Posts mit dem Label korruption limburg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label korruption limburg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 20. April 2015

Aktive Kernbereiche Hessen - und was Limburg daraus macht



Innenstädte veröden, Quartiere verkommen und verdrecken, Läden stehen leer, Grünanlagen werden zu Mülldeponien: Das ist das deprimierende Bild, das die Stadtteile vieler Kommunen bieten. Nicht zuletzt der grassierende Mall-Wahn der letzten 20 Jahre, bei dem jede Stadt unbedingt ein Mega-Einkaufszentrum mit 150 Läden errichten musste, hat dazu geführt, dass früher intakte Plätze und Straßenzüge praktisch abgestorben sind.
Mitten drin - und doch am Rand.
Das Land Hessen hat ein geniales Programm aufgelegt, mit dessen Hilfe betroffene Städte dem entgegensteuern können. Doch es geht nicht darum, Gelder im Gießkannenprinzip zu verteilen, um irgendwelche von oben herab verordneten Baumaßnahmen zu subventionieren.
Die Programmgestalter haben ihre Hausaufgaben nämlich hervorragend erledigt und haben sich bei ihrer Konzeption auch mit den Höhen und Tiefen des menschlichen Wesens befasst. Zentrale Erkenntnis war, dass nur dann etwas eine Aussicht auf Dauer hat, wenn möglichst viele Menschen sich damit identifizieren, sich dafür einsetzen und sich selbst darum kümmern, dass es weiter besteht und nicht ge- oder zerstört wird.
In Bezug auf Stadtplanung bedeutet das: Je mehr Bürger an der Gestaltung ihrer unmittelbaren Umgebung beteiligt sind, desto mehr werden sie diese als IHRE betrachten und für sie sorgen.
Daher ist die Bezuschussung von Projekten aus dem Programm Aktive Kernbereiche Hessen an ganz klare Vorgaben geknüpft. Nicht die Politik bestimmt, was wie und wo getan wird, sondern die Menschen. Das Stichwort ist dabei:

Lokale Partnerschaften
Ein zentrales Kennzeichen des Programmes Aktive Kernbereiche in Hessen ist die Programmvorbereitung und -umsetzung in öffentlich-privater Partnerschaft. Durch eine intensive Einbindung und Vernetzung der örtlichen Akteure sollen die unterschiedlichen Interessen koordiniert, Eigeninitiative der Privaten geweckt und unterstützt sowie die lokalen Ressourcen gebündelt werden. Im Sinne eines urban-governance-Ansatzes sollen alle Akteure der Stadt- und Ortsteilzentren, zum Beispiel Unternehmer, Grundstücks- und Immobilieneigentümer, Bewohner, Vertreter von Kultur- und Sozialeinrichtungen, gemeinsam mit der Verwaltung Konzepte und Projekte zur Stärkung der Zentren entwickeln und realisieren. In den Programmgebieten sind dazu operative „Lokale Partnerschaften“ zu gründen, die sich aus Vertretern von Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammensetzen. Sie haben die Aufgabe, die Programmumsetzung zu steuern.

Die Botschaft ist klar und unmissverständlich: Im Mittelpunkt stehen die gemeinsamen Interessen von Politik, Wirtschaft und Bürgern. Diese sollen sie mit dem Landesgeld gemeinsam und verantwortungsvoll umsetzen.

Als die Kunde vom Programm Aktive Kernbereiche Hessen Limburg erreichte, verstand man von alldem nur eins: GELD.
Sonst NICHTS.
In Limburg kommt nach den Vorstellungen der politischen Führung und weiter Teile der Verwaltung der Bürger als Partner absolut nicht in Betracht. Vielmehr ist er der Feind, den es in erster Linie zu bekämpfen und von allem auszuschließen gilt.
Autos oder Nichtautos
Bei den bisherigen Maßnahmen in der Innenstadt, die zum Großteil aus dem Programm Aktive Kernbereiche finanziert wurden, hatten die Bewohner der betroffenen Bereiche keinerlei Mitspracherecht.
Im Jahr 2009 gab es einen „Workshop“ und 2011 ein „Werkstattgespräch“. Danach nur noch reine „Informationsveranstaltungen“ auf denen jeweils kleine Teile dessen offenbart wurden, was von der Politik beschlossen wurde.
Von der Lokalen Partnerschaft waren die Bürger völlig ausgeschlossen!
Auf eine geradezu dreiste Weise verfälscht der Magistrat der Stadt Limburg in seinem Bericht zum Programm aktive Kernbereiche die elementare Zielsetzung.
Wörtlich heißt es hier:

Die Lokale Partnerschaft setzt sich aus örtlichen Akteuren zusammen. Durch deren Einbindung können unterschiedliche Interessen besser koordiniert, Eigeninitiative der Privaten geweckt und unterstützt sowie lokale Ressourcen gebündelt werden. So sind Unternehmen, Vereine und die Eigentümer von Immobilien einbezogen.

