtempel-Infrastruktur Limburg also das Wasser abgraben will. Und dabei hat noch niemand den Namen Schloss Freundenberg erwähnt, wo ein sehr ähnlich geartetes aber ungleich attraktiver präsentiertes Programm um sinkende Besucherzahlen konkurriert.
Das Worst-Case-Szenario hatte der Entwickler dann auch wohlweislich gar nicht erst errechnet. Man könnte auch sagen, dass da jemand genauso wenig seine Hausaufgaben gemacht hatte, wie Magistrat und Bürgermeister. Ein mathematisches Genie braucht man nicht zu sein, um zu kalkulieren, was realistische Besucherzahlen für das Projekt bedeuten. Die Stadt Limburg ist auf dem besten Wege, für mehrere Millionen zu sichern, dass sie in Zukunft jährlich eine Viertelmillion an Personal-, Betriebs- und Instandhaltungskosten für die Defizite eines kommunalen Unternehmens im Etat veranschlagen muss, das nur deshalb gebaut wurde, um es gebaut zu haben. Von der beschworenen Integration der Bürger kann nicht die Rede sein. Die hat nämlich niemand gefragt, ob sie so etwas brauchen und wollen.
Sie werden im Fall eines Falles sicher etwas bekommen. Nämlich eine ganz erhebliche, verkehrstechnische Mehrbelastung und zwar ausgerechnet der Diezer Straße, die sowieso schon der Kulminationspunkt des Limburger Verkehrsinfarktes ist. Die Frage, wo die Besucher-Massen ihre Wagen parken sollen, wenn die Verdreifachung der Verkaufsfläche der WerkStadt abgeschlossen ist und die Einkaufstouristen auf den jetzt schon zu knapp bemessenen Plätzen um Raum für ihre Fahrzeuge kämpfen, wurde selbstverständlich nicht einmal erwähnt geschweige denn beantwortet.
Das einzige, was offenbar nicht in Frage steht, ist die Tatsache, dass wieder einmal ganz, ganz schnell entschieden werden muss, auch wenn noch nicht einmal ein Bruchteil der Fakten auf dem Tisch liegen.
Glücklicherweise ist nach all dem Geld, das für Planungen, Gutachten und auch Prozesse bereits sinnfrei verbrannt wurde, noch kein endgültiger Beschluss des maßgeblichen Gremiums gefällt worden.
Die Stadtverordnetenversammlung hat noch nichts entschieden, auch weil ihr noch nichts Beschließbares vorliegt.
Die einzig vernünftige Antwort, die die gewählten Repräsentanten der Bürger für dieses Phantasieprojekt geben sollten, steht dabei wohl fest: Nein, danke. Doch ob sie es schaffen, sich dem Diktat der Herrschenden diesmal zu widersetzen?
Wir dürfen gespannt sein…

Mittwoch, 24. Juli 2013

Die Mechanik der Altstadt



Als Journalist, der in Limburg versucht, seinem Beruf nachzugehen, hat man es sicher nicht leicht. Zumindest dann nicht, wenn man sich nicht nur als Verbreiter politischer, amtlicher oder kirchlicher Verlautbarungen sieht und redaktionelle Arbeit nicht ausschließlich als Korrektur der peinlichsten Fehler und Formulierungsexzesse versteht.
Es passiert selten, dass sich ambitioniertere Reporter ganz klar äußern, wenn sie wieder einmal in das in diesem Ort zwischen Taunus und Westerwald herrschenden Gestrüpp aus Halbwahrheiten, Desinformation, Mauern, Verschweigen und oft genug schlicht platten Lügen geraten sind und von allen Seiten Dornen an ihnen zerren.
Doch diese Woche ist es einmal geschehen. In einem Kommentar lässt ein Lokaljournalist endlich einmal seiner Wut über dieses ständige Gemauschel in Hinterzimmern/Ausschüssen/Kneipen/Weinkellern freien Lauf, das immer in völlig sinnfrei und in ihrer Herkunft ungeklärte Entscheidungen ohne jede parlamentarisch-politische Legitimation mündet.
Worum ging es?
Um eines der neueren, größeren Wunder, mit dem uns die Stadtregierung zu beglücken gedachte. Vor einem Jahr erfuhr die staunende Öffentlichkeit, dass Limburg nicht nur etwas, das sich „Mechanikum“ nannte bräuchte, sondern auch bekäme. Niemand konnte so wirklich sagen, worum es eigentlich dabei ging und was ausgerechnet Limburg zu einem prädestinierten Standort für ein obskures, interaktives Technikhalbmuseum machte. Nur eines war wichtig und wurde herausgestellt. Es sollte EU Fördermittel dafür geben – und das ist, wie bereits mehrfach erwähnt, der Zeitpunkt, an dem in Limburg offenbar jeglicher Verstand aussetzt. Sobald Beute in Form fremder, öffentlicher Mittel ins Sicht ist, muss diese gerissen werden, koste es was es wolle. Und seien es Millionen an Steuergeldern.
Mit Sicherheit waren genau diese in dem Businessplan des Initiators enthaltenen Fördermittel der Hauptbeweggrund, dem Projekt „Mechanikum“ überhaupt näherzutreten. 
Dem Projekt. Nicht dem Ideengeber. Immerhin sind wir ja bekanntlich in Limburg und dort lautet das Motto in Bezug auf jeden Einfall, der an verantwortliche Stellen herangetragen wird: Bräuchten wir es, hätten wir es schon. Intelligent sind wir selber.
Altstadtmechanik: Uhr, kaputt
Es folgte also das, was in solchen Fällen meistens passiert. Es bestand die Gefahr, dass die falschen Leute das Geld verdienten, also musste der Vorschlagende verschwinden. Der Initiator wurde locker ausgebootet und nicht nur das. Es gab einen teuren Rechtsstreit um den Namen des Projektes, den die Stadt dann gewann, wie sie stolz verkündete. Sie war Besitzer des großen Wortes „Mechanikum“. Jedenfalls bis zur Berufung des sich betrogen Fühlenden. Und bis zur letzten Stadtverordnetenversammlung.
Bei der ereignete sich nun das, was betreffenden Journalisten diesmal zur Weißglut und zu klaren Worten trieb. Auf einmal war alles anders. Ganz und gar anders – und wieder einmal konnten weder Bürgermeister noch Magistrat auch nur eine einzige Frage beantworten, wie in aller Welt es zu den verkündeten, mehrfachen Kehrtwendungen gekommen war.
Die frohe Botschaft war: Das Mechanikum ist tot. Es lebe das ZeitWerk! Was das sein sollte, konnte niemand wirklich sagen, nur, dass es wohl ein paar Ausschüsse und Gutachten (möglichst externer Natur) bräuchte um festzustellen und festzulegen, worum es überhaupt gehen soll! Das wiederum sollte aber niemanden daran hindern, schon mal mit dem Bau anzufangen, im kommenden Frühjahr.  Gemäß dem Motto: Wir haben absolut keine Ahnung, wohin wir wollen und wo der Weg entlangführt, aber wir laufen jetzt mal los, dann haben wir schon eine Strecke hinter uns, wenn wir es irgendwann einmal wissen. Oder besser: falls.
Altstadtmechanik: Klappe, manuell
Nur eine einzige Sache konnte als gesichert verkündet werden. Es würde alles teurer als geplant. Viel teurer. Welch eine Überraschung. Kleinere Anflüge von Auskunftsersuchen wurden auf die bekannt arrogante Art beiseite gewedelt wie lästige Fliegen und die Verantwortlichen griffen, als ihnen überhaupt nichts mehr einfiel, ganz tief in die Mottenkiste der Verlautbarungsphrasen. Aus dem Hut gezogen wurden die wunderbaren Begriffe „Beteiligung der Bürger“ (die handverlesenen, üblichen Verdächtigen), „Beteiligung von Firmen“ (die genauso üblichen Verdächtigen aus der großen, finanzstarken und der kleinen, sich umso wichtiger fühlenden Kaufmanns- und Krämervereinigung), Integration der Neustadt (nun ja, die WerkStadt liegt nun mal in der Neustadt…) sowie Integration der Altstadt.
Aha. Die Altstadt. Integriert in ein Museum für iwmM (irgendwas mit Mechanik). Wie übersetzt man das? Was ist da geplant? Wird es ein Modell des Doms geben, in dem auf Knopfdruck die Glöckchen läuten? Oder eines des neuen Bischofspalast, bei dem sich auf Kommando die Überwachungskameras bewegen? Mechanik in der Altstadt? Wie darf man das verstehen? In die WerkStadt lässt sich die Altstadt wohl kaum verlegen, so gerne das Entscheidungsträger hätten. Wie integriert man aber eine Altstadt, in der das mechanischste die Türklinken an den Häusern sind? Geht es denn überhaupt noch sinnfreier?
Ja. Es geht. Die kabarettistisch hochwertigste Verlautbarung war in der betreffenden Sitzung die, dass das Kulturamt der Stadt den Betrieb dieses Wasauchimmers übernehmen und organisieren soll.
Altstadtmechanik: Rad, stationär
Also genau die Stelle, die sich nicht in der Lage sah, ein MUSEUM für moderne Kunst, mit eindeutigem Programm, Exponaten, Zielgruppen, Werbekonzeption UND Finanzierung zu betreiben, das jemand der Stadt SCHENKEN wollte!
Sensationell. Oder: Limburg eben.
Der ursprüngliche Initiator des verstorbenen Mechanikums hat sich auch zu Wort gemeldet und seine Bedenken geäußert. Es gab ein klares Konzept, auf dessen Basis Fördermittel zugesagt wurden. Dieses Konzept wurde nun durch – gar keins abgelöst. Für keine Ahnung gibt nicht einmal die EU Geld. Normalerweise.
Die Stadt Limburg weiß nicht, was sie in dem sogenannten „Zeitwerk“ veranstalten will. Sie weiß auch nicht, für welche Zielgruppen es vorgesehen ist. Kein Mensch hat eine Ahnung, wieviele der Besucher, von denen man nicht weiß, warum sie kommen sollten, dort erscheinen werden, wie sie das verkehrsungünstig gelegene Gelände erreichen und wo sie parken werden. Sollen. Und so.
Wer all diese atemberaubenden Änderungen eines einmal gefassten Beschlusses veranlasst hat und verantwortet, dazu gab es – Überraschung – keinerlei  Aussage. Nur die mit der Arroganz der Macht vorgetragene Kurzinformation, dass es nun eben so sei. Basta.
Es gab Fragen, Fragen, Fragen – und keine Antwort.
Kein Wunder, wenn einem ernsthaften Journalisten da einmal der Kragen platzt.
Unsere werten Stadtväter und Mütter sind gerade dabei, mal wieder ein Millionengrab am alten Bahnausbesserungswerk zu buddeln, das nicht einem einzigen Limburger (na gut, abgesehen von den üblichen Verdächtigen im Architektur- und Baugewerbe, die ja bedacht werden müssen - man kennt sich - man hilft sich...) irgendetwas bringt.
Es gibt nur eine einzige gute Nachricht in diesem neuen, hausgemachten  Debakel. Was immer dort an den Gleisen gebaut wird, es ist nicht für die ausschließliche und kostenfreie Nutzung durch die katholische Kirche vorgesehen.
Oder soll ich vielleicht besser sagen: noch nicht?