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Donnerstag, 1. August 2013

Bistum Limburg: Mauern einreißen!



Der neue Papst macht es vor: Mauern einreißen, Grenzen überwinden, auf andere zugehen, mit einem offenen Ohr für deren Sorgen und Nöte. Der der lokale Ableger der katholischen Kirche folgt dem Beispiel überraschenderweise nicht nur, sondern stellt sich geradezu an die Spitze der Bewegung.
Doch leider hat man beim Bistum Limburg mal wieder etwas vollkommen falsch verstanden. Es geht beim päpstlichen Vorbild um Taten im übertragenen Sinne. Nicht im realen.
Es geht nicht darum, sich nach Möglichkeit an jedem Ort als Generalbauunternehmer zu verstehen und zu gebärden. Es geht nicht darum, an jeder denkbaren (und oft genug undenkbaren) Stelle der Stadt Limburg Mauern und Wände abzubrechen, dabei jede Grenze zu überschreiten und Sorgen und Nöte bei anderen zu verursachen.
Aber genau das ist aktuell wieder einmal der Fall.
Gerade erst hat der Bewohner der Altstadt den jahrelangen, teils kombinierten Terror aus Schwerlastverkehr und Schiefergehämmer zwischen Palastbau und Stadtkirchenrenovierung hinter sich gelassen, wird die nächste (Überraschung!) Baustelle eröffnet.
Die am Roßmarkt gelegene Wohnanlage aus diversen Reihenhäusern ist nun wieder im Fokus der aktivsten Abteilung des Bischöflichen Ordinariats – und man macht absolut kein Geheimnis daraus, dass auch hier Großes entsteht. Wichtiges. Und vor allem Lautes.
Es scheint für Baumaßnahmen an diesem Gebäudekomplex, der dem Vernehmen nach als Quasi-Altersheim für pensionierte Pfarrer dient, nur eine einzige, geeignete Zeit im Jahr zu geben: Hochsommer, Schulferien. Wohlgemerkt, es geht nicht darum, dass Dächer gedeckt oder Dachstühle erneuert werden müssten. Es geht um exzessiven Innenausbau mit Abriss, Mauerdurchbrüchen und vor allem Bohr- und Presslufthammereinsatz, dass es eine Freude ist. Bei geöffneten oder entfernten Türen und Fenstern. Ohne Rücksicht auf Ruhebedürfnis von Anwohnern bzw. die geistige Leistungsfähigkeit derer, die in nahegelegenen Büros kreativer Arbeit nachgehen wollen, ohne dass ihnen dröhnend jemand im Kopf herumbohrt.
Corpus. Nicht christi. Delicti.
Seit Jahren geht das nun so. Kaum traut sich die Sonne einmal ein paar Tage am Stück hervor, fällt den Verantwortlichen ein, dass man nun unbedingt einem weiteren der Pfarrerhäuser die Eingeweide herausreißen muss. Es scheint absolut undenkbar zu sein, dass einer der neuen Pensionäre eine Wohnung dort auch nur betritt, wo ein Vorgänger mit seinen Fußpilzsohlen die Badezimmerfliesen berührt hat. Nein, das geht absolut nicht, also braucht jeder Bewohnerwechsel automatisch neue Sanitäreinrichtung und die alten Wandverkleidungen, die offenbar in Stahlbeton gegossen wurden, müssen mit größtmöglichem Aufwand heruntergeprügelt werden. Ab 7:00 Uhr Morgens und bevorzugt zwischen 12 und 14 Uhr Mittags, damit auch ja jeder mitbekommt, dass dort GEARBEITET wird.
Das reicht aber noch nicht. So wie es aussieht, erwirbt jeder Pensionär mit dem dortigen Wohnrecht offenbar auch die Option, den Grundriss seines Appartements vollkommen neu nach seinen Wünschen gestalten zu lassen. Zum Tapezieren jedenfalls muss kein Mensch Wände heraushauen.
Für normal denkende Menschen ist es einfach nicht zu verstehen, warum, für den Fall, dass tatsächlich eine Generalsanierung eines Gebäudes erforderlich ist, diese nicht in einer einzigen, konzentrierten Maßnahme erfolgen kann. Warum, wenn es sich ausschließlich um Innenausbauten handelt, können diese nicht in einer Zeit erfolgen, in der der Mensch nicht gezwungen ist, alle Fenster aufzumachen, um wenigstens halbwegs erträgliche Temperaturen in Häusern und Büros zu erreichen? Warum kann man solche Arbeiten nicht ausführen, wenn sowieso alle Baufirmen verzweifelt auf der Suche nach Aufträgen sind, die NICHT im Freien auszuführen sind? Die Jahreszeit nennt sich „Winter“.
Warum ist es in Limburg und am Rossmarkt unverzichtbar, in jedem, aber auch wirklich jedem Sommer seine Nachbarn mit größtmöglicher Effizienz und Ignoranz durch Baulärm zu schikanieren?