Aus dem zwingenden SOLL wird in Limburg ein KANN, alle in der Landeskonzeption aufgeführten Bürgergruppen werden kurzerhand gestrichen und der alles entscheidende Satz fällt ganz unter den Tisch:

Sie (die Gruppen der Lokalen Partnerschaft) haben die Aufgabe, die Programmumsetzung zu steuern.

In Limburg hingegen war und ist die Lokale Partnerschaft nicht Keimzelle und Motor des Programms, sondern alibiweise installierter Abnickverein, der seit 2009 gerade 15-mal zusammentraf, ohne dass den Auserwählten irgend eine Entscheidungsbefugnis zugestanden wurde.
Und wie kann man drei „Bauabschnitte“ betreuen und die Programmumsetzung steuern, wenn man gerade anderthalb Mal im Jahr zusammenkommt?
Die betreffende Elitegruppe soll darüber hinaus für alle örtlichen Bereiche zuständig sein, unabhängig davon, ob die Mitglieder überhaupt die geforderten Voraussetzungen erfüllen!

Der Neumarkt ist der letzte Abschnitt, dem nun Ungemach droht. Selbst wenn der Lokalen Partnerschaft die Rolle zugestanden würde, die das Land Hessen zwingend fordert, würde dies dem Neumarkt nicht zu Gute kommen.
Von einigen erwünscht: Ödnis
Die Zusammensetzung des 18-köpfige Alibigremium ist nämlich mehr als abenteuerlich.
Der Altstadtkreis, der mit der Neustadt absolut nichts zu tun hat, hat gleich zwei Sitze.
Dazu ist ein Unternehmer Mitglied, dessen geschäftliches Interesse weit außerhalb der betroffenen Bereiche liegt und dessen oberstes Ziel erwiesenermaßen in der SCHWÄCHUNG des Kernbereichs liegt.
Ein Geschäftsinhaber hat sein Unternehmen in der Werner-Senger-Straße.
Der Geschäftsführer eines Kaufhauses am gleichen Ort ist im Gremium.
Damit reduziert sich die Zahl der relevanten Mitglieder schon auf 13.
Von diesen 13 sind 7 (sieben) in ihrer Eigenschaft als Mitglieder der Verwaltung oder politischer Gremien in der Lokalen Partnerschaft, also Partei der Lokalpolitik.
Von den verbliebenen sechs gehören gleich 3 (drei) Mitglieder einer einzigen Organisation (City-Ring) an.
Es bleiben also drei Menschen von 18.
Einer ist ein Geschäftsinhaber am Rande des Neumarkts, dessen Interessen aber bereits durch seinen Geschäftsführer im City-Ring vertreten sind, einer Immobilienbesitzer mit Liegenschaft an einem unbekannten Ort und ein Immobilienverwalter für ein Anwesen am Neumarkt.
In der Limburger Lokalen Partnerschaft sind die Betroffenen vom Neumarkt also mit viel gutem Willen mit gerade einmal zwei Stimmen vertreten.
In einem Gremium, dem in grober Missachtung aller Richtlinien alle wesentlichen Entscheidungsbefugnisse vorenthalten werden.
Keinerlei Gehör finden bei den Plänen für den Neumarkt Anwohner, Gastwirte, Ärzte und Therapeuten mit Praxen dort, Patienten, Kulturelle Vereinigungen und Organisationen, konfessionelle Gruppen oder Vereine aus dem reichen Spektrum des lokalen Lebens. Schülervertreter der angrenzenden Schule sind genauso ausgeschlossen wie Marktbeschicker und Veranstalter, die den Neumarkt für periodische Events nutzen.
Ist es da ein Wunder, wenn urplötzlich ein „autofreier Neumarkt“ vom Himmel fällt und als beschlossene Sache verkauft wird, gegen die kein Widerstand mehr möglich ist?
Für die Grabenstraße ist es wohl zu spät, noch etwas zu erreichen.
Hier können maximal noch Details variierte werden.
Aber die Opfer vom Neumarkt haben noch eine Chance. Sie müssen sich nur organisieren, die Stimme erheben und ihre verbrieften Rechte einfordern.
Die Macher des Programms Aktive Kernbereiche Hessen ahnen nichts von den absurden Verhältnissen in Limburg. Dort muss man alles glauben, was die Verantwortlichen der Stadt erzählen. In Wiesbaden bekommt niemand mit, was wirklich geschieht. Wenn von Bürgerbeteiligung und Lokaler Partnerschaft geredet wird, dann ist das Land Hessen zufrieden. Überprüft werden die Behauptungen nicht.
Falls es gelingt, in Wiesbaden in großer Zahl und mit einer Stimme sprechend vorstellig zu werden, besteht noch eine Möglichkeit, dass das Programm Aktive Kernbereiche Hessen wenigstens für den Neumarkt genauso genutzt und umgesetzt wird, wie vorgesehen.
Es wäre am Ende in Limburg dann zwar nur in einem von vier Fällen gelungen. Doch der Neumarkt würde mit Abstand am meisten darunter leiden, wenn die Machthaber ihn zugunsten eines Einzelnen und seiner Unternehmung hinter dem Bahnhof noch weiter in die Bedeutungslosigkeit treten dürften.
Das Land Hessen stellt Geld zur Verfügung, damit die Betroffenen etwas für sich selbst tun können. Die Stadt Limburg greift es sich – und missbraucht es für Maßnahmen GEGEN die Interessen derer, denen es nützen soll.
Limburg, das ist wieder einmal Politik pervers. Wo sonst kann es geschehen, dass ein großartiges Programm, das für die Bürger, ihre Lebensqualität und ihre Identifikation mit ihrem Quartier gedacht ist, ins genaue Gegenteil verkehrt wird?

