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Mittwoch, 24. Juli 2013

Die Mechanik der Altstadt



Als Journalist, der in Limburg versucht, seinem Beruf nachzugehen, hat man es sicher nicht leicht. Zumindest dann nicht, wenn man sich nicht nur als Verbreiter politischer, amtlicher oder kirchlicher Verlautbarungen sieht und redaktionelle Arbeit nicht ausschließlich als Korrektur der peinlichsten Fehler und Formulierungsexzesse versteht.
Es passiert selten, dass sich ambitioniertere Reporter ganz klar äußern, wenn sie wieder einmal in das in diesem Ort zwischen Taunus und Westerwald herrschenden Gestrüpp aus Halbwahrheiten, Desinformation, Mauern, Verschweigen und oft genug schlicht platten Lügen geraten sind und von allen Seiten Dornen an ihnen zerren.
Doch diese Woche ist es einmal geschehen. In einem Kommentar lässt ein Lokaljournalist endlich einmal seiner Wut über dieses ständige Gemauschel in Hinterzimmern/Ausschüssen/Kneipen/Weinkellern freien Lauf, das immer in völlig sinnfrei und in ihrer Herkunft ungeklärte Entscheidungen ohne jede parlamentarisch-politische Legitimation mündet.
Worum ging es?
Um eines der neueren, größeren Wunder, mit dem uns die Stadtregierung zu beglücken gedachte. Vor einem Jahr erfuhr die staunende Öffentlichkeit, dass Limburg nicht nur etwas, das sich „Mechanikum“ nannte bräuchte, sondern auch bekäme. Niemand konnte so wirklich sagen, worum es eigentlich dabei ging und was ausgerechnet Limburg zu einem prädestinierten Standort für ein obskures, interaktives Technikhalbmuseum machte. Nur eines war wichtig und wurde herausgestellt. Es sollte EU Fördermittel dafür geben – und das ist, wie bereits mehrfach erwähnt, der Zeitpunkt, an dem in Limburg offenbar jeglicher Verstand aussetzt. Sobald Beute in Form fremder, öffentlicher Mittel ins Sicht ist, muss diese gerissen werden, koste es was es wolle. Und seien es Millionen an Steuergeldern.
Mit Sicherheit waren genau diese in dem Businessplan des Initiators enthaltenen Fördermittel der Hauptbeweggrund, dem Projekt „Mechanikum“ überhaupt näherzutreten. 
Dem Projekt. Nicht dem Ideengeber. Immerhin sind wir ja bekanntlich in Limburg und dort lautet das Motto in Bezug auf jeden Einfall, der an verantwortliche Stellen herangetragen wird: Bräuchten wir es, hätten wir es schon. Intelligent sind wir selber.
Altstadtmechanik: Uhr, kaputt
Es folgte also das, was in solchen Fällen meistens passiert. Es bestand die Gefahr, dass die falschen Leute das Geld verdienten, also musste der Vorschlagende verschwinden. Der Initiator wurde locker ausgebootet und nicht nur das. Es gab einen teuren Rechtsstreit um den Namen des Projektes, den die Stadt dann gewann, wie sie stolz verkündete. Sie war Besitzer des großen Wortes „Mechanikum“. Jedenfalls bis zur Berufung des sich betrogen Fühlenden. Und bis zur letzten Stadtverordnetenversammlung.
Bei der ereignete sich nun das, was betreffenden Journalisten diesmal zur Weißglut und zu klaren Worten trieb. Auf einmal war alles anders. Ganz und gar anders – und wieder einmal konnten weder Bürgermeister noch Magistrat auch nur eine einzige Frage beantworten, wie in aller Welt es zu den verkündeten, mehrfachen Kehrtwendungen gekommen war.
Die frohe Botschaft war: Das Mechanikum ist tot. Es lebe das ZeitWerk! Was das sein sollte, konnte niemand wirklich sagen, nur, dass es wohl ein paar Ausschüsse und Gutachten (möglichst externer Natur) bräuchte um festzustellen und festzulegen, worum es überhaupt gehen soll! Das wiederum sollte aber niemanden daran hindern, schon mal mit dem Bau anzufangen, im kommenden Frühjahr.  Gemäß dem Motto: Wir haben absolut keine Ahnung, wohin wir wollen und wo der Weg entlangführt, aber wir laufen jetzt mal los, dann haben wir schon eine Strecke hinter uns, wenn wir es irgendwann einmal wissen. Oder besser: falls.
Altstadtmechanik: Klappe, manuell
Nur eine einzige Sache konnte als gesichert verkündet werden. Es würde alles teurer als geplant. Viel teurer. Welch eine Überraschung. Kleinere Anflüge von Auskunftsersuchen wurden auf die bekannt arrogante Art beiseite gewedelt wie lästige Fliegen und die Verantwortlichen griffen, als ihnen überhaupt nichts mehr einfiel, ganz tief in die Mottenkiste der Verlautbarungsphrasen. Aus dem Hut gezogen wurden die wunderbaren Begriffe „Beteiligung der Bürger“ (die handverlesenen, üblichen Verdächtigen), „Beteiligung von Firmen“ (die genauso üblichen Verdächtigen aus der großen, finanzstarken und der kleinen, sich umso wichtiger fühlenden Kaufmanns- und Krämervereinigung), Integration der Neustadt (nun ja, die WerkStadt liegt nun mal in der Neustadt…) sowie Integration der Altstadt.
Aha. Die Altstadt. Integriert in ein Museum für iwmM (irgendwas mit Mechanik). Wie übersetzt man das? Was ist da geplant? Wird es ein Modell des Doms geben, in dem auf Knopfdruck die Glöckchen läuten? Oder eines des neuen Bischofspalast, bei dem sich auf Kommando die Überwachungskameras bewegen? Mechanik in der Altstadt? Wie darf man das verstehen? In die WerkStadt lässt sich die Altstadt wohl kaum verlegen, so gerne das Entscheidungsträger hätten. Wie integriert man aber eine Altstadt, in der das mechanischste die Türklinken an den Häusern sind? Geht es denn überhaupt noch sinnfreier?
Ja. Es geht. Die kabarettistisch hochwertigste Verlautbarung war in der betreffenden Sitzung die, dass das Kulturamt der Stadt den Betrieb dieses Wasauchimmers übernehmen und organisieren soll.
Altstadtmechanik: Rad, stationär
Also genau die Stelle, die sich nicht in der Lage sah, ein MUSEUM für moderne Kunst, mit eindeutigem Programm, Exponaten, Zielgruppen, Werbekonzeption UND Finanzierung zu betreiben, das jemand der Stadt SCHENKEN wollte!
Sensationell. Oder: Limburg eben.
Der ursprüngliche Initiator des verstorbenen Mechanikums hat sich auch zu Wort gemeldet und seine Bedenken geäußert. Es gab ein klares Konzept, auf dessen Basis Fördermittel zugesagt wurden. Dieses Konzept wurde nun durch – gar keins abgelöst. Für keine Ahnung gibt nicht einmal die EU Geld. Normalerweise.
Die Stadt Limburg weiß nicht, was sie in dem sogenannten „Zeitwerk“ veranstalten will. Sie weiß auch nicht, für welche Zielgruppen es vorgesehen ist. Kein Mensch hat eine Ahnung, wieviele der Besucher, von denen man nicht weiß, warum sie kommen sollten, dort erscheinen werden, wie sie das verkehrsungünstig gelegene Gelände erreichen und wo sie parken werden. Sollen. Und so.
Wer all diese atemberaubenden Änderungen eines einmal gefassten Beschlusses veranlasst hat und verantwortet, dazu gab es – Überraschung – keinerlei  Aussage. Nur die mit der Arroganz der Macht vorgetragene Kurzinformation, dass es nun eben so sei. Basta.
Es gab Fragen, Fragen, Fragen – und keine Antwort.
Kein Wunder, wenn einem ernsthaften Journalisten da einmal der Kragen platzt.
Unsere werten Stadtväter und Mütter sind gerade dabei, mal wieder ein Millionengrab am alten Bahnausbesserungswerk zu buddeln, das nicht einem einzigen Limburger (na gut, abgesehen von den üblichen Verdächtigen im Architektur- und Baugewerbe, die ja bedacht werden müssen - man kennt sich - man hilft sich...) irgendetwas bringt.
Es gibt nur eine einzige gute Nachricht in diesem neuen, hausgemachten  Debakel. Was immer dort an den Gleisen gebaut wird, es ist nicht für die ausschließliche und kostenfreie Nutzung durch die katholische Kirche vorgesehen.
Oder soll ich vielleicht besser sagen: noch nicht?

Mittwoch, 17. Juli 2013

Drei Monate Dom-Zoo



Genau ein Vierteljahr ist dieses Blog nun auf der Linie. Also online. Ich habe inzwischen erfahren, dass es geschlechtslos, also ein Neutrum sein soll und da ich mich ja so gerne über die Orthographie [jaja, nach neuer Rechtschreibung mit „f“, aber da bin ich stur…] anderer amüsiere, sollte ich mich selbst um korrekte Schreibung bemühen.
Also dieses mein Blog feiert heute ein kleines Jubiläum und es ist vielleicht Zeit ein wenig Bilanz zu ziehen.
Auch wenn die Blog-Flut und die Gesichtsbuch- und Zwitscherorgien etwas anderes vermuten lassen, ist Schreiben für den, der es ernsthaft betreibt, nicht Selbstzweck. Sondern das Ziel der Übung ist es, gelesen zu werden. 
Was das betrifft, betrachte ich den Dom-Zoo als nicht völlig erfolglos.
Pünktlich zum Jubiläum hat die Zahl der Besucher auf der Seite die 10.000 überschritten – und das schließt die wochenlange Anlaufphase ein, in der ich außer dem Startgruß noch nichts geschrieben hatte. Inzwischen liege ich täglich im guten, dreistelligen Bereich. Sobald etwas Neues drin steht, verdoppelt sich die Zahl der Zugriffe.
Ganz unbekannt ist der Dom-Zoo also nicht mehr. Ganz sicher hat dazu die Berichterstattung über den Altstadtfestskandal (und die inzwischen nicht weniger skandalöse Nicht-Aufarbeitung durch Staats- und Stadtgewalt) dazu beigetragen. Innerhalb von 24 Stunden hatte ich am ersten Tag, an dem die ganze Altstadt in Geiselhaft genommen und eingesperrt wurde, mehr als 6000 Zugriffe. Für die Verbreitung sorgte als Erster Volker Thies mit seiner www.vtaktuell.de Seite und dem Link auf Facebook. Vielen Dank nochmal auf diesem Weg. 
In Sachen Altstadtfest ist das Ende der Berichterstattung übrigens noch lange nicht in Sicht.
Denn das ist eins der (von mir) erklärten Ziele dieses Blogs: Dinge, Vorkommnisse, Entscheidungen und Querelen, die legitimierte und selbsternannte Machthaber in dieser Stadt nur zu gerne unter den Teppich kehren würden, an die Öffentlichkeit zu bringen. Daran wird sich in der Zukunft ganz sicher nichts ändern.
Die Limburger Altstadt hat viele Plätze und viele Lokale und viele Lokale mit Plätzen davor, auf denen Stühle stehen, auf denen (ganz wichtige) Menschen sitzen, die gerne reden, miteinander und noch viel gerner übereinander, bevorzugt über andere, die gerade nicht anwesend sind.
Also wird auch über dieses Blog debattiert und über mich, was mir nicht entgangen ist. Wenn Menschen zusammentreffen, die mit zu viel Zeit, Mitteilungsdrang sowie dem Bedürfnis gesegnte oder geschlagen sind, über alle(s) und jeden wenn schon nicht Bescheid zu wissen so doch wenigstens eine Meinung zu haben, ist zwangsläufig das, was abgesondert wird, nicht automatisch intelligent oder wahr oder gar beides. Ich werde mir jetzt nicht die Mühe machen, jeden Blödsinn, der erzählt wird, zu kommentieren oder dementieren. Bei den ständigen Stadtführungen, die an meinen Häusern Station machen, höre ich von meinem Büro aus täglich genug Schwachsinn, der mit voller Namensnennung vor Tagestouristen über mich verbreitet wird.
Nur eins möchte ich an dieser Stelle einmal betonen.
Ich bin keineswegs gegen ALLES.
Ich bin sogar für ziemlich viel. 
Zum Beispiel für ein friedliches, gewaltfreies Miteinander, bei dem sich jeder an die Regeln hält, die gerade ein solches „Gemeinsam“ überhaupt möglich machen. Ich bin für gewählte Politiker, der sich nicht als Herrscher über das dumme Volk fühlen, das sie ins Amt gehoben hat. Ich bin für Menschen, die ihre öffentliche Position nichts als Durchlauferhitzer für teure Wohltaten ausschließlich für Organisationen und Gruppen verstehen, denen sie hörig sind. Ich bin für Menschen, bei denen zwischen dem, was sie sagen und dem, was sie tun kein großer Unterschied zu erkennen ist. Ich bin für Menschen, die ihre Probleme selbst lösen und sie nicht anderen kurzerhand vor die Tür kübeln und sie damit zu deren machen und diese auch noch attackieren, wenn sie sich das verbitten. Ich bin für eine lokale Gemeinschaft, bei der das Ziel ist, dass so viele Menschen wie möglich so gut wie möglich leben und mit einander auskommen können.
Das sind sicher idealistische und naive Vorstellungen. Doch man kommt nicht in die Nähe eines Ideals, wenn man schweigt, sobald man mit Egoismus, Ignoranz, Dummheit, Korruption und der Arroganz der kleinen Macht konfrontiert wird.
Dann sollte man sich zu Wort melden, meine ich, so man die Möglichkeit dazu hat.
Hab ich.
Werde ich.
Weiterhin.
Versprochen.