Sonntag, 26. Mai 2013

Das kommunale Hundeklo



Ab und zu kann man es einfach nicht vermeiden. Dann muss man einmal Verantwortliche für rasche und zielführende kommunale Reaktionen loben. Vor ca 20 Jahren zum Beispiel wäre dafür ein Anlass gewesen. Ein Anwohner des Roßmarkts hatte sich beklagt, dass gegenüber der kleinen Gasse, an deren Ende sein Haus und seine Garage lagen, mit großer Begeisterung von Ortsfremden wild geparkt wurde und zwar so, dass er mit seinem Sternenkreuzer beim besten Willen nicht mehr abbiegen konnte.
Damals ging alles rasend schnell. Innerhalb von drei Tagen wurde gegenüber der Ausfahrt eine Verkehrsinsel mit Bordsteinen abgetrennt, in die dann auch noch ein Pfosten gesetzt wurde, um die Findigeren unter den hirnfreien Parkern daran zu hindern, ihr Automobil AUF der betreffenden Insel abzustellen.
Dafür also nachträglich ein ganz großes Lob und eine ebensolche Anerkennung. Das war sehr gut, sinnvoll, schnell, zweckdienlich, unbürokratisch und  bürgerfreundich.
Und es war vor etwa 20 Jahren.
Ob so etwas heute noch denkbar wäre, ohne 17 Ausschüsse anzurufen, 12 Beschlussvorlagen aus unbekannter Quelle nicht zu lesen, 13 Machbarkeitsstudien in Auftrag zu geben, ohne Magistratsbeschluss, Stadtverordnetenvotum, erneutem Gutachten und Gegenstudie, Aufhebung des Magistratsbeschlusses und Zurückverweisung an den Altstadtausschuss, sei einmal dahingestellt. Zweifel sind angebracht.
Das große Nichts
Es gibt sie auf jeden Fall noch heute, besagte Verkehrsinsel. Sie besteht aus einem ausgehobenen Becken, das zur Befüllung mit Erde und zur Begrünung im folgenden Jahr vorgesehen war. Doch es folgten viele, viele Jahre, ohne dass etwas geschah. Während an den richtigen Stellen platzierte Blumenkübel (Bischofsplatz) mehrfach per anno bepflanzt, gewässert und hin- und hergekarrt werden, führt die Verkehrsinsel am Roßmarkt nach wie vor nicht einmal ein stiefmütterchenliches Dasein.
Noch nie hat sie eine Schaufel Erde gesehen oder gar etwas Grünes aus einer Gärtnerei. Das einzig Biologische, das dort platziert wird, sind die Haufen der Hunde, deren Besitzer zu faul sind, die paar Meter bis zum wirklich fußläufig erreichbaren Greifenberg zu gehen. Dieser animalische Dünger hat dafür gesorgt, dass Unkraut einen Hauch von Grün bildet. Mehr gibt es nicht. Die Stadt Limburg hat sich seit der Erbauung dieses kleinen Denkmals für kommunale Reaktionsschnelligkeit nie wieder darum gekümmert. Die Besitzer der Häuserzeile rechts tun alles dafür, alljährlich diesen Teil des Rossmarkts mit einer Blütenpracht in Fensterkästen und Bodenkübeln zu schmücken. Im kommunalen Blumenbeet jedoch regieren Leere und Dreck. Und keinen kümmert es. Dabei gäbe es doch einen ganz einfachen Grund nach Limburger Art, gerade diese kleine Verkehrsinsel alljährlich mit dem größmöglichen Aufwand zu gestalten und zu pflegen. Vielleicht weiß es einfach keiner der Verantwortlichen, aber: Die Mauer links davon gehört zum Bischöflichen Ordinariat…