Wer sich darüber informieren möchte, was WIRKLICH hinter dem Programm Aktive Kernbereiche Hessen steht, kann dies hier tun: http://aktive.kernbereiche-hessen.de/profil-des-programms

Samstag, 14. März 2015

Dr. Hildegard Schirmacher - eine einzige Begegnung



Persönlich habe ich sie nie kennengelernt, wurde ihr nie vorgestellt und habe nie ein einziges Wort mit ihr gewechselt. Ich habe sie sicher ab und zu gesehen und habe sie als eine weißhaarige Dame in Erinnerung, die an einem Gehstock durch die Altstadt wanderte und von vielen respektvoll gegrüßt wurde.
Indirekt hatte sie allerdings auf den Verlauf meines Lebens und meine Zeit im Limburg einen wesentlichen Einfluss. Sie war die Galionsfigur eines in einer Nacht- und Nebelaktion fraktionsübergreifend gegründeten Vereins, dessen erklärtes Ziel war zu verhindern, dass das wunderbare Limburger Schloss dem Besitz der Bürger (denen es damals gar nicht gehörte) entrissen wurde und in die Hände eines undurchsichtigen (d. i. bösen) Fremden fiel. Es fiel damals nicht, trotz schriftlicher Zusage des Eigentümers (Fiskus des Landes Hessen). Heute bin ich sogar dankbar dafür, dass ich nicht die Verantwortung für dieses immobile Monstrum bekam, das auch jedem zukünftigen Eigner die Taschen leersaugen wird. Damals jedoch war die Geschichte rund um den Profanbau auf dem Domfelsen meine erste Begegnung mit der Art von Politik, wie ich sie als charakteristisch für Limburg kennenlernen sollte: Mauscheleien in dunklen Hinterzimmern, Unaufrichtigkeit, reine Showveranstaltungen in Ausschüssen bei bereits abgekartetem Ergebnis und vor allem öffentliches Ankläffen eines potentiellen Investors.
Aber das ist eine andere Geschichte, die vielleicht ein andermal erzählt werden soll.
Hildegard Schirmacher wird mir trotz des Mangels an persönlichen Begegnungen für immer in Erinnerung bleiben, weil ich einen denkwürdigen Auftritt von ihr erleben durfte, bei dem den Teilnehmern der Inszenierung gar nicht bewusst war, dass sie einen sehr interessierten Zuschauer hatten.
Vier Jahr muss es her sein, da wurde die Limburger Altstadt von einer verdächtigen Gruppe Menschen heimgesucht. Keiner von ihnen hatte einen Betonkragen und/oder einen durchgeistigten Blick, also war es keine Abordnung kirchlicher Natur. Die meisten der Anzugträger waren gleichzeitig Mappenschlepper – und diese waren mit Hessenwappen bedruckt. Die Buschtrommeln trommelten und die Stadtradios 1. und 2. Programm berichteten: „Die schauen sich die Altstadt an.“ Und: „Es geht um’s Geld“.
Tatsächlich war es wohl ein Trupp Ministerialer, Städtischer, Sachverständiger von unbekannten Gnaden sowie Mitglieder des später berüchtigten „Gutachterausschusses“, die an den verschiedensten Stellen der Altstadt herumstanden und mit den Fingern zeigten. Auf Gebäude. Private Gebäude. Private, privat sanierte Gebäude. Am Ende des großen Rundgangs fand sich die Gruppe auf dem Rossmarkt ein. Es war ein Dienstag und es standen noch die Mülltonnen nach der Leerung herum und boten sich offenbar als Behelfsschreibtische bzw. Ablagen an. So lagerte man also an einer Stelle, von der keiner ahnte, wie exponiert sie war: Direkt unter meinen Bürofenstern. Diese waren offen und ich hörte länger anhaltende Debatten, die nichts mit dem üblichen Volksgemurmel der Touristengruppen zu tun hatten, die immer hierher geführt werden und deren Besuch dann in dem obligatorischen, kollektiven Gelächter endet, wenn der Stadtmärchenerzähler endlich auf mein Firmenschild (Mord & Totschlag) gezeigt hat.
Sie wohnt hier nicht mehr...
Dieses Mal war es anders, man diskutierte weiter und weiter und ich ging ans Fenster, um mal nachzuschauen, was da eigentlich los war. Und ich blieb. Stehen. Im Schatten. Und hörte mir das mal an.
Nachdem irgendwer sich über die Vorbildlichkeit der Sanierung meiner Häuser ausgelassen hatte und wie sehr diese die östliche Altstadt bereicherten, kam man zum Thema. Es sei ja wohl außer Frage, dass die Sanierung eine Wertsteigerung der Grundstücke bewirkt hatte. Diese galt es nun von den Eigentümern einzukassieren. Darüber war man sich einig und wollte nickend die Versammlung schließen. Doch da meldete sich die weißhaarige Dame zu Wort und stellte die Frage aller Fragen. Sie wollte wissen, wie man nun diese Wertsteigerung ermitteln wolle. Ja, das sei ganz einfach, also, man werde den aktuellen Wert heute von dem Wert abziehen, den die Grundstücke ohne die Sanierung hätten. Nicken, Brummen, Mappen schließen, Gehen wollen, waren die Reaktionen. Nicht so bei Frau Dr. Sch.
Es entspann sich sinngemäß das folgende Gespräch.

„Wie ermitteln Sie diesen Wert? Den das Grundstück gehabt hätte, ohne Sanierung?“
„Ja, wir vergleichen einfach die Daten.“
„Welche Daten?“
„Naja, Daten, die wir erheben. Also was heute ist und was gewesen wäre. Ja, also, was nicht…“
„Was heißt das konkret?“
„Naja, also wir sammeln Werte für jeden Bereich und die werden dann in ein Raster eingetragen und die Differenz…“
„Welche Werte?“
„Also, Noten. Sozusagen. Für Infrastruktur und… Verkehr. Und… Ja, Bebauung und… Das sind ganz viele Daten, die da einfließen und am Ende steht dann ein Wert.“
„Wie ermitteln Sie diese Daten?“
„Naja, also… Wir tragen da ein was ist. Und was gewesen wäre, wenn… Ja, wenn nicht saniert worden wäre.“
„Und woher wollen Sie das wissen?“
„Naja… Also. Ja, sicher. Das ist… Ja, das ist nicht ganz einfach. Da gibt es so ein Raster und da werden Werte eingetragen und am Ende hat man… Ja. Die Differenz.“
„Ich frage noch mal konkret. Wie wollen Sie heute bestimmen, was gewesen wäre, hätte es in den vergangenen 40 Jahren keine Sanierung gegeben?“
„Ja. Sicher. Aber wir müssen ja mal, irgendwann… Das ist… Ja. Schwierig. Ganz schwierig.“
„Sie wissen es also selbst nicht?“
„Naja, da gibt es Modellrechnungen und…“
„Das heißt, Sie legen die Werte willkürlich fest?“
„…“
„Ist das so?“
„Naja, das kann man so nicht sagen… Also… Nun, wenn Sie so fragen… Wenn Sie das so sehen… Also… Ja.“

Das war vor vielen Jahren. Die große, alte Dame der Altstadtsanierung hat es damals ausgesprochen – und genau so geschah es. Nach Vorgaben von ganz oben wurden angebliche Wertsteigerungen (oder auch keine, ganz nach politischem Proporz und Besitzverhältnissen) vollkommen willkürlich bestimmt.
Dr. Hildegard Schirmacher hat damals versucht, für die Hauseigentümer der Altstadt zu sprechen. Man hat es irgendwann widerwillig zur Kenntnis genommen – und ihre Worte dann völlig ignoriert.
Nun ist die „Stimme der Altstadt“ verstummt. Und alle, die seinerzeit dabei waren, werden leugnen, dass eine solche Debatte jemals stattgefunden hat. Damals, im Sommer, rund um die Mülltonnen, auf dem Rossmarkt, vor dem Haus Nr. 13. Unter den Fenstern meines Büros…

Freitag, 6. März 2015

Alles für Einen



Der sogenannte dritte Bauabschnitt ist eröffnet – und alle kamen. Nun gut, vielleicht nicht alle, aber einige. Wenn man einmal dort war, konnte man die Menschen nicht übersehen.
Anders als angekündigt, wälzten sich aber keine Ströme von Kaufrauschwilligen durch die Stadt in Richtung Bahnhof. Selbst wenn man direkt vor dieser architektonischen Katastrophe der 70er Jahre stand, konnte man nicht sofort vermuten, dass da rechts, hinter dem überbauten Durchgang, irgendwas Weltbewegendes und Epochales stattfand. Außer Bastelarbeiten vielleicht. Denn herumlungernde Bauzäune, -fahrzeuge und Warnwestenträger signalisierten konstruierende Tätigkeiten und vor allem eins: Wir sind noch nicht fertig.
Tritt man durch den zugigen Portikus, schwingt sich eine hohe Fassade von links nach rechts und eine werbetransparentbepflasterter Turm versucht zu signalisieren: „Kauft!“.
Dann öffnet man eine Glastür und…
Oha.
Einfach... Schön.
Teil 1 und 2 der Werkstadt bestehen aus einer kalten Ex-Industriehalle, die mit Standardladenbauten ohne jede Gestaltung jenseits geometrischer Grundformen zugewürfelt wurde. 
Das große, kalte, banale Nichts.
Teil 3 ist anders.
Ich empfinde Bauabschnitt 3 als ein großartiges Stück moderne Architektur. Eine glasüberdachte Straße, die die wunderbar gereinigten und instandgesetzten Backsteinfronten einstiger Werkstattgebäude mit Neubauten auf der anderen Seite verbindet – oder, was herausragend gelungen ist, bestehende, einst im Freien befindliche Gebäude heraushebt und gleichzeitig integriert.
Als Liebhaber der phantasievollen UND funktionalen Architektur an sich, der selbst diverse Häuser eingerissen und aufgebaut hat, möchte ich an dieser Stelle dem Architekten Kramm und seinem Team ein ehrliches Kompliment und meine Hochachtung aussprechen. Hier ist wirklich Großes gelungen. Die luftige Halle ist eine wunderbare Verbindung zwischen historischer Bausubstanz und Moderne, die beidem gerecht wird und absolut nichts Provinzielles an sich hat.
Das waren die guten Nachrichten. Der Bau an sich.
Kommen wir zu seiner Nutzung. Das Wort für das Gefühl, das sich beim Wandeln in der Halle bei mir einstellte ist: ambivalent.
Haus im Haus
Es gibt eine proppevolle Bäckereifiliale einer mir bis dahin unbekannten Kette, die es schafft, ein etwas anderes Sortiment anzubieten als der Selbstaufbacker an der Ecke. Die echte, belegte Stulle, einfach eine geniale Idee. Hier könnte Konkurrenz wirklich das Geschäft beleben.
Spannend ist, dass es statt Mechanik nun glückliche Kartoffeln gibt. Betrachtet man sich die Fläche, die der neue Biosupermarkt einnimmt, fragt man sich noch einmal, wer jemals auf die Idee kommen konnte, auf so wenigen m² ein „Museum“ einzurichten, das 85.000 Menschen zum Kommen UND Bezahlen animieren sollte.
Ein paar Bekleidungs-Markengeschäfte der gehobenen Art sind zu vermelden, die gut frequentiert wurden. Doch dazwischen fand ich immer wieder Läden, die gähnend leer waren. Vermietet, aber entvölkert. Es spazierten Hunderte von Menschen der unterschiedlichsten Art, Nationalität, Gesinnung und Einkommensklasse herum, aber in einigen der gerade eröffneten Unternehmen war – NIEMAND.