Donnerstag, 11. Juli 2013

Das Schwarze Loch am Dom



Die alte Vikarie am Domplatz ist ein sehr schönes Fachwerkhaus. Nachdem das Gerüst entfernt wurde, ist dies nun wieder klar zu sehen und sie ist tatsächlich mit Sachverstand und Sorgfalt restauriert worden und ein Schmuckstück.
Auch wenn sie es nicht vermag, mit ihrem leuchtenden Rot und den strukturierten, weißen Flächen der Gefache die erdrückende Last des klerikalen Atomschutzbunkers zu überstrahlen, der hinter ihr stockfinster lauert, stellt sie doch das geschmackvollste Gebäude dar, das im Rahmen der Errichtung des „Diözesanen Zentrums“ entstanden ist.
Doch so nett und harmlos, wie sie dasteht, ist die Alte Vikarie wohl nicht, soll man den Verlautbarungen Glauben schenken, die wieder einmal vom Domberg kommen.
Die Alte Vikarie ist an allem Schuld, erfährt man nun. 
Denn sie hat fast 10 Millionen gekostet, heißt es. 9,75 Millionen der kostbaren Euro sollen in die Sanierung dieses einen Baus geflossen sein und Denkmalschutz ist angeblich die Ursache dieser atemberaubenden Kosten.
10 Millionen-Grab?
Doch hier beweisen die Menschen an den Schaltstellen der bischöflichen Verlautbarungspolitik wieder einmal das Maß an unfreiwilligem Humor, das Mitteilungen aus diesem Haus so beliebt gemacht hat.
Limburg ist eine Stadt mit einem hohen Maß an historischer Bausubstanz. Diese wurde von den Besitzern zu großen Teilen aufwändig saniert. Von daher finden sich an der Lahn zahlreiche Sachverständige aus der Not, die genau wissen, was Fachwerkbau kostet - und es ist nicht ganz leicht, denen ein Märchen zu erzählen. Oder auch mehrere, nacheinander, sich steigernde.
Historische Häuser zu restaurieren und zu pflegen ist nicht billig. Ganz bestimmt nicht. Aber SO teuer, wie nun behauptet wird, ist es auch wieder nicht.
Was gerade abläuft ist nichts weiter als der nächste Akt im Sommertheater der klerikalen Verschleierungen und es ist so unnatürlich-pseudoaufrichtig-unterhaltsam, dass es gescriptet alle Chancen hätte, als Reality-Show bei einem Privatsender unterzukommen. Titel: Domfelsen – Tag und Nacht.
Es ist noch keine 14 Tage her, da wurde anlässlich der mehrfach gewohnt pompös inszenierten Inbesitznahme durch TvE betont, die gesamten Baukosten betrügen 9,75 Millionen.
Nun wird bereits zurückgerudert.
Die Gesamtkosten stehen noch nicht fest. Mal wieder. Die Funktionstaste 12, unter der diese hohle Phrase wohl auf dem Computer der Pressestelle abgelegt ist, müsste inzwischen vollkommen abgenutzt sein, so oft wurde sie in den letzten Jahren benutzt.
Ganz gleich, was verkündet wurde, es standen die endgültigen Kosten noch nicht fest. Immer. Nur eins war sicher: Sie wurden höher. Immer nur höher und höher.
Schauen wir doch mal ein klein wenig zurück.
Als die ersten Meldungen kamen, der neue Bischof plane einen eigenen Bau, nur für sich und seine Bedürfnisse, für bescheidene 3,5 Millionen, war 2007 die Empörung in der Öffentlichkeit groß.
2008 kam dann eine Art kleiner Entwarnung. Alles in allem würde das Projekt doch nur 2 Millionen kosten – und darin seien nur 200.000 für bischöfliche Schlafzimmer und Toilettenanlagen enthalten. Der Rest sei für die erforderliche und (angeblich) vom Bistum bereits beschlossene und finanzierte Sanierung der Alten Vikarie.
Genau. Für das Gebäude, das nun fast 10 Millionen gekostet haben soll.
Doch diese Zahlen hatten keine besonders große Halbwertzeit.
Nicht viel später war wieder von den 3,5 Millionen die Rede.
Nach einem Dementigewitter in der Folge musste dann mehr oder weniger kleinlaut zugegeben werden, dass 5,5 Millionen erforderlich seien.
Moderner Festungsbau; bislang kostenlos
Aber in erster Linie wegen des Denkmalschutzes. Also wegen derselben Auflagen und Anorderungen, die nur zwei Jahre zuvor noch mit 1,8 Millionen zu bedienen gewesen wären.
Angeblich.
Die nächste Wasserstandsmeldung ging dann schon über 6,5 Millionen, mit empörtem, ja genau, Dementi, als gemutmaßt wurde, dass am Ende des Tages dann wohl sogar eine zweistellige Millionensumme unter dem Strich stünde.
Dann war es längere Zeit ruhig. Zumindest an der Zahlenfront. Laut war es nur in der Altstadt, Tag und Nacht.
Taste 12 war in der Folgezeit gefragt, ohne eine konkrete Angabe.
Keine endgültigen Erkenntnisse über Gesamtkosten.
Dann war man fertig. Sozusagen.
Nun folgte also, vor Wochenfrist, die schöngerechnete Botschaft, dass man im einstelligen Millionenbereich blieb. Gerade so.
April, April, heißt es nun - und das mitten im Juli.
Jetzt fehlt also wieder ein ungenannter Betrag – und das ist der ganze große Haufen, der für die größenwahnsinnigen Bunkerbauten ober- und unterirdischer Natur erforderlich war, einschließlich Brunnen aus italienischem Marmor (zur Präsentation vor der Öffentlichkeit rasch abgedeckt…) und fotoelektrisch sich blickdicht verwandelnder Duschkabinen.
Die Gesamtkosten?
Man kann wieder einmal nur schätzen (was man seitens der Verantwortlichen vermeidet).
Nur eins ist ganz sicher. Es wird teurer. Noch viel, viel teuerer. Der bischöfliche Spielplatz an Dom ist zu einem Schwarzen Loch geworden, das in erster Linie eins anzieht und verschlingt: Massen von Geld.
Der interessierte Beobachter liegt ganz sicher nicht falsch, wenn er davon ausgeht, dass irgendwann auch 20 Millionen nicht mehr ausreichen werden.
Nur so, als kleiner Maßstab für diese Dimensionen: Die Bundesrepublik Deutschland hat für den Neubau der A3 Autobahnbrücke einschließlich Verlegung der Zu- und Abführung 80 (in Worten: achtzig) Millionen Euro kalkuliert.
Diese neue Brücke soll dann aber täglich von wenigstens 120.000 Menschen genutzt werden.
Und nicht nur von einer vereinzelten hochwürdigsten Eminenz.

Donnerstag, 4. Juli 2013

Altstadtfestskandal: Veranstalter bejubelt sich, Lokalpolitik schweigt



Das wilde Treiben ist vorbei und der Veranstalter konstatiert auf seiner Homepage selbst, dass das Fest eine Spur der Verwüstung durch die historische Altstadt gezogen hat.
Doch ansonsten klopft man sich heftig selbst auf die Schultern und führt „Statistiken“ an, die belegen, wie großartig und erfolgreich alles war. In der Lesart derer, die tagelang die gesamte Altstadt zu ihrem Privatspielplatz erklärt hatten, ist ansonsten nichts passiert und es gibt nichts zu berichten und schon gar keinen Anlass zu Erklärungen irgendwelcher Art.
Privatgelände - Privatdreck
Von der Limburger Lokalpolitik, bei der ausgesuchte Protagonisten sonst nicht müde werden, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema das Wort zu ergreifen oder vor eine Kamera zu springen, ist zum Altstadtfest 2013 nichts zu hören und nichts zu sehen.
Absolut nichts.
Doch die Ruhe, die diejenigen kurzerhand behaupten und sich wohl herbeisehnen, die in jeder Hinsicht für ALLES verantwortlich sind, das sich am vergangenen Wochenende ereignet hat, ist nicht eingekehrt.
Das Fest hat in der Tat eine Spur der Verwüstung hinterlassen, doch nicht nur auf den Plätzen (die natürlich auf Kosten der Allgemeinheit von der Stadt gereinigt wurden/werden, so es denn nicht private sind, die werden dreckig hinterlassen…), sondern unter den Menschen.
Die Vorkommnisse der vergangenen Tage haben ganz offensichtlich bei vielen etwas berührt und verletzt, das manche schon lange nicht mehr wahrgenommen haben: das eigene, gesunde Rechtsempfinden. Was in früheren Jahren vielleicht rumorte und unangenehm piekste, ist nun zum Ausbruch gekommen und kulminiert in einer einzigen, fundamentalen Erkenntnis: SO GEHT DAS EINFACH NICHT!
Ein kurzer Gang durch die Gassen und über die Plätze zeigt, dass das genau dieses Altstadtfest 2013 und die Entwicklungen, die bis dahin geführt haben, ein Thema sind, überall. An jeder Ecke hört man Gespräche und Debatten, auf den Straßen wird diskutiert und es werden Erlebnisse, Ansichten und Einsichten ausgetauscht, die mit den sonst üblichen Fragen, wer um welche Zeit an welchem Tag in welchem Bett aufgewacht ist, nichts zu tun haben.
Öffentliche Sicherheit: Bitte hier stolpern
Es sind persönliche Erlebnisse und Geschichten, die ausgetauscht werden. Es geht darum, wessen Besucher mit Gewalt daran gehindert wurden, zum Haus ihrer Verwandten zu kommen, welche Anwohner aufgehalten, drangsaliert und beleidigt wurden und es wird über Zwischenfälle, Unverschämtheiten, Beleidigungen und Sheriff-Gehabe knapp jugendlicher Wachposten berichtet. Abzockerei, Wucher, Geschäftemacherei sind Stichworte, die man allerorten vernimmt.
Am Ende ist der Tenor vieler Gespräche: warum haben wir uns diese sich von Jahr zu Jahr steigernden Unverschämtheiten und Anmaßungen eigentlich so lange gefallen lassen? Warum haben wir trotz allen Grolls und aller Zweifel hingenommen, dass jemand sich einfach das Recht herausnimmt, uns so zu behandeln, uns wie Gefängnisinsassen einfach antreten zu lassen und zu markieren und UNSERE Stadt so hemmungslos für die eigenen Geschäfte zu missbrauchen.
Wenn auch hier und dort Menschen, die zum Veranstalter in irgendeiner Beziehung stehen, hilflos-bemüht versuchen, sich ans Ufer zu retten, indem sie die Höhe des „Eintritts“ rechtfertigen und kleinreden wollen, steht an den meisten Stellen die wirklich zentrale Frage im Mittelpunkt: Wie kommt es, dass eine Stadt auf der einen Seite eindeutig die Illegalität eines Eintritts für das Stadtgebiet konstatiert, auf der anderen Seite jedoch diejenigen, die gegen jede Auflage frech, dreist und im Zweifel auch gewalttätig verstoßen, nicht nur gewähren lässt, sondern darin sogar noch aktiv unterstützt?
Es ist eine Frage, die immer mehr und immer lauter gestellt wird, je mehr sich die Verantwortlichen ins Schweigen bzw. auf Nebenkriegsschauplätze flüchten.
Es ist eine ganz zentrale Frage nach Recht und Gesetz in der Stadt Limburg und wie die verantwortlichen Stellen in Verwaltung, Justiz und Strafverfolgung darauf reagieren.
An keiner Stelle kann heute noch irgendjemand behaupten, er hätte von nichts gewusst.

(wird fortgesetzt)