Mittwoch, 4. November 2015
Umfragen-Umfrage
Ein kleines empirisches Experiment läuft zur Zeit auf dem Dom-Zoo, mit dem Ziel herauszufinden, wie groß das Interesse der werten Leserschaft ist, an auf Limburger Fragen, Probleme und Verhältnisse bezogenen Umfragen teilzunehmen.
Falls genügend Interessenten sich hier beteiligen, wird es entsprechende Aktionen regelmäßig geben.
HIER geht es direkt zur Umfrage:
Donnerstag, 20. August 2015
Rufmörder GmbH & Co. KG
Kaum wurde bekannt, dass ein
Zeltlager für Flüchtlinge als Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen in
Limburg errichtet werden sollte, gab es Reaktionen in der publizistischen
Öffentlichkeit. Auffällig dabei war, dass bestimmte Teile der bezahlten Presse
einen Drang zeigten, primär Probleme und Widerstand zu thematisieren. Es hatte
fast den Anschein, als solle eine Eskalation herbeigeschrieben werden. Höchst
bedenklich war unter anderem, dass die Adresse einer Seite im Internet, die Mitglieder GEGEN
das Lager sammelte, vollständig und damit direkt erreichbar widergegeben wurde,
während die Gegenbewegung, die ein Vielfaches an Stimmen mobilisierte,
lediglich Erwähnung fand.
Besonders übel war jedoch die Art
und Weise, wie unter dem Deckmantel des Journalismus persönliche Fehden
ausgefochten wurden. Der zukünftige Bürgermeister der Stadt Limburg wurde zum Ziel einer regelrechten Rufmordkampagne, in der die Lokalpresse und anonyme
Internetpräsenzen, die schon in der Vergangenheit durch parteipolitisch
motivierte Verunglimpfungen von Marius Hahn aufgefallen waren, direkt Hand in
Hand arbeiteten.
Dabei setzte die lokale Weltpresse
den ersten Tiefschlag, bei dem sie die hohe Kunst der perfiden Überschrift
demonstrierte. In der Printausgabe auf der ersten Lokalseite titelte sie „Hahn
gegen Zeltstadt in Staffel“. Direkt neben der Weinkönigin, deren Portrait so
groß war, wie der ganze Artikel über die Flüchtlingszeltstadt, sprang den Leser
die Nachricht in großen Buchstaben an.
![]() |
| Die Kust der Überschrift in großen Buchstaben |
Die Headline suggerierte, dass der
kommende Bürgermeister der Domstadt ein entschiedener Gegner einer
Unterbringung von Flüchtlingen in Limburg sei - und
genau das war die Absicht, auch wenn sich im weiter folgenden Text nicht ein
einziger Beleg für die Behauptung finden ließ. Marius Hahn hatte sich lediglich
differenzierte Gedanken über Ort und Verfahren gemacht, zu einem Zeitpunkt, als
ihm wie den allermeisten anderen Limburgern noch jede konkrete Information
vorenthalten wurde.
Dabei hatte Hahn nach seinen
eigenen Angaben direkt vor der Informationsveranstaltung des
Regierungspräsidenten nur ein informelles Gespräch
mit einem Journalisten geführt. Er hatte seine Bedenken gegen den
Standort und gegen eine Unterbringung in Zelten generell geäußert und das
leerstehende und sehr viel Platz bietende Kasernengelände an der Stadtgrenze zu
Diez erwähnt. Er wies im übrigen mehrfach darauf hin, dass er diese
Überlegungen nicht zitiert sehen wolle, sie also "off the record"
erfolgten.
Jeder Verstoß dagegen wird unter seriösen Journalisten als
professionelle Todsünde betrachtet.
Besagte
Netzpräsenz stürzte sich auf diese „Meldung“ und zog in den folgenden Tagen bei
jeder einzelnen Meldung in niederträchtiger Weise über Marius Hahn her und
unterstellte ihm ganz direkt ein Abdriften in rechtspopulistische Lager.
Den Ton
hatte die NNP mit der Überschrift vorgegeben. Die in der Woche vor dem
bürgermeistersuchenden Urnengang zerbrochenen, unheiligen Allianzen wurden offenbar
neu geschmiedet und nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf, konnte einem der
Verdacht kommen.
Interessant
war bei der Aktion, dass schon wieder derselbe Journalist im Mittelpunkt stand,
der schon während des Presseskandals im Wahlkampf (vergleiche: Was sprach der
Kandidat) auffällig geworden war. Doch der handelte offenbar nicht
eigenmächtig, sondern in bester Übereinkunft mit der Gesamtredaktion. Wie
anders ist zu interpretieren, dass eine Leserin, die sich bei einem
verantwortlichen Redakteur bei einem zufälligen Treffen über die hinterhältige Überschrift
beschwerte, von diesem laut ausgelacht und stehen gelassen wurde?
Am
Neumarkt gab es offenbar dann doch irgendwann oder irgendwo Bedenken, ob man da
nicht vielleicht (oder zu früh) den einen Schritt zu weit gegangen sein könnte.
In der Online-Ausgabe waren schon am selben Tag der Artikel und die boshafte
Überschrift nur noch mit der Suchfunktion tief im Archiv verborgen zu finden.
Kurz
drauf ruderte die NNP zurück, doch sie tat es so, dass es nach
Möglichkeit niemand merkte. In einem Artikel über das Lager berichtete sie am Ende verklausuliert über die Folgen ihrer Falschmeldung,
ohne diese so zu benennen oder richtig zu stellen. Wörtlich hieß es, Hahn fühle
sich durch die Veröffentlichung in der NNP missverstanden.
Dies Formulierung
war gezielt so gewählt, dass der flüchtige Konsument daraus schließen musste,
dass Hahn sage, er "hätte das nicht so gemeint".
Das tat
er aber nicht und das stand auch nicht dort.
![]() |
| Widerrüfchen |
Vielmehr
stellt Hahn klar, dass die "wenigen" Missverständnisse nicht durch
seine Äußerungen, sondern DURCH die verfälschende Meldung in der NNP
hervorgerufen wurden. Hahn war als der zukünftige Bürgermeister mehrere Tage
lang gezwungen, sich gegen Attacken und Vorhaltungen zu wehren, er sei
irgendwelchen rechtspopulistischen Anwandlungen erlegen. Wie schwer es ist,
eine erstmal in die Welt gesetzte Verleumdung zu bekämpfen, ist bekannt. Denn
"es stand ja in der Zeitung".
Die "Richtigstellung" durch die NNP war erst eine, wenn man in die Tiefen des wirklich Gesagten vordrang. Von der Formulierung her setzt sie jedoch das einmal begonnene Spiel fort. Die sekundierende Netzpräsenz nahm diese „Meldung“ auf und „berichtete“ süffisant, Marius Hahn sein von seiner Meinung abgewichen und hätte das der Zeitung gegenüber erklärt. Dass sie dies bereit zwei Tage VOR dem Abdruck der Meldung tun konnte, sagt einiges über die Vernetzung mit gewissen lokalen Medien aus.
Die "Richtigstellung" durch die NNP war erst eine, wenn man in die Tiefen des wirklich Gesagten vordrang. Von der Formulierung her setzt sie jedoch das einmal begonnene Spiel fort. Die sekundierende Netzpräsenz nahm diese „Meldung“ auf und „berichtete“ süffisant, Marius Hahn sein von seiner Meinung abgewichen und hätte das der Zeitung gegenüber erklärt. Dass sie dies bereit zwei Tage VOR dem Abdruck der Meldung tun konnte, sagt einiges über die Vernetzung mit gewissen lokalen Medien aus.
Nachdem
die unter dem Deckmäntelchen einer Nachrichtenseite agierende anonyme
Rufmörderpräsenz weiter jeder „Meldung“ nutzte, ob sie nun Flüchtlinge zum
Thema hatte, oder nicht, um Marius Hahn zu diskreditieren, schrieb dieser eine
Antwort und Klarstellung direkt auf die Seite. Daraufhin traten die subversiven
Wahlkampfverlierer den Rückzug an, schoben ganz schnell alle Folgen auf die
Falschmeldung der Presse und schafften es darüber hinaus, sich selbst auch noch
als unschuldige Opfer einer Kampagne zu präsentieren.
Es
bleibt abzuwarten, was diese unheilige Allianz zwischen legalen und illegalen
Medien in der nahen Zukunft noch aushecken wird. Zur Zeit eher wenig. Seit heute Mittag ist die Seite, die sich in der vergangenen Zeit schon nur noch auf Verlinken von NNP Beiträgen (Überraschung...) beschränkt hatte, zumindest offline...
Sonntag, 19. Juli 2015
Die Limburger Schlittschuhkriege
Gunnar Z. ist ein international anerkannter Eventmanager, Messebauer, Planer und Designer, der die bewundernswerte Fähigkeit hat, sich für ein Projekt zu begeistern, alle Kreativität hinein zu kanalisieren und gleichzeitig das gesamte Umfeld zu berücksichtigen. Er erarbeitet unermüdlich integrative Konzeptionen aller Art für die Lahnstadt, in der er seit Jahrzehnten arbeitet und lebt.
Für den kommunalen Politiker Werner L. jedoch ist Gunnar Z. nichts weiter als „irgendein Dahergelaufener“, der den Limburgern erklären will, wie es geht.
Was sich nach der Vorstellung des Weihnachtsmarktkonzepts von Gunnar Z. am vergangenen Mittwoch im Ausschuss für Stadtentwicklung usw. abspielte, markierte einen neuen Tiefpunkt in der Geschichte der an Lowlights wahrlich nicht armen Kommunalpolitik.
Ein Mann, der der
Einladung gefolgt war und im Ausschuss seine Vorstellungen eindrucksvoll
bebildert präsentierte, wurde in Anwesenheit seines Teams, seiner Frau
und seiner kleinen Tochter auf eine niederträchtige Art und Weise
angepöbelt – und weder der Ausschussvorsitzende noch irgend ein anderer
der Anwesenden sah sich genötigt, auf die Hasstiraden auch nur ein Wort
zu erwidern oder den fremdenfeindlichen Ausfällen irgendwas
entgegenzusetzen.Es hat sich in vielen Jahren gezeigt, in denen die lokale Politik mit Mandatsträgern dieser Art und Gesinnung garniert ist, dass sie für alles, was hinter ihrem eigenen Horizonts liegt, nur aggressive Abwehr oder abgrundtiefe Verachtung übrig haben. Also praktisch für die gesamte Welt jenseits ihres eng am Haus stehenden, eigenen Gartenzauns.
Wir wissen alles, wir können alles, wir haben alles – und was wir nicht wissen, können oder haben, das ist es nicht wert, es auch nur zu beachten oder ein Wort darüber zu verlieren.
Muss man sich über Politikverdrossenheit jüngerer Generationen wundern, wenn Protagonisten dieser jungsteinzeitlichen Geisteshaltung und mit einem solchen, menschenverachtenden Auftreten Mandatsträger sein dürfen?
Dabei ging es an diesem Tag nicht um die Rettung des Abendlandes, des christkatholischen.
Nur die mögliche Einrichtung einer Eislaufbahn im Rahmen des Limburger Weihnachtsmarkts war das zentrale Thema einer Ausschusssitzung.
Es wurde eine lange, emotionale, chaotische und am Ende praktisch ergebnislose Veranstaltung.
Und es war eine erschütternd dilettantisch vorbereitete.
Zwei Monate hatte der Magistrat nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Zeit gehabt, ein Konzept zu entwickeln und vorzustellen. Zwischendrin hatte es eine weitere Ausschusssitzung und eine Parlamentstagung gegeben, auf der man Zwischenberichte hätte vorstellen, Unklarheiten beseitigen und Fragen vertiefen können.
Nichts davon war geschehen.
Anwesend waren drei Anbieter, die sich auf die „Ausschreibung“ gemeldet hatten, hieß es zu Beginn. Doch auch schon das entsprach nicht unbedingt den Tatsachen. Zwei der Interessenten hatten bereits vor Jahren Konzepte eingereicht, die nie in Erwägung gezogen wurden und einer war explizit im Auftrag seines Herrn unterwegs, des EMI (einzig möglicher Investor), in dessen Ex-Posthof er die Eislauffläche errichten soll.
Alle drei Anbieter erhielten eine Einladung zur Sitzung.
Fünf Tage vor dem Termin. Übers Wochenende.
Nachdem das Platzproblem im Zuschauerbereich gelöst war (ca 70 Interessierte wollten sich das Theater mal ansehen…), begann die Veranstaltung mit allgemeiner Ratlosigkeit.
Die Vertreterin der Antragsteller bemängelte, dass der Magistrat mit dem Papier gar nichts geliefert habe und dieser schwieg dazu einfach in Person des Ersten Stadtrats.
Man war zusammengekommen, um etwas zu beschließen – aber nun gab es einfach nichts.
Außerdem machte sich wenigstens Irritation darüber breit, dass KEIN EINZIGES Ausschussmitglied
irgend ein Stück Papier zu den eingereichten
Angeboten erhalten hatte. Auch die Hoffnung, dass man ihnen via
Präsentation an der Leinwand etwas zeigen würde, war in zwei von drei
Fällen vergebens. Eine ganz eigene Vorstellung lieferte nach den Anbietern die Gruppe der Weihnachtsmarktakteure, die ein Duo nebst Powerpoint geschickt hatte. Der Sprecher der Vereinigung setzte von vorn herein den Ton. Was in der Grabenstraße das substanzfreie Drohungsphantom „Drosselgasse“ gewesen war, wurde in Bezug auf die umfassende Neukonzeption der Märkte nun der „Ballermann“ als universelles Totschlagargument. Aggressiv und kämpferisch warf der Sprecher Gunnar Z. vor, er wolle aus dem beschaulichen Weihnachtsmarkt einen Ableger des berüchtigten Teutonenparadieses machen und er wolle den Schaustellern den Weihnachtsmarkt wegnehmen, um seinen eigenen daraus zu machen. „Feindliche Übernahme“ war der Kampfbegriff, der ins Feld geführt wurde indes fanden sich unter den Ausschussmitgliedern die üblichen Verdächtigen, die unreflektiert zustimmten.
Die gesamte Vorstellung der aktuellen Betreiber war für Außenstehende wenigstens absonderlich, denn sie zeigte ein tiefgreifendes und tiefsitzendes Struktur- und Selbstverständnisproblem. Die Weihnachtsmarktbeschicker betrachten sich verblüffenderweise als quasi-karitative Organisation, die den Limburgern Wunderbares in der Adventszeit beschert. Unglaublich war, dass im Zusammenhang mit dieser rein der Erzielung größtmöglicher Gewinne gewidmeten Veranstaltung der Begriff „ehrenamtlich“ fiel. Alles, was sie rund um die Hüttenbewirtschaftung tun, betrachten die Schausteller als Dienst am Menschen – und nicht als Rahmenprogramm, um mehr Geld zu verdienen.
Ihre Präsentation versuchte darzulegen, dass der Weihnachtsmarkt in Limburg perfekt, ideal, klein und fein ist und dass er keinerlei Neuerungen braucht. Als Beleg für die Attraktivität wurde die Zahl der Busse angeführt, die im vergangenen Jahr kamen. Doch auf die gesamte Laufzeit umgelegt, ergibt sich dabei ein Durchschnitt von nicht einmal sieben Reisegruppen pro Tag, die zum Weihnachtsmarkt nach Limburg kommen. Zwischen 10 und 21 Uhr.
Für Zuhörer nur sehr schwer nachvollziehbar ist die Haltung der Marktbeschicker. Auf der einen Seite jammern sie über Kosten und darüber, wie wenig sie verdienen. Auf der anderen Seite ist jede Veränderung Teufelswerk und jeder, der eine solche anregt, automatisch der Feind.
Die Idealvorstellung eines Weihnachtsmarktes wäre offenbar ein fröhliches Glühweintrinken unter Freunden bei gleichzeitigem Geldscheffeln. Dass dies nicht vereinbar ist und dass auswärtige Besucher erforderlich sind, um den Gewinn zu sichern und zu erhöhen und solche, angesichts der regionalen Konkurrenz, nur durch echte Attraktionen angelockt werden können, findet im Weltbild der familiär eng verflochtenen Gemeinschaft keinen Platz.
Das einzige, was ein Umdenken bewirken könnte, ist eine reale Bedrohung – und die gibt es nun, wie an diesem denkwürdigen Abend klar wurde.
Für alle überraschend verkündeten die Schausteller nämlich, dass sie bereits selbst initiativ geworden waren und angefangen hatte, Angebote einzuholen, eine Eislaufbahn auf dem Neumarkt einzurichten, gerne auch mit dem von Gunnar Z. ins Spiel gebrachten reinen Kunststoffbelag ohne Energie- und Folgekosten.
Was hatte diese Umdenken über Nacht gefördert?
Ganz sicher nicht Gespräche mit Anbietern. Die hatte die Stadt nicht vermittelt oder moderiert.
Ganz sicher nicht Diskussionen und Abstimmungen mit anliegenden Geschäftsinhabern oder dem Cityring. Solche hatte die Stadt weder vermittelt noch initiiert.
Den Schaustellern war nur offenbar schlagartig klar geworden, dass über ihrem Paradies am Neumarkt ein Damoklesschwert hängt, dessen Faden kurz vor dem Zerreißen ist.
Der vom EMI gesandte Handwerksunternehmer erklärte, dass er auch in großen Städten wie Köln Weihnachtsmärkte mit Eisbahn errichtet und betreibt. Er erklärte, dass er für den EMI die weihnachtliche Gestaltung seines zentrumsfernen Einkaufsparadieses übertragen bekommen hat. Und er erklärte, dass im Alten Posthof eine Eislaufbahn gebaut werden soll, falls keine an einem anderen Ort errichtet wird. Diese Posthofbahn natürlich mit ein, zwei Hütten für die kulinarische Versorgung versehen werden.
Wie schnell aus ein, zwei Hütten dreißig werden, weiß jeder Schausteller…
Doch auch gegen eine Eislaufbahn auf dem Neumarkt hätte der EMI nichts.
Die Bedingung sei aber, den Neumarkt durch eine Ausweitung des
Weihnachtsmarkts über obere Bahnhofstraße und Bahnhofsvorplatz an die
WERKStadt anzuschließen.Dass eine solche Verbindung auch wieder eine Verdoppelung der Hütten und damit der Konkurrenz darstellen wird, wurde von keiner Seite thematisiert.
Wie ernst der Beauftragte des EMI seine Mission nahm, zeigte sich daran, dass er es darüber hinaus nicht versäumen wollte, die Anwesenden und die Politiker an seinem Wissen teilhaben zu lassen, dass jede Panik vor einem FOC oder zentrumsfernen Mall unnötig sein. Denn diese würden Menschen in die Stadt bringen und alle würden davon profitieren, belehrte er. Alle.
Die betroffenen Händler mit massiven Umsatzeinbußen dürfen es mit Verwunderung vernommen haben.
Die Botschaft von hinter dem Bahnhof ist eindeutig. Der EMI will das Publikum des Weihnachtsmarkts anziehen, um jeden Preis. Falls dies nicht durch eine Anbindung geschieht, wird er die Besucher durch eine eigene Veranstaltung kurzerhand abziehen.
Den Schaustellern auf dem Neumarkt bleibt daher aktuell nur, in den sauren Apfel zu beißen und mit spitzen Fingern das Monster „Veränderung“ anzufassen.
Was am Ende blieb, war kein neuer Beschluss des Ausschusses, sondern im Grunde nur die Wiederholung des Auftrags an Magistrat und Stadtverwaltung, eine KONZEPTION vorzulegen.
Diesmal konkretisiert um die Errichtung einer Kunststoffeislaufbahn auf dem Neumarkt mit der Maßgabe, dass der Stadt dabei keine Kosten entstehen, also der Betrieb extern finanziert wird. Außerdem wurde der Magistrat aufgefordert, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen, für einen Informationsaustausch zu sorgen und auf einen Konsens hinzuwirken.
Die Stadt hat nun zwei Monate Zeit, ein solches Konzept vorzulegen.
Die Stadt hatte schon einmal zwei Monate Zeit und alles unternommen, die Verwirklichung einer Eislaufbahn 2015 zu verhindern.
Was hatte dieses Umdenken angestoßen?
Zwischenzeitlich haben aber offenbar die Schausteller die Zeichen der Zeit erkannt. Zumindest sind sie Willens, etwas zu tun, wenn sie die Gefahr auch auf einer völlig falschen Seite sehen. Sie zittern davor, dass der verhasste Fremdling ihnen ihren... sagen wir einmal: extrem traditionsorientierten Weihnachtsmarkt wegnehmen könnte. Deshalb planen die Weihnachtsmarktbeschicker nun konkret, bereit im Winter 2015 auf dem Neumarkt eine Eislaufbahn mit Kunststofffläche zu errichten.
Warten wir es ab...
Sonntag, 28. Juni 2015
Ein Kampf um Limburg - Die Bürgermeisterwahl im Rückblick
Der neue Bürgermeister von Limburg wird
Marius Hahn heißen. Nach einem Wahlkampf, der einige Überraschungen bot, haben
sich die Bürger für einen Wechsel in den Machtverhältnissen entschieden.
Es scheint an der Zeit, die
vergangenen Monate noch einmal etwas genauer zu betrachten.
Michael Stanke
Fassungslos stand, wenn man
Berichten in der NNP Glauben schenken darf, der CDU-Kandidat am Sonntag, den
14. Juni, gegen 19:30 Uhr vor dem Ergebnis der Wahl.
Nicht weniger fassungslos macht den
Beobachter seine erste Analyse. Wiederum eine wahrheitsgemäße Berichterstattung
vorausgesetzt, die man bei dem komplizierten Innenverhältnis
Was-Stanke-sagt-und-was-die-NNP-schreibt ja nicht so ohne weiteres annehmen
darf, äußerte sich der Unterlegene so: "Vielleicht haben wir die Erfolge
unserer Politik nicht offensiv genug vertreten."
Dies zeigt für mich nur eins:
Michael Stanke versteht es einfach nicht.
Er hat es schon während seiner
gesamten Wahlkampagne nicht verstanden, doch jetzt, im Augenblick der
Niederlage klammert er sich immer noch an seine völlig verfehlte Strategie und
sieht die Ursache seines kläglichen Scheiterns darin, dass er sie nicht NOCH
sturer verfolgt hat.
Als Amtsinhaber, der sich zu einer
Wiederwahl stellt, hat man es generell einfacher, denn man kann auf erbrachte
Leistungen verweisen und versprechen, diese fortzuführen. Problematisch wird
es, wenn man nicht Verantwortlicher ist und in seinem nachgeordneten Amt keine
maßgebliche Gestaltungshoheit hatte. Dann Vergangenes zu thematisieren, das ein
anderer erreicht hat, während die eigene Leistung war, daneben zu stehen und
zuzuschauen, wirkt nicht sehr überzeugend.
Ganz kritisch wird es jedoch, wenn
es nichts gibt, was man sich anstecken könnte. Die Klientelpolitik des NBM auf
dem Rücken der Bürger, die Alimentation Einzelner und Subvention von
Multimillionären, während gleichzeitig stadteigene Bauten und Infrastruktur
verrotten, angebliche Haushaltskonsolidierung bei paralleler Verschwendung von
Unsummen für dysfunktionale oder nie verwirklichte Irrsinnsprojekte und
Gutachten, ist nichts, mit dem man einen Wahlkampf gewinnen kann.
In einem solchen Fall muss sich ein
Bewerber von seinem Vorgänger entschieden absetzen und abheben. Doch dazu
braucht man etwas, das im Stanke Lager ganz offensichtlich eine ganz große
Unbekannte war: Ein Programm.
Bis auf eine immer wiederkehrende
Aufzählung von Aufgaben, die ein Bürgermeister nun einmal Kraft Jobbeschreibung
zu erledigen hat, kam von Seiten Stankes nichts. Absolut nichts.
Er präsentierte sich den gesamten
Wahlkampf über als jemand, der niemals die Initiative ergreift, sondern
ausschließlich zu reagieren in der Lage ist. Passivität war die Botschaft und
die spiegelte sich in jeder einzelnen Aktion. Bei keiner einzigen seiner
Veranstaltungen präsentierte Stanke auch nur den Embryo einer eigenen Idee,
sondern er „besuchte“ immer nur andere und ließ sich zeigen oder erklären, was
diese taten. In keiner Phase überraschte er seinen Gegner mit Projekten, Ideen
oder Aktionen, sondern er lief ihm stets hinterher.
Verblüffend war es zu beobachten,
wie Michael Stanke den Spuren des Mitbewerbers folgte und über den Greifenberg
wanderte, nachdem Hahn mit Bürgern die Grünanlagen angesehen und Ideen für eine
bessere Gestaltung gesammelt hatte. Eine Woche nach der Hahn-Mannschaft hatte
sein Team Wahlkampf-Polos und kurze Zeit, nachdem der Mitbewerber Hausbesuche
in Ortsteilen begonnen hatte, klingelte auch Michael Stanke an Türen. In einer
abenteuerlichen Dreistigkeit wurden ganze Passagen aus den Hahnkonzepten für
Bürgerthemen übernommen und bereicherten die anfangs dürren Zeilen
„programmatischer“ Natur auf der HP des CDU-Kandidaten. Grotesk war, dass er
oder seine Helfer dabei die implizite Kritik an den aktuellen Zuständen und
Versäumnissen der Vergangenheit gleich mit übernahmen – einer Vergangenheit die
Stanke doch als seine große Leistung herausstellen wollte.
In den öffentlichen Auftritten gab
sich Stanke jovial, umgänglich, freundlich – und immer wieder so unbedarft,
dass es an politischen Selbstmord auf offener Bühne grenzte. Einen Bewerber um
das Amt des Bürgermeisters, der als seine größte Schwäche sein Phlegma nennt,
sieht man wirklich selten. Zu den vertrauensbildenden Maßnahmen gehörte sicher
auch nicht, dass er wiederholt erklärte, man müsse viele Sachen einfach mal
liegen lassen, dann würden sie sich oft von selbst erledigen.
Nichtstun, abwarten und zuschauen,
was andere so leisten – all das als Qualitäten für ein Amt zu präsentieren, das
einen energischen, zielstrebigen und zupackenden Menschen fordert, war sicher
keine Taktik, die einen Wähler überzeugen konnte, dem CDU-Kandidaten die
Führung einer Stadt wie Limburg zu- und anzuvertrauen.
Nun steht Michael Stanke vor den
Trümmern seiner Karriereplanung, die ihn nach seinen eigenen Vorstellungen
irgendwie zwangsläufig und folgerichtig auf den Sessel des Bürgermeisters
bringen sollte, ohne dass von ihm dazu irgendeine besondere Leistung gefordert
würde.
Er kann sich das Ergebnis vom
Sonntag absolut nicht erklären. Dabei versteht er jedoch etwas ganz
Wesentliches nicht.
Michael Stanke hat die
Bürgermeisterwahl nicht verloren.
Marius Hahn hat sie gewonnen.
Marius Hahn
Was er nun zu dem unerwarteten
Ergebnis sage, wollte der am Ende nur noch mäßig verkappte Wahlkämpfer in
Journalistentarnung wissen. Bis zur letzten Sekunde hatte er noch alles
versucht, dem Gegner die größte Publizität zu verschaffen und ihm zu jedem
Thema von Marius Hahn das Wort zu erteilen. Wenige Minuten nach der Schließung
der Wahllokale verbreitete der Mann dann schon Ergebnisse angeblicher
repräsentativer Umfragen, die einen knappen Sieg des Anderen voraussagten – und
nun dies.
Mit einem sehr gequälten Lächeln
musste der subversive Publizist nun dem Mann, den er als Wahlverlierer
ausgemacht hatte, zum Sieg gratulieren, und er stellte seine Frage.
Unerwartet sei das Ergebnis
überhaupt nicht, reagierte Marius Hahn schlagfertig.
Er sei von seinem Wahlsieg
ausgegangen.
Es war die richtige Antwort auf die
letzte Spitze des Gegenübers. Doch ein Blick in das Gesicht des Kandidaten
verriet dem, der die Zeichen zu erkennen vermag, viel mehr. Die Freude und
Begeisterung, die sich erst im Lauf des Abends ihren Weg bahnen sollten, waren
noch nicht angekommen. Dort im großen Sitzungssaal, kurz nach der Bekanntgabe
des Endergebnisses, sah man in den Augen von Marius Hahn einen Moment lang nur
eine Mischung aus tiefer Erschöpfung, Erleichterung und Dankbarkeit.
Was ein knappes halbes Jahr vorher
praktisch niemand für möglich gehalten hatte, war passiert. Die dem Anschein
nach für alle Ewigkeit festbetonierte CDU-Festung Limburg war gefallen und über
dem Rathaus wehte die Flagge mit dem Roten Hahn.
Nach der Nominierung durch eine
Wählergemeinschaft im Januar hatte die Presse seine Kandidatur gemeldet. Danach
verschwand Marius Hahn vollkommen aus der publizierten Öffentlichkeit. Während
sein Gegner mit Amtsbonus und der Unterstützung des gesamten Rathauses einen
Termin nach dem anderen kreiert bekam und wahrnahm, der ihn in Wort und Bild in
die Zeitungen und das Bewusstsein der Bevölkerung brachte, war Marius Hahn
diese Möglichkeit verwehrt. In einer mehr als bemerkenswerten Allianz des
Schweigens ignorierten die eine Bezahl- und die zwei kostenlosen Zeitungen den
zweiten Bewerber um das Amt des Bürgermeisters praktisch vollständig. Ganz
gleich, was er und sein Team veranstalteten, es fand maximal in einer
Zweizeiler-Ankündigung seinen Niederschlag, als Bericht praktisch nie.
Nach dem zweiten Kandidaten um das
Amt des Bürgermeisters befragt, konnten die meisten Wähler nur Antworten dieser
Art geben: „Ja, klar, der Dingsda, na… na der… wie heißt er noch?“.
Marius Hahn kämpfte verzweifelt mit
öffentlichen Auftritten dagegen an, nahm an jedem organisierten Frühjahrsputz
im Stadtgebiet teil und zeigte sich in Warnweste und mit breitem Lächeln bei
der Arbeit, doch der Erfolg war gering. Er erntete in der Öffentlichkeit dafür
kaum mehr als ein Schulterklopfen derer, die sowieso zu seinen Unterstützern
zählten. Die Gegner hatten maximal das verächtliche Achselzucken der sicheren
Sieger.
Das Rennen war im Bewusstsein der
Öffentlichkeit entschieden, bevor es überhaupt begonnen hatte.
Doch dann geschah etwas, das für
mich in der rückblickenden Analyse den Wendepunkt darstellte. Marius Hahn
zeigte zwei Charaktereigenschaften, die für die darauf folgenden Monate jeden
seiner Schritte prägen sollten. Kampfbereitschaft und Lernvermögen. Der Wille,
sich einzugestehen, dass man bei einer Sache nicht weiterkommt und sich
kompetente Hilfe zu holen, ist bekanntlich KEINE Limburger Kardinaltugend.
"Intelligent sind wir selber“ ist die Grundhaltung in der Lahnstadt, die
so viele Chancen in der Vergangenheit und Gegenwart verspielt hat.
Marius Hahn tat etwas, das
gemeinhin als nichtlimburgische Handlung gilt: Er holte sich Hilfe.
Es war dem Kandidaten Hahn offenbar
bewusst geworden, was für eine Aufgabe er da optimistisch in Angriff genommen
hatte. Er wollte eine CDU-Hochburg gegen ein gesamtes Rathaus und gegen eine
vereinigte Presse erobern. Ein unmöglicher Auftrag. Doch er fand einen
Parteigenossen, dem genau das gelungen war.
Marius Hahn lud den Mann ein, der
zwei Jahre zuvor sensationell die Wahl zum Oberbürgermeisters von Wiesbaden
gewonnen hatte. Sven Gerich folgte dem Hilferuf, kam zu einer Podiumsdiskussion
– und nach diesem Abend schaute Marius Hahn nicht ein einziges Mal mehr zurück.
Was folgte, war eine Kampagne, wie
es sie in dieser Perfektion und Intensität wahrscheinlich für eine Stadt dieser
Größe in der Geschichte Deutschlands noch nie gegeben hat.
Bei aller Wertschätzung des
Engagements, des Einsatzes und des guten Willens der Wählerinitiative Marius
Hahn, ich halte es für ausgeschlossen, dass sie für die Systematik, die
Publikationen und vor allem die Dramaturgie des nach dem Gerich-Auftritt
folgenden Wahlkampfes alleine verantwortlich ist. Praktisch alles, was danach
geschah, trägt für mich die Handschrift eines PR-Profis und ich muss gestehen,
dass ich denjenigen beneide, der dahintersteckt. Insbesondere das Timing und
die Fähigkeiten, so viele verschiedene Einzelprojekte parallel zu führen und
jedes von ihnen zur maximal Wirkung zu bringen, rufen bei mir Hochachtung hervor.
Müsste ich diesen Mann oder diese
Frau suchen, ich würde als erstes im Umfeld von Sven Gerich nach ihm/ihr
fahnden. Denn die Parallelen zu dessen Wahlkampf sind unverkennbar, obwohl
dieser natürlich mit einem ganz anderen personellen und vor allem finanziellen
Aufgebot geführt wurde.
Es waren zwei elementare
Ratschläge, die der OB von Wiesbaden Marius Hahn öffentlich mit auf den Weg
mitgab.
Erstens: In die Häuser zu gehen,
mit den Mensch direkt zu sprechen, sich ihre Sorgen und Nöte anzuhören, davon so
viel wie möglich mitzunehmen UND parallel dazu schon Antworten zu suchen und
Lösungen zu entwickeln.
Noch wichtiger war wohl Ratschlag
Nummer zwei: Schau nie, nie, nie, was der Gegner macht.
Marius Hahn folgte diesen beiden
Generalklauseln. Mit Beginn seines Urlaubs startete er eine tägliche Tournee
durch alle Stadtteile und klingelte an Hunderten von Türen.
Hahn ergriff voll und ganz die
Initiative. Er setzte und besetzte die Themen des Wahlkampfs, konkretisierte
Vorstellungen, kanalisierte sie in Projekte und von da an blieb dem Mitbewerber
nur noch, staunend zuzuschauen und zu reagieren. Es waren ausschließlich Marius
Hahn und sein Team, die bis zum letzten Sonntag vorgaben, wo es im Wahlkampf
entlang ging.
Bei seinen Veranstaltungen holte
Hahn nicht den Cousin des Schwagers oder den Parteigenossen Vereinsvorsitzenden
an seine Seite, sondern hochkarätige Fachleute, die seinen Ideen Gewicht
verliehen.
Marius Hahn überrumpelte alle mit
seiner Vorstellung eines Kongresszentrums und griff sich damit kurzerhand das
Thema Wirtschaftsstandort Limburg und Förderung desselben. Seine Konzeption
eines Bürgerbüros degradierte den Versuch des NBM, dem unliebsamen Bewerber
sein Steckenpferd wegzunehmen, zu einem hilflosen Dilettieren mit einem
Legobaukasten. Die Hahn-Vision eines Hochschulstandorts Limburg fand Wiederhall
nicht nur in der überregionalen Presse, sondern ging sogar bis in den Landtag
und ist nun Gegenstand eines Antrags von SPD und FDP. Visionen eines Neumarkts
als Zentrum des lokalen Lebens faszinierten Geschäftsleute wie Bürger
gleichermaßen.
Mit jedem großen Auftritt wurde
Marius Hahn sicherer und mit jedem Beitrag konnte er die große Botschaft, die
er auf seine künstlerisch überragend gestalteten Überraschungsplakate der
zweiten Welle geschrieben hatte, besser vermitteln: Limburg den Bürgern
zurückgeben.
Parallel zu den Veranstaltungen
besuchte er weiter Wähler. Auf die häufig gestellte Frage, warum man von seinen
Vorstellungen, Projekten und Konzepten nie irgendwas in der Zeitung gelesen
hätte, antwortete er immer nüchtern: „Da müssen Sie die Zeitung selbst fragen“.
Die Redaktionen hatten zumindest von seinem Team alle Informationen erhalten.
Diese wiederkehrenden Aussagen und
die beharrliche Arbeit, die die Unterstützer persönlich, im Internet und bei
den immer besser besuchten Info-Ständen in der Fußgängerzone leisteten, zeigten
nach und nach Ergebnisse. Unter den Wählern machte sich ein immer größerer
Unmut über die einseitige und tendenziöse Berichterstattung bei gleichzeitigem
Boykott von Hahn breit. Im Leserbriefbereich der NNP tobte eine kleine Schlacht
zwischen den Anhängern beider Lager, doch bei den Limburgern hatte das Ansehen
der lokalen Zeitungen längst zu einem halsbrecherischen Sturzflug angesetzt.
Trotz dieser offenen Parteinahme
tat sich Erstaunliches und für die Presse Beunruhigendes. Marius Hahn
verwandelte sich in der öffentlichen Wahrnehmung vom „Wer-war-das-noch“ nicht
nur zu einem ernsthaften Kandidaten. Es ging noch einen großen Schritt weiter.
Nichts war mehr davon zu hören, die Wahl sei längst zugunsten des Mitbewerbers
entschieden. Inzwischen war nur noch die Rede davon, dass der Ausgang der Wahl
völlig offen sei.
„Jetzt glaubt sogar meine Mutter,
dass es was werden kann“, konnte Marius Hahn mit einem Lächeln vermelden.
Es nahte das große Finale und damit
die Zeit, in der sich traditionell die Nassauische Neue Presse offiziell
einmischt, um dann mit dem NNP-Forum beim abschließenden Schaulaufen der
Kandidaten das letzte Wort zu behalten.
Die Redaktionsleitung kündigte das
Verfahren an. Vier Berichte für jeden Kandidaten zu Veranstaltungen, die er
selbst auswählen durfte, eine Home-Story sowie ein Fragebogen an beide würde es
geben. Dazu das Forum und den zugehörigen Bericht, mehr nicht. Ganz wichtig
war, dass eine Woche vor der Wahl der Leserbriefbereich zu diesem Thema
geschlossen würde.
Die NNP selbst berichtete in dieser
Ankündigung von einem offenen Rennen. Den letzten 14 Tagen würde also einige
Bedeutung zukommen – und dem Verhalten der Nassauischen Neuen Presse.
Einer der Höhepunkte der
Wahlkampagne von Marius Hahn war dann der Auftritt beim NNP Forum. Bestens
vorbereitet, durch nichts zu überraschen, jederzeit souverän und bei jeder
Antwort konkret, war er nach Ansicht vieler neutraler Beobachter der klare
Sieger des Abends.
Die Stimmung nach dem NNP-Forum
hatte weite Teile der Stadt erfasst und sie war gekippt. An vielen Orten war
nicht länger von einem Gleichstand die Rede. Für eine große Zahl an Menschen
lag Marius Hahn in Führung.
Am Tag nach dem NNP-Forum wagte ich
etwas. Ich schrieb auf eine Karte meine Wahlprognose, steckte sie in einen
Umschlag, den ich verschloss und schrieb darauf: Nicht vor Sonntag 20:00
öffnen.
Meine Zahlen waren zu diesem
Zeitpunkt: Michael Stanke: 43,8 %, Marius Hahn 56,2%.
Bis zum Mittwoch war für Marius
Hahn alles perfekt gelaufen.
Dann kam der Morgen des 11. Juni
und die potentielle Katastrophe.
Auf meine Frage hin, was für ihn der
schlimmste Moment des ganzen Wahlkampfs gewesen sei, antwortete Marius Hahn,
das sei der Augenblick gewesen, an dem er von den mit Aufklebern verunstalteten
Plakaten erfuhr und ihm durch den Kopf zuckte: „Jetzt ist alles kaputt. Das
war’s.“
Es gehört ganz sicher zu den
Highlights des an Attraktionen wirklich nicht armen Wahlkampfs von Marius Hahn,
wie er mit dieser Situation umging. Statt panischer Reaktionen blieb man
besonnen. Die Wählerinitiative erstattete Anzeige, Hahn erklärte wie sehr er
eine solche Aktion verabscheute, schlug seinem Kontrahenten mehrfach eine
gemeinsame Presseerklärung vor, die dieser brüsk ablehnte – und weder Hahn noch
seine Anhänger gingen auf die zum Teil ganz direkt erhobenen Vorwürfe der
Urheberschaft der Plakatverunstaltung ein, die doch nur Hahn schaden konnte.
Das Resultat war bemerkenswert. Was
ganz offensichtlich als großer Coup mit explosivem Charakter geplant war, wurde
zu einem feuchten Knallfrosch. Es puffte und funkte ein, zweimal müde – und das
war’s.
Eine letzte, verzweifelte Aktion
mit einem Flugblatt seitens des Gegners kam noch, doch auch hier gelang dem
Hahn-Team ein Konter, der die Gegenseite auf dem völlig falschen Fuß erwischte.
Wie aus dem inneren Kreis des anderen Kandidaten zu hören war, hätte kein Mensch
im Traum jemals daran gedacht, dass das Hahn-Lager es fertigbringen würde, noch
am Samstag mit einem brillant formulierten Flugblatt zu kontern.
Den Wahltag läutete die Hahn-Truppe
schließlich mit dem Verteilen von Tausenden von Frühstücksbrötchen ein und
bildete damit den Abschluss eines Wahlkampfs, über den man sicher noch lange
reden wird.
Er war schlicht in jeder Hinsicht
überragend.
Für mich war es die überraschendste
und am perfektesten durchgeführte Werbekampagne, die ich jemals verfolgt habe.
Hut ab vor Marius Hahn und den
(dem?) Menschen, die/der diese Wahlkampfstrategie entwickelt und konsequent bis
zum Ende durchgezogen haben/hat.
Doch am faszinierendsten ist für
mich dabei, dass mit dieser Kampagne keinem einzigen Wähler Marius Hahn
„verkauft“ wurde.
Es ist etwas völlig anderes
passiert.
Es ist gelungen, die Menschen von
Marius Hahn zu überzeugen.
Das Umfeld
Von den im Stadtparlament
vertretenen Parteien und Gruppierungen hatte es die CDU theoretisch am
leichtesten, da sie ihren eigenen Kandidaten nominierte. Während des Wahlkampfs
fiel die CDU-Fraktion aber nicht besonders auf, bis auf einen Einzelnen, der
eine gewisse Präsenz zeigte und sich vor allem durch Aggressivität
auszeichnete.
Die SPD Limburg bekannte sich klar
zu Marius Hahn und unterstützte dessen Wahlkampf finanziell und logistisch.
Eine ganze Reihe von Parteimitgliedern war auch in der Wählerinitiative aktiv.
Rege zeigten sich die Jusos in der SPD, die mehrere Veranstaltungen zur Wahl
organisierten und durchführten.
Die FDP lud als erste beide
Kandidaten zu einem gemeinsamen Auftritt ein. Nach ihrer Wahlempfehlung pro
Hahn zeigte sich Marion Schardt-Sauer im Lauf der Zeit immer mehr öffentlich
und wandelte sich von einer Moderatorin zu einer begeisterten und überzeugten
Wahlkämpferin mit hoher Präsenz.
Die Freie Wählergemeinschaft zeigte
sich auf die so bekannte Art in ihrer ganzen Verlässlichkeit und sprach sich
pro Stanke aus, nachdem der Vorsitzende dem Kandidaten Marius Hahn noch fest
zugesagt hatte, die FWG würde keine Empfehlung veröffentlichen. Nach dem
kleinen Coup zog sich die FWG aber wieder vollständig aus dem Geschehen zurück.
Von einer Wahlempfehlung der BZL
ist mir nichts bekannt.
Rein rechnerisch hätte demnach
Michael Stanke die Wahl klar gewinnen müssen, wären alle Wähler den Parteien
und Gruppierungen gefolgt, die sie in die Stadtverordnetenversammlung geschickt
hatten.
Das Ergebnis war bekanntlich ein
anderes und die Wahlempfehlungen hatten allem Anschein nach für die
Kommunalwähler nicht einmal den Charakter eines freundschaftlichen Rates.
Wie sah es aber mit anderen
Interessengruppen und auch einflussreichen Einzelnen aus, die zur
Meinungsbildung innerhalb von Limburg bisweilen beitragen?
Der Nochbürgermeister griff in den
Wahlkampf nicht direkt ein, zeigte sich auf keiner Wahlveranstaltung und sprach
auch keine Empfehlung aus. Nominell könnte dies seinem Status als Wahlleiter
geschuldet sein, den er kraft Amtes innehatte. Als solcher hatte er sich
neutral zu verhalten.
Der NBM versuchte jedoch trotzdem
massiv Einfluss zu nehmen. Er überließ gefühlte 90% aller öffentlichen Auftritte
ab der Nominierung dem Ersten Stadtrat.
Damit nicht genug. Wie aus gut
unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, stellte er ganze Teile der öffentlichen
Verwaltung in den Dienst des Wahlkampfs von Michael Stanke. Hinter
vorgehaltener Hand beschwerten sich reihenweise Mitarbeiter der Verwaltung,
dass sie nicht mehr zu ihrer normalen Arbeit kämen, weil sie „Wahlkampftermine
für den Stanke“ machen müssten. Die gesamte Kreativität der Verwaltung wurde
operationalisiert, öffentliche Auftritte des Ersten Stadtrats in Massen zu
kreieren, über die dann die Pressestelle in Wort und Bild berichten musste.
Geradezu grotesk war die Situation,
als der CDU-Kandidat bei einer Verlegung von weiteren „Stolpersteinen“ in
städtischem Auftrag unterwegs war und dort auch der Kandidat Marius Hahn
auftrat, der in seiner Eigenschaft als zu der Zeit amtierender
Stadtverordnetenvorsteher anwesend war. Da es der Wahlwerbebauftragten wider
Willen (?) unmöglich war, Stanke alleine auf einem Foto zu verewigen, knipste
sie lediglich die Stolpersteine selbst – und unterschlug im Pressebericht
Anwesenheit und Wortbeitrag von Hahn.
Es war ein offenes Geheimnis im
Rathaus, dass dieses als die Wahlkampfzentrale für Stanke missbraucht wurde,
nur schwenkten die betroffenen Mitarbeiter maximal die Fahne der Limburger
Widerstandskämpfer: In der Tasche geballte Schwarze Faust auf schwarzem Grund.
Niemand wagte es, sich öffentlich
zu beschweren.
Die Industrie- und Handelskammer
wurde über die Stadt ebenfalls für den Wahlkampf operationalisiert. Um dem
Kandidaten Hahn sein Lieblingsthema Hochschule wegzunehmen, wurde über die IHK
eine Befragung von Mitgliedern zu einem Dualen Studium durchgeführt. Das
Ergebnis jedoch wurde nie veröffentlicht.
Einen Gesprächstermin mit Marius
Hahn, in dem er sein Programm und seine Ideen vorstellen wollte, lehnte die IHK
ab, weil man sich „neutral verhalten“ wolle.
Derlei Berührungsängste hatten die
Pallottiner und die Evangelische Gemeinde jedoch nicht, die sich gerne
anhörten, was Marius Hahn für die Zukunft Limburgs plante.
Genauso hielt es die
Bürgerinitiative gegen die Südumgehung.
Der Cityring lud Hahn und Stanke
ebenfalls zu unterschiedlichen Terminen ein, an denen sie dem Vorstand Rede und
Antwort standen. Der Cityring gab keine Empfehlung an seine Mitglieder heraus.
Doch es war auffällig, dass der Vorsitzende in der Schlussphase des Wahlkampfs,
als Marius Hahn die Nöte der Innenstadt zum Thema machte und Lösungen
präsentierte, eine hohe Präsenz und Interesse zeigte und auf Veranstaltungen
Hahns immer wieder das Wort ergriff und seine Darstellungen und Perspektiven
unterstützte.
Der Altstadtkreis äußerte sich zur
Bürgermeisterwahl offiziell nicht. Ein ehemaliger Vorsitzender war Mitglied der
Wählerinitiative und fiel anfangs durch kontraproduktive Beiträge auf, zog sich
dann aber zurück. Ein anderes, omnipräsentes Exvorstandsmitglied bot sich
wiederholt der Initiative an, aber man verzichtete dankend auf seine
(bezahlten) Dienste.
Überraschend war, dass die streng
konservative Vereinigung, die von gewissen lokalen „Politikerinnen“ als Sekte
mit großem Gefahrenpotential geoutet wurde, die Rotarier, den Kandidaten Marius
Hahn zu einem ihrer Treffen einluden, um mit ihm über die Stadtpolitik und
Perspektiven zu plaudern.
Von den örtlichen Unternehmen
mischten sich zwei ganz konkret in den Wahlkampf ein.
Ein alteingesessenes Geschäft für
Sport- und Outdoorbedarf spendierte dem Treiben eine humoristische Note und
ließ eine großformatige Karikatur anfertigen, die Hahn als aktiven Wanderer mit
vollem Rucksack und Stanke als staunenden kleinen Jungen neben Übervater NMB
zeigte.
Auch der Vorstandvorsitzende einer
lokalen Bau AG gab den Wahlkämpfer. In einer riesigen, privaten Anzeige
versuchte er darzulegen, warum Limburg einfach nur großartig dastünde und er
warnte vor Hahnschen Plänen und Verfahren. Diese Äußerung ließ er aber ganz
schnell wieder verschwinden, als er erkennen musste, in welch eklatantem
Widerspruch diese zu Aussagen stand, mit denen der von ihm geförderte Michael
Stanke einen Last-Minute-Feldzug versuchte.
Als der Urnengang näher rückte und
die Stimmung einen unerwarteten Umschwung nahm, wurden alle sehr vorsichtig.
Fast niemand wollte eindeutig Stellung beziehen und es wurden in flotter Folge
die Fühler in Richtung Hahn ausgestreckt, um erste Kontakte herzustellen. Denn
es sich mit einem Mann zu verderben, der plötzlich als Bürgermeister für
wenigstens die nächsten 6 Jahre ernsthaft zur Debatte stand, wollte keine
Organisation riskieren.
Einzig die Institution, die von
Gesetz wegen zur Neutralität verpflichtet war, hatte mal wieder die Zeichen der
Zeit nicht erkannt. Wie ich aus sicherer Quelle erfuhr, traf sich eine große
Runde von Abteilungsleitern der Stadtverwaltung am Vorabend der Wahl und stieß
schon einmal mit einem Gläschen Sekt auf den neuen Bürgermeister an: Michael
Stanke…
Dienstag, 9. Juni 2015
Die Lindenholzhäuser Affäre oder: Was sprach der Kandidat?
Es sind schon wieder einige Wochen vergangen, seitdem sich die Gemüter vor und besonders hinter den Kulissen wegen einer kleinen Pressemeldung erhitzten.
Die Angelegenheit ist schon fast in Vergessenheit geraten. Doch sie bekommt nun einen gewisse, pikante Note, denn bei dem "NNP-Forum" heute Abend in der Stadthalle (9.6.2015, 19:00 Uhr) sitzen sich mit Michael Stanke und dem Chefredakteur der NNP erstmals die beiden Hauptprotagonisten dieser Affäre direkt gegenüber.
Nach wie vor sind einige wesentliche Fragen nicht geklärt und keiner von beiden hat einen Versuch unternommen, weiter Licht ins Dunkel zu bringen.
Ob die Sache wohl heute Abend eine Rolle spielt? Man darf auf jeden Fall gespannt sein.
Was war eigentlich geschehen?
Wie es sich für eine gute Geschichte gehört, fängt alles ganz
harmlos an, nämlich mit einem Bericht in der NNP. Ein privat
finanziertes, privat zu bauendes und später privat betriebenes
Seniorenzentrum hatte den ersten Spatenstich. Es kamen und gruben einige
Menschen, darunter der Erste Stadtrat. Über das Ereignis wurde von der
NNP in zwei Spalten berichtet, wobei fast die Hälfte des Textes
Repräsentanten der CDU vorbehalten war, die ihre Verdienste an der
Unternehmung herausstellten. Michael Stanke wurde abgebildet, im Text
vielfach erwähnt und seiner Rede wurden gleich mehrere Absätze gewidmet.
Es war also ein Bericht, wie er in der Nassauischen Neuen Presse üblich ist.
In diesem Artikel vom 12. Mai stand, dass Stanke während seiner Rede angeführt habe, er hätte bei Hausbesuchen in Lindenholzhausen von Senioren erfahren, wie groß das Interesse an der neuen Wohnanlage sei. Bei Hausbesuchen, die er in seiner Eigenschaft als Bürgermeisterkandidat gemacht habe.
Das fiel einigen Lesern auf. Insbesondere stand dieses Verhalten im krassen Gegensatz zu den Behauptungen Michael Stankes, er würde Wahlkampf ausschließlich in seiner knapp bemessenen Freizeit führen und keinesfalls Dienstgeschäfte mit seinen persönlichen, politischen Ambitionen vermischen. Ein solcher Ausspruch und besonders die ausführliche Referenz auf seine Kandidatur sowie seine Art der Stimmenwerbung während eines Auftritts, der rein dienstliche Natur hatte (er war als Stellvertreter des Bürgermeisters vor Ort), waren mit diesem Ethos nicht in Einklang zu bringen.
Der DOM-ZOO widmete dem Vorgang einen Artikel, in dem einige Fragen gestellt wurden.
Falls Michael Stanke die betreffenden Äußerungen getätigt hat, wäre das sicher nicht gut. Nicht für ihn, nicht für sein aktuelles Amt, nicht für seine Bewerbung als Bürgermeister. Es wäre vielleicht ungeschickt, tollpatschig oder ein wenig frech. Möglicherweise auch nur ein Irrtum, auf welcher Veranstaltung er sich gerade befand.
Aber der Erste Spatenstich in Lindenholzhausen an sich war ganz bestimmt keine Politaffäre.
Zu der wurde er erst gemacht.
Durch das, was dann folgte.
Am 15. Mai erschien in der NNP ein Dementi unter der Überschrift „Korrektur“. Darin wurde berichtet, Stanke lege Wert darauf, dass er keineswegs das gesagt habe, was in der NNP berichtet wurde. Er hätte außerdem noch überhaupt keine Hausbesuche in Lindenholzhausen gemacht.
Diese „Korrektur“ wiederum nahm ich zum Anlass, meinen Artikel zu bedauern und besonders, dass ich die Integrität Michael Stankes bezweifelt hatte. Ich machte mir außerdem einige Gedanken bezüglich der Wahrhaftigkeit der Berichterstattung durch die NNP, die den Kandidaten überhaupt erst in den Verdacht gebracht hatte, er vermische pflichtwidrig Amt und Wahlkampf.
Seitdem ist nichts mehr wie es war.
Es brodelt gewaltig hinter den Kulissen und in sorgfältig verschlossenen Versammlungsräumen. Aus denen aber doch häppchenweise Informationen dringen. Wir sind ja in Limburg, der Stadt, die Diskretion aus dem Duden gestrichen hat.
Als Publizist habe ich natürlich nichts dagegen.
Die kleine Gemeinschaft der freien und abhängig beschäftigen Journalisten ist mehr als sauer. Natürlich auf den Dom-Zoo, der es wagte, den journalistischen Ethos der Nassauischen Neuen Presse und der dort Beschäftigten öffentlich in Frage zu stellen.
Die Operation „Shoot the Messenger“ ( = Kill den Boten) läuft auf Hochtouren und ich werde sehr direkt angefeindet. Mein Angebot an die betreffenden Angreifer, sie mögen sich doch öffentlich äußern, mir nachweisen, wann ich in welcher Weise die Unwahrheit gesagt habe, Stellung beziehen und für Klarheit sorgen, was denn nun wirklich geschehen ist, lehnen die Betreffenden leider ab.
Internes müsse und werde intern bleiben, heißt es kryptisch. Bzw. gar nicht kryptisch für den, der zwischen den Zeilen lesen kann und das Entschlüsseln geheimer Botschaften versteht.
Mir wurde in den privaten Mails, die mich erreichten, vorgeworfen, ich würde wegen „eines Wortes“ einen ungerechtfertigten Aufstand machen.
Dem ist nicht so.
Nach meinem Dafürhalten geht es sogar um viel mehr. Nimmt man alle frei verfügbaren Informationen zusammen, dann haben wir es hier mit einer Presseaffäre von erschreckenden Ausmaßen zu tun.
Es handelt sich nicht um „ein Wort“. Es geht um einen ganzen Absatz in einem Pressebericht einer nominell unparteiischen und unparteilichen Zeitung, der in der entscheidenden Zeit eines Bürgermeisterwahlkampfs erschien.
Ich werde versuchen, die Faktenlage und die Schlussfolgerungen aus den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, einmal darzulegen.
Dabei gibt es bezüglich der Tatsachen an sich genau zwei Optionen. Mehr nicht.
Option 1:
Michael Stanke hat sich in seiner Rede nicht so geäußert, wie es wiedergegeben wurde.
Dann existieren, soweit ich das überblicke, zwei Wege, wie das betreffende Zitat in den Bericht gelangt sein kann.
1.) Der Journalist, der den Artikel verfasst hat, hat Stanke die Worte
in den Mund gelegt. Dies wäre eine journalistische Todsünde erster
Ordnung. Etwas Übleres, als ein frei erfundenes Zitat zu
veröffentlichen, kann sich ein Reporter kaum erlauben. Dabei spielt es
überhaupt keine Rolle, ob er dies getan hat, um dem Betreffenden zu
schaden, oder um ihm zu „helfen“. Diese Möglichkeit darf man nicht außer
Acht lassen. Es könnte ja auch sein, dass der betreffende Schreiber den
Ersten Stadtrat in seiner Kandidatur unterstützen wollte, indem er in
dem Bericht dessen Ambitionen als zukünftiger Bürgermeister Raum gab,
obwohl diese bei besagtem Ereignis gar nicht Thema waren. Das wäre aber
Parteijournalismus der übelsten Sorte und würde etwas wiedergeben, das
nicht stattgefunden hat: Es bliebe damit eine Fälschung.
2.) Der Journalist hat wahrheitsgemäß berichtet. Aber jemand, der den Artikel redigierte, sah sich veranlasst, auf genau die Art und Weise, wie oben beschrieben, die Bürgermeisterkandidateneigenschaft des Ersten Stadtrats nachträglich hineinzuarbeiten – und das Ganze dann als neutralen Artikel über ein harmloses Ereignis zu verkaufen. Ein solches Verfahren wäre genauso zu verurteilen und würde mit Nagelstiefeln auf jedem journalistischen Selbstverständnis herumtrampeln.
Hat Stanke den Spruch nicht getätigt, sind beide Möglichkeiten eine Katastrophe für die Nassauische Neue Presse. Dann hätte eigentlich die kleine „Klarstellung“ nicht gereicht, sondern der Kandidat hätte jeden Anspruch auf eine förmliche Gegendarstellung an gleicher Stelle und im gleichen Umfang gehabt.
Option 2:
Michael Stanke hat die zitierte Äußerung beim Ersten Spatenstich getätigt.
In diesem Fall hätte die NNP die Korrektur einer Meldung vorgenommen, die RICHTIG war. Sie hätte versucht, eine Äußerung, die gefallen war, durch eine unwahre Behauptung rückwirkend zu neutralisieren.
Da es für eine Zeitung absolut keinen Grund gibt, eine Tatsachenbehauptung, die sie belegen kann, zu dementieren, wäre dies ein Fall von unverhohlener, direkter Einflussnahme auf die redaktionelle Unabhängigkeit. Die Wahrheit würde in diesem Fall bedenkenlos parteipolitischem Kalkül und direkter Propaganda geopfert. Beteiligte Journalisten, die nichts als ihren Job gemacht hatten, würden hemmungslos diskreditiert und gezwungen, die Wahrheit, die sie berichtet hatten, nachträglich zur Lüge zu verfälschen.
Mit Freiheit der Presse hätte all das nichts zu tun. Es wäre ein Beleg dafür, wie eng verzahnt eine politische Partei und die Chefredaktion der Nassauischen Neuen Presse sind. Dann hätte die CDU einen Durchgriff bis in die Spitze der Redaktion und die Macht selbst zu bestimmen, was und vor allem wie berichtet wird.
Bis zum Ministerium für Wahrheit aus Orwells 1984 wäre es wirklich nicht mehr weit.
Welche der beiden Optionen nun die richtige ist, kann man mit den Informationen, die vorliegen, nicht entscheiden.
Nur eins ist klar: Die NNP und ihre Chefredaktion stehen im Mittelpunkt dieser ganzen Affäre.
Entweder wird dort wenigstens teilweise journalistisch erschreckend dilettantische Arbeit geleistet.
Oder es handelt sich bei der NNP um ein parteipolitisch geführtes und agierendes Propagandablatt.
Die NNP hat übrigens in ihrer "Korrektur" lediglich referiert, worauf der Erste Stadtrat hinweist. Sie hat NICHTS davon kommentiert, nirgends Stellung bezogen und hat im Rahmen der "Korrektur" nichts von dem vorhergegangenen Bericht zurückgenommen. Die NNP hat sich nicht für eine falsche Darstellung entschuldigt. Sie hat keine Gegendarstellung gedruckt.
Lediglich im Online-Archiv wurde der Artikel geändert und mit einem Disclaimer versehen: Anmerkung der Redaktion: in einer früheren Fassung des Artkels stand eine falsch wiedergegebene Aussage von Michael Stanke.
Es war also ein Bericht, wie er in der Nassauischen Neuen Presse üblich ist.In diesem Artikel vom 12. Mai stand, dass Stanke während seiner Rede angeführt habe, er hätte bei Hausbesuchen in Lindenholzhausen von Senioren erfahren, wie groß das Interesse an der neuen Wohnanlage sei. Bei Hausbesuchen, die er in seiner Eigenschaft als Bürgermeisterkandidat gemacht habe.
Das fiel einigen Lesern auf. Insbesondere stand dieses Verhalten im krassen Gegensatz zu den Behauptungen Michael Stankes, er würde Wahlkampf ausschließlich in seiner knapp bemessenen Freizeit führen und keinesfalls Dienstgeschäfte mit seinen persönlichen, politischen Ambitionen vermischen. Ein solcher Ausspruch und besonders die ausführliche Referenz auf seine Kandidatur sowie seine Art der Stimmenwerbung während eines Auftritts, der rein dienstliche Natur hatte (er war als Stellvertreter des Bürgermeisters vor Ort), waren mit diesem Ethos nicht in Einklang zu bringen.
Der DOM-ZOO widmete dem Vorgang einen Artikel, in dem einige Fragen gestellt wurden.
Falls Michael Stanke die betreffenden Äußerungen getätigt hat, wäre das sicher nicht gut. Nicht für ihn, nicht für sein aktuelles Amt, nicht für seine Bewerbung als Bürgermeister. Es wäre vielleicht ungeschickt, tollpatschