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Mittwoch, 26. Juni 2013

Die Vorfahrer oder: Täglich am ZOB



Auch für den ÖPNV ist am ZOB von LM die LZA gemäß der StVO verbindlich. Eine Formulierung, die Bürokratenherzen schneller schlagen lässt. Übersetzung: Die allgemeinen Verkehrsregeln gelten auch für Busfahrer an der Eisenbahnstraße. Zumindest theoretisch. Die Praxis dagegen sieht am Knotenpunkt des freudigen Menschentransporterwesens der Stadt an der Lahn leider anders aus. 
Vollkommen anders, wie sich allmorgendlich die anderen Verkehrsteilnehmer überzeugen können. Oder müssen.
Busse und damit deren Fahrer sind in mancherlei Hinsicht im Straßenverkehr privilegiert. So müssen andere Verkehrsteilnehmer ihnen an Bushaltebuchten die Einfahrt ermöglichen. Wenn sie zum Anfahren links blinken. Außerdem ist es zwingend vorgeschrieben, auch wenn es sowohl tiefergelegte, ultracoole  Hip-Hop-Dröhnmobilfahrer als auch Kinder-zur-Schule-bringende SUV-Mamis, die kaum über das Volant schauen können, völlig anders sehen, dass ein Bus an einer Haltestelle nur in SCHRITTGESCHWINDIGKEIT passiert werden darf, sobald dessen Warnblinkanlage eingeschaltet ist.
Suchbild: Wer findet die Ampel?
Ansonsten sind Busse aber Fahrzeuge wie Du und ich und deren Lenker normalsterblich. Das heißt, alle anderen, nicht speziell für ihre Fahrzeuge eingeführten Verkehrsregeln gelten auch für sie. Dies sind jedoch Erkenntnisse, die sich bei der viele Menschen chauffierenden Gemeinde in der Stadt Limburg noch nicht wirklich durchgesetzt haben.
Das beginnt damit, dass man hinter dem großen Steuer der mobilen Glaspaläste ganz offensichtlich den Sinn und Zweck einer Haltelinie nicht kennt. Es sei an dieser Stelle einmal kurz erklärt. Die Haltelinie ist ein breiter, weißer Querstrich vor einer LZA (Lichtzeichenanlage, vulgo „Ampel“), an dem Fahrzeuge stehenbleiben MÜSSEN, sobald ihnen die Durchfahrt via LZA untersagt wird. AN der Linie. Sinnvollerweise nicht 10 Meter davor, nicht darauf und schon gar nicht 5 Meter dahinter.
Auto geht - Bus steht - oder so.
Verkehrsampeln wurden nicht viel später als der motorisierte Verkehr eingeführt, also kann man getrost davon ausgehen, dass heute Verkehrsplaner und sogar Tiefbauer wissen, was sie tun, wenn sie eine LZA einrichten und die entsprechenden Markierungen anbringen. Im Fall des ZOB (Zentraler Omnibus Bahnhof) von Limburg haben sie Haltelinien an der Ampel sowohl für die Straße als auch für die Haltestelle/Busspur an sich gezogen, die für den ÖPNV (Öffentlichen Personennahverkehr) mit gutem Grund ein Stück VOR der Linie für den Normalverkehr. Denn es befindet sich eine LZA rechts an einem Mast und das ist die Einzige, die PKW-Fahrer in der ersten Reihe sehen können. Die andere hängt mindestens 5 Meter direkt über ihnen und ist ohne anatomisch-physikalische Sensationen wie Augen, die durch Fahrzeugdächer schauen können, nicht zu erblicken. Es ist also SINNVOLL, wenn ein Busfahrer seine 15 Tonnen direkt AN der Haltelinie zum Stehen bringt. Und nicht so weit dahinter, dass der gemeine Autofahrer die Ampel eben NICHT mehr sehen kann und deshalb keine Ahnung hat, WANN er losfahren darf. Die Straßenverkehrsordnung sieht nicht vor, dass hinter ihm stehende Fahrzeuglenker ihm mit Hilfe der Warneinrichtung die Fahrtberechtigung mitteilen müssen, weil er in der ersten Reihe nur raten kann.
Dies ist aber leider am ZOB die Regel geworden. Busfahrer parken so idiotisch, dass sie in den meisten Fällen die Ampel rechts verdecken.
Wenn es nun hinter einem hupt und man losfährt, kann es geschehen, dass man urplötzlich eine Vollbremsung hinlegen muss. Nämlich dann, wenn der Busfahrer, der gerade noch alle Informationen über die Farbe der Ampellichter unterdrückt hat, Gas gibt und seinen kantigen Diesel ohne Rücksicht und ohne zu schauen auf die Fahrbahn wuchtet, im blinden Vertrauen darauf, er hätte „Grün“ und Vorfahrt.
Hat er aber beides nicht!
Denn am ZOB von LM gibt es LZA, die speziell für den ÖPNV vorgesehen sind. Die und NUR die sind für die Verkehrsregelung zwischen Busspur und Straße verbindlich und sie stehen in Konkurrenz zu einander! Zu lesen sind diese Zeichen auch für Analphabeten. Querstrich: Stopp. Senkrechter Strich: Fahren! Zeigt die Farbampel für die Straße grün, zeigt sie für die Haltestelle quer. Und bedeutet WARTEN. Es bedeutet nicht: Allen Verkehr auf der Eisenbahnstraße zur Seite drängen und drohen, diesen kurzerhand weg zu rammen!
Bis heute ist es nur dem Reaktionsvermögen der meisten Autofahrer zu verdanken, dass es noch nicht zu massiven Unfällen zwischen Bussen und KFZ oder Radfahrern (die noch beliebtere Opfer der Allebeförderer-Treiber sind) gekommen ist.
Der Unbedarfte stellt sich allerdings die Frage: Haben die Busfahrer keinen Führerschein? Sind nicht die Kenntnisse der Straßenverkehrsordnung für den Erwerb eines solchen obligatorisch? Und warum sieht man nie einen Uniformierten an dieser Stelle, der bei diesen eklatanten Rotlichtverstößen (und um nichts anderes handelt es sich dabei) einmal eingreift?

Mittwoch, 19. Juni 2013

Stadt Limburg will Verkehr wegrechne(r)n



Limburg hat ein Verkehrsproblem, das dürften die wenigsten leugnen, schon gar nicht die, die am Morgen und Abend in Staus an Kreuzungen vor roten Ampeln stehen und sich fragen, warum auf IHRER Seite das Rotlicht 15 Sekunden länger leuchtet, während der Gegenverkehr schon lange wieder fährt UND keine Linksabbieger ihren Weg kreuzen würden.
Grün. Für alle?
Die ganz große Lösung für alle Probleme der automobilen Bewegung fanden Magistrat und Stadtverwaltung vor geraumer Zeit. Ein zentraler Verkehrsrechner muss her, war die Erkenntnis, eine Maschine, die alle Verkehrsströme von einer Stelle aus erkennt, erfasst, berechnet und die gesamte Ampelanlageninfrastruktur so steuert, dass jeder in jede Richtung möglichst schnell kommt. Für die, die nichts glauben, was sie nicht lesen, soll es zudem Anzeigen geben, die in klarer deutscher Prosa übermitteln, was vor sich geht (Achtung Stau in Richtung Innenstadt…) und was der Verkehrsteilnehmer sowieso sieht.
Nachdem über die ganz große Lösung Einigkeit bestand, passierte das, was in Limburg immer passiert, wenn es gilt, Entscheidungen zu treffen. Es muss zunächst einmal für viel Geld ein externes Ingenieurbüro oder auch zwei oder drei beauftragt werden, ein GUTACHTEN zu erstellen.
Ein solches wurde nun von kompetenter Seite vorgestellt. Zwischen alle dem, was geredet, gebildert, geschrieben und gehandoutet wurde, ist es nicht ganz leicht, den wahren und entscheidenden Gehalt der Expertise zu finden. Ein Gutachten wird ja vom Auftraggeber mit einer bestimmten Zielvorgabe bestellt, auch wenn sie „neutral“ verpackt wird. In diesem Fall lautete die Mission: Bitte belegt uns, dass ein zentraler Verkehrsrechner die Lösung all unserer Probleme sein wird.
Der Gutachter bemühte sich mehr als redlich, doch seine professionelle Ehre ließ es wohl nicht zu, sein wichtigsten Erkenntnisse völlig unter den Tisch fallen zu lassen. 
Welche da sind die Folgenden.
Erstens: Ein Auto ist ein Auto. Egal, wo es entlang fährt. Mit einer zentralen Verkehrsleitung wird ein Auto ein Auto bleiben. Zu viele Autos werden zu viele Autos bleiben. Ein Computer bringt Autos nicht zum Verschwinden. Er könnte sie höchstens in Bewegung halten. Doch eine zentrale Verkehrsleitung würde eine Entlastung von nur ca 10% bringen. Das heißt, das vollständige Durchqueren des Stadtgebietes würde z. B. nicht mehr 10 sondern 9 Minuten dauern. Der Zeitgewinn läge damit unter der subjektiven Wahrnehmungsschwelle. Der Autofahrer würde es also nicht merken. Und das gilt sowieso nur, falls die Anlage perfekt funktioniert.
Staumaschine, Version 2.83
Doch dafür gibt es, zweitens, nicht einmal das Embryo einer Garantie. Der Gutachter konstatierte, dass sich die Stadt Limburg mit ihren Wünschen bezüglich der Funktionalität sozusagen auf der Reise in unentdecktes Land befindet. Es gibt NICHTS, auf das die Konstrukteure und insbesondere die Programmierer einer solchen Anlage aufbauen könnten. Eine zentrale Verkehrsleitung für Limburg müsste erst entwickelt werden und zwar in einer Form von Versuch und Irrtum.
Am lebenden Objekt.
Eine Verkehrsführung via Computer braucht eine so gigantische Zahl an Daten UND logischen Verknüpfungen dieser Daten, dass es eine nahezu unlösbare Aufgabe ist, so etwas in einem festgelegten Zeitraum mit festgelegten Mitteln zu erschaffen. Das unumgängliche Resultat wäre eine „Versuchsphase“, also ein nicht näher bestimmter Zeitraum, in dem NICHTS funktioniert. Um irgendwann, in ferner, ferner Zukunft vielleicht einmal 30 Sekunden für eine bestimmte Strecke zu gewinnen, müsste der gemeine Limburger also erst einmal Monate seines Lebens vor falsch programmierten Ampeln verbringen.
Der Gutachter hat es nicht ausgesprochen, aber er hat sich für einen Menschen seiner Profession außerordentlich nahe an ein eindeutiges Urteil getraut. Die Übersetzung seiner Expertise: Seid Ihr des Wahnsinns nackte Kofferträger, so etwas Bescheuertes auch nur in Erwägung zu ziehen? Es wird NICHT funktionieren, sondern jeden Verkehrsfluss über nicht absehbare Zeit zum Erliegen bringen. Darüber hinaus könnt Ihr davon ausgehen, dass die Entwicklung all dessen am Ende sicher das Zehnfache kosten wird, was Ihr jetzt dafür kalkuliert. Lasst um Himmels Willen die Finger davon, wenn Ihr die Limburger nicht noch unglücklicher machen wollt!
Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Frage ist nur, ob irgendjemand die Botschaft verstanden hat? Oder ob mal wieder die geierige Gier nach irgendwelchen Zuschüssen für irgendein sinnfreies Projekt jeden Blick verstellt. Das Problem mit den Zuschüssen, die es von Land, Bund oder auch EU gibt, ist nur: die andere Hälfte des Geldes müssen die Bürger aufbringen. Geld, mit dem man auch etwas Sinnvolles anfangen könnte.

Samstag, 25. Mai 2013

Die Lösung: Ein ganz besonderer Verkehrskreisel



Anlässlich der Criminale (größtes, deutschsprachiges Krimifestival) war ich unlängst in Bern (sprich: Beeeeerrrrn; man ist dort tatsächlich ein ganz klein wenig, hm, sagen wir einmal: bedächtiger…).Das hat mit Limburg nun nicht besonders viel zu tun. Man erreicht Bern in gut vier Stunden, falls die Frau im Kofferraum („Bitte jetzt rechts fahren und der Autobahn folgen…“) einem Anweisungen nicht 100 m HINTER der Abzweigung gibt oder irgendwann die Aussage ganz verweigert, was bei mir geschah.
Dazu kam, dass ihr offenbar die aktuellen Geheimnisse der Schweizer Wegführung nicht vertraut waren. Ein spannendes Phänomen ist ihr in den zwei Jahren, die ich diesen Wagen habe, eindeutig entgangen: die auch in der Schweiz grassierende Kreisellitis.
Wo sie noch ampelbewehrte Kreuzungen sah, fand ich mich mehrfach an und in Verkehrskreiseln wieder, was geradezu heimatliche Gefühle bei mir auslöste. Das kannte ich. Nur zu gut. Denn nichts kann ja die heimische Tiefbauerfraktionen in Parlament und Magistrat mehr in Ekstase versetzen, als die Möglichkeit an einer beliebigen Stelle einen Verkehrskreisel zu asphaltieren. Ob er nun sinnvoll ist oder nicht. Und unabhängig von der Frage, ob es dort überhaupt einen Platz für ein solches Monument der Straßenbaukunst gibt.
Platz. Ja, Platz ist ein Problem, wenn man ihn nicht hat. Pseudofahrradwege kann man ja notfalls noch auch auf die schmalste Straße pinseln. Aber mit Kreiseln wird es da schon schwieriger.
Stillleben mit Hut und Verkehrskreisel, durch automobile Frontscheibe erblickt (c) Dr. Petra Busch
Doch nun habe ich etwas gesehen, das ich der germanischen Welt einfach nicht vorenthalten darf, der Limburger schon gar nicht. Die Schweiz gilt ja gemeinhin nicht unbedingt als eine progressive Nation. Wie groß war da meine Überraschung, als ich etwas vorfand, das ich in meinem Leben noch nicht erblickt hatte: einen UNTERIRDISCHEN Verkehrskreisel! Meine Frau im Kofferraum war so begeistert darüber, dass sie mich prompt an der nächsten Ausfahrt vorbeischickte und ich gezwungen war, zu wenden, und dieses Bauwerk noch einmal zu nutzen, wobei dieses Foto entstand.
Ich wusste im ersten Augenblick: DAS ist sie! DIE Lösung für alle Verkehrsprobleme Limburgs, sogar für die, die es noch gar nicht gibt.
Limburg BRAUCHT einen unterirdischen Kreisel! Der zentrale Lichtschacht, der in Bern von einem Kegel teilweise ausgefüllt wird, der könnte in Limburg mit einer wunderbaren, aus rostigen Bahnschwellen zusammengeschweißten Stele bedacht werden, mit kleinen Fußgängerbrücken oberirdisch erreichbar, mit Touchscreens, die dem Ortsunkundigen den Weg weisen. Und unter der Erde könnte man fette Displays aufhängen, die klarmachen, wohin die zweispurige Ausfahrt führt: zur WERKSTADT. Für einen kleinen, mit Schranke gesicherten Abzweig wäre sicher auch noch Platz. Zur bischöflichen Tiefgarage. Man könnte den Kreisel direkt unter der historischen Altstadt planen. Graben, wühlen, hämmern, bohren. Vielleicht ein wenig sprengen! Jahrelang, mit allem Lärm und allem Dreck und aller demonstrativer Geschäftigkeit, die bei einem solchen Unterfangen üblich ist. Fraktionen könnten sich um die Planung und Ausführung streiten, Koalitionen bilden, Wahlversprechen abgeben und umgehend wegen Nichtdurchsetzbarkeit NACH der Wahl wieder brechen, die üblichen Allesspezialisten könnten Bedenken tragen und die Lautsprecher auf wohlbekannte Art ein neues Ei begackern. Wäre das nicht wunderbar?
Liebe Bürgermeister, Magisträte, Stadtverordnete, Ausschußmitglieder, wie sieht es aus? Wäre DAS nicht eine Idee? Wer wagt es, sie als erstes öffentlich als seine zu verkaufen?