Im großen Eiscafé direkt gegenüber der Bäckerei (ebenfalls mit Café), die aus allen Nähten platzte: 4 (vier) Gäste. Fast 20 Kellner und Kellnerinnen standen ratlos zwischen den Tischen und an der Theke. Ich habe selten so viel Frust auf den Gesichtern einer ganzen Familie gesehen. Da wird über Monate oder Jahre auf den großen Tag der Eröffnung hin geplant – und dann kommt KEINER.
Ich mag hier nicht über Sinn und Unsinn von Geschäftsideen und –partnerschaften philosophieren. Es ist mir zu Genüge zugetragen worden, welche Stimmung angeblich unter den Mieter der Werkstadt herrscht. Von Extremmieten ist die Rede, die das Vierfache des ortsüblichen betragen. Davon, dass die Ladenbetreiber ALLE Nebenkosten des Gebäudes und insbesondere auch die Beheizung des allgemeinen Teils zu tragen haben. Von Knebelverträgen ist die Rede, in denen Ladenöffnungszeiten vorgeschrieben werden, die einseitig vom Vermieter noch verlängert werden können. 
Zahnräder, Hebel, Rollen und Keile? Vollbiologisch?
Zu dem Thema sage ich nur: Ab 18 ist man voll geschäftsfähig und muss wissen, was man tut. Wenn man der Ansicht ist, man sei in der Lage, mit dem Verkauf von Filzpantöffelchen in einem Laden, der 16 Stunden am Tag vertraglich geöffnet sein muss (6 Tage/Woche), alle 24 Stunden Fixkosten von 500 Euro zu erwirtschaften, dann wünsche ich viel Glück. Es gibt Taschenrechner. Jeder kann selbst kalkulieren, ob seine Vision irgendwas mit der Realität zu tun hat. Wer das Ergebnis einer seriösen Wirtschaftsplanung nicht glaubt, wird es spätestens nach einem Jahr merken. Wenn die Insolvenz ansteht. Und dann wird er wahrscheinlich die gesamte Familie bis in die dritte Generation mit in den Abgrund reißen.
Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ist es mir jedenfalls ein Rätsel, wie wenigstens bei 1/3 der Geschäfte in Abschnitt 3 jemand auf die Idee kommen kann, sie seien profitabel zu führen.
In den älteren Bauabschnitten sowieso. Erwähnt sei da der Elektromarkt mit seinem Minisortiment, der selbst in Stoßzeiten ein Kunden-Berater-Verhältnis von 1:1 aufweist. Gestern war ich übrigens so verwegen, dort ein Cinch/XLR Kabel zu suchen. Das Ergebnis muss ich wohl nicht erwähnen.
Aber diese Aspekte betreffen unternehmerische Fragen, die die Ladeninhaber sich selbst zu beantworten haben.
Was für mich so bedenklich ist, ist die extreme Diskrepanz zwischen dem, was von dem einen Politiker des Betreibers gesagt wird  und dem, was der Unternehmer selbst tut und getan hat.
Es ist die Rede von einem ehemaligen Industrieareal inmitten der Stadt. Das ist Unsinn und wird durch ständige Wiederholung nicht wahr. Das Bahnausbesserungswerk lag AM RANDE der Kernstadt und die Werkstadt befindet sich nun an genau derselben Stelle. NICHTS bindet das neue Einkaufsparadies an die Innenstadt. Es wird vollständig von der anderen Seite her erschlossen und es wurden keinerlei ernstzunehmende Anstrengungen unternommen, Besucher der Hallen auch nur davon in Kenntnis zu setzen, dass es dort draußen noch eine Welt gibt. Jenseits der Parkplätze.
Angeblich sollte einmal der neue „Torbau“ die große Pforte zur Integration von Werkstadt und Zentrum darstellen. Davon ist nichts zu merken. Die neue Wandelhalle führt direkt in eine optische Sackgasse: Hier Ende Gelände.
Umgekehrt ist es ganz genauso. Nichts deutet darauf hin, dass sich hinter dem Bahnhof (denn dort wird es auch für alle Ewigkeit bleiben, egal was Sonntagsredner faseln) ein Monster von einem Einkaufszentrum befindet.
Beides dokumentiert die Realität und die Grundhaltung. Die Werkstadt BRAUCHT die Limburger Innenstadt nicht. Weder um sie zu erreichen, noch um sie zu verlassen. Im Gegenteil. Die Werkstadtbetreiber müssen mit allen Mitteln verhindern, dass Kaufpublikum in Richtung Innenstadt abfließt und damit die Verweildauer in der Mall sinkt. Jeder, der aus der Werkstadt Richtung Innenstadt geht, ist ein verlorener Kunde.
Zur selben Zeit am Neumarkt...
Die Gestaltung belegt dies für mich eindeutig. Es ging und geht nicht darum, die Werkstadt an Limburg anzuschließen. Es geht darum, das Paradies von Limburg abzuschotten.
Die Werbekampagne des Betreibers zielte von Anfang an darauf hin, den Konsumenten klar zu machen, dass ein Wandel eingetreten ist. Wenn er früher „in die Stadt“ (also nach Limburg, was für jemanden, der in Millionenstädten gelebt hat, noch immer schwer über die Tastatur geht…) gefahren ist, um einzukaufen, soll er nun „in die Stadt“ mit „in die Werkstadt“ gleichsetzen. Hier gibt es alles unter einem Dach und es ist nicht mehr erforderlich, lange Fußmärsche bei Wind und Wetter durch missgestaltete Straßen und zerfaserte Angebotsinfrastruktur zu unternehmen. Das konsumtechnische Heil liegt hinter dem Bahnhof. Und nur dort.
Die Werkstadt bringt Limburg keine neuen Kunden. Sie saugt der Innenstadt nur die alten ab. Das war von vorn herein das Ziel der Unternehmungen und dem wurde alles untergeordnet. Öffentlich kommuniziert wurde natürlich immer etwas völlig Anderes.
Doch hinter verschlossenen Türen... Ein Hauptargument bei der Vermietung der Flächen zu Mondpreisen war in den Verhandlungen (wie man hört) immer wieder die Verlagerung der Kundenströme aus den alteingestammten Einkaufsquartieren in den Zentraltempel. Wer nicht mit der Zeit geht und mit umzieht, wird untergehen, war die Botschaft.
Verbundenes Quartier: leer
Von tausend neuen Arbeitsplätzen ist die Rede, die die Werkstadt geschaffen hätte. Falls die Zahl überhaupt stimmt, wurden sie nicht geschaffen. Sie haben sich nur verlagert. Für fast jedes Unternehmen, das in dem Bau eingezogen ist, wurde an anderer Stelle eins geschlossen. Es gab auch nie einen ungedeckten Bedarf an Ladenfläche, den die Werkstadt befriedigen musste. In der Innenstadt schließt ein Geschäft nach dem anderen und der Leerstand nimmt dramatische Züge an.
Die Werkstadt hat bereits begonnen, das kaufmännische Gefüge Limburgs massiv zu verschieben und es wird noch schlimmer werden. Von Seiten der Stadt gibt es ein wenig Alibi-Tünche (finanziert aus fremden Kassen) und hohle Worte. Die von dem Exodus betroffenen Hausbesitzer werden nicht gefragt, was vor ihren leeren Läden passieren wird (und wofür sie auch noch bezahlen sollen) und Geschäftsleute, die aufgeben müssen, sind nicht einmal ein Thema.
„Räume verbinden Quartiere“ heißt das Programm, mit dem die Stadt Limburg angeblich Anstrengungen unternimmt, die Kernstadt attraktiv und lebendig zu machen. Dabei hat sie alles getan, die gewachsenen Strukturen zu zerstören und hat dabei jeden Einfluss auf die Zukunft und Entwicklung des Einzelhandels in Limburg längst verschenkt.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Die dem Bürger das Geld ste(h)len



Kein Mensch hat die Hausbesitzer gefragt, vor deren Türen die rostigen Doppel-T-Träger errichtet wurden, die seit geraumer Zeit das Limburger Stadtbild nachhaltig beschädigen. Sie standen eines Tages plötzlich da, zum Schrecken der Bürger und zur Verwunderung des einen oder anderen Besuchers. O-Ton eines Kindes: „Mama, warum stellen die Schrott in der Stadt auf?“ „Was ist das?“ „Keine Ahnung. Sicher Kunst.“
Ist es nicht. Maximal die Kunst kommunaler Geldverschwendung.
Der Berlin-Besucher hat Ähnliches vielleicht schon gesehen. In der Hauptstadt werden ganze Quartiere mit oberirdisch geführten Wasserleitungen versorgt, weil die unterirdischen hoffnungslos marode sind. Nur hat man dort noch so viel Anstand und Farbe übrig, um die Stützen wenigstens anzumalen.
"Mama, was ist DAS?"
Nicht in Limburg. Dort steht Schrott. Senkrecht. Um was es sich bei diesen Eisenbauten funktional handeln soll, erschließt sich einem Fremden maximal nach intensiver Umrundung und Betrachtung. Es sind Monitorgehäuse für Touchscreens. Diese sollen aus dem geneigten Besucher einen noch geneigteren machen und den Orientierungslosen durch die geheimen Wege der unübersichtlichen Gassen zu seinen Zielen führen.
Sollen.
Etwa vor Jahresfrist befragte die FDP Fraktion den Magistrat nach den Kosten dieser Dinge und bekam Antworten. Mehr oder weniger. Strom und Wartung liegen pro Jahr im fünfstelligen Bereich. Bezüglich der Nutzung gab es keine konkrete Auskunft. Die Stelen seien „gut angenommen worden“.
Offenbar hatte dieselbe Fraktion die Anfrage auf Wiedervorlage, ergänzt um die Frage, was denn die neue Stele, die nun auch in der Gegend herumsteht, gekostet habe. Diese Summe konnte auf den Cent genau beziffert werden. Es war ein ordentlicher, sechsstelliger Betrag. Bezüglich der Nutzung blieb der Magistrat jedoch weiter jede eindeutige Antwort schuldig. In Sachen Kosten konnte jedoch vermeldet werden, dass in Zukunft weitere Summen für Hardware erforderlich sein könnten. Auf jeden Fall aber würde noch eine vierte dieser Stelen errichtet.
Meiner unmaßgeblichen Ansicht nach ist es höchste Zeit, unter Einbeziehung der wenigen, belastbaren Daten, die zögerlich städtischerseits zur Verfügung gestellt werden, einmal Bilanz zu ziehen und den Tischrechner ein wenig ins Schwitzen zu bringen.
Eine einzelne Stele kostet also ca 115.000,--  €. Gehen wir also einmal von Gesamtkosten für 4 Stelen der Einfachheit halber von 450.000,-- € aus. Zurzeit benötigen die beiden vorhandenen Dinger an Strom, Wartung und Ersatzteilen ca. 10.000,-- € pro Jahr. Durch die Verdoppelung der Monumente wird hier auch eine Verdoppelung der Kosten eintreten, womit wir bei 20.000,--€ wären. Geht man einmal optimistisch von einer Lebensdauer der Vorrichtungen von 10 Jahren aus, sind das laufende Kosten von 200.000,-- €. Zuzüglich der „Baukosten“ kommen wir für diese Zeitspanne also auf Gesamtkosten von 650.000,-- €. Dabei unberücksichtigt sind Aufwendungen für die obligatorischen Reparaturen (Der EDV-Spezialist sagt: „Das Problem ist…“ – und schreibt eine Rechnung für seine VERSUCHE, es zu lösen, ohne Garantie auf Erfolg…) sowie zyklische Erneuerung der gesamten Hardware. Diese wird wegen der rasanten Entwicklung auf dem EDV-Sektor mit Sicherheit während der Nutzungsdauer dreimal erfolgen müssen, um nicht mehr als zwei Generationen hinter die aktuelle Gerätegeneration zurückzufallen. Die Kosten dafür sind jedoch nicht annähernd zu beziffern und bleiben hier außen vor. Die Summen sind auch so eindrucksvoll genug.
Keine Auskunft unter diesem Bildschirm
Auf 10 Jahre verteilt, entstehen der Stadt Limburg durch die „Infostelen“ damit Kosten von 65.000,-- per anno. In allen zugänglichen Publikationen behaupten Verantwortliche der Stadt eine Besucherzahl an Tagestouristen pro Jahr von einer Million. Würde jeder von diesen sich an einer Wisch-und-Weg-Säule informieren, würde dies Kosten pro Tourist in Höhe von 0,065 Euro verursachen.
Aber selbstredend wischt nicht jeder. Eine Annahme von 10% wäre bereits gigantisch und übertrieben. Realistisch muss man davon ausgehen, dass vielleicht 1% aller Besucher diese Stelen wahrnehmen, erkennen und nutzen. Im Jahresdurchschnitt würde dies bedeuteten, dass etwa 30 Menschen täglich die Info-Dingse konsultieren. Beobachtet man das Leben und Treiben in der Stadt, ist selbst diese Annahme wahrscheinlich optimistisch. Ich habe NOCH NIE jemanden gesehen, der eine der Stelen konsultierte. Es hat ganz sicher seine Gründe, dass keine konkreten Nutzerzahlen genannt werden, obwohl es eine der allerleichtesten Übungen ist, diese bei einem solchen EDV gestützten System zu zählen.
Nehmen wir also durchschnittlich 30 Neugierige und technisch begabte Tagestouristen einfach einmal an. Dann bedeutet dies, dass JEDE Auskunft via Monitor pro Nase 6,50 € kostet. In Worten: SECHS EURO FÜNFZIG.
Mit beiden Händen wird von den Verantwortlichen einmal wieder das Geld der Bürger zum Fenster hinausgeworfen, ohne dass irgendeiner der Steuerzahler auch nur andeutungsweise etwas davon hätte. Es kommt nicht ein einziger Tourist mehr nach Limburg, weil er hier so schön über Touchscreens wischen kann - und als Selbstversorger mit Küche im Reisebus gibt er auch keinen Cent mehr aus. Sobald es um ureigene Belange der Bürger geht, ist für nichts und niemanden Geld da. Steuermittel für monumentalen Schwachsinn hinauszufeuern, ist auf der anderen Seite gar kein Problem. Und niemand fragt einmal klar und deutlich: „Wer bitte hat wann und wo und mit welchem Mandat Ausgaben in dieser Höhe und zu diesem Zweck bewilligt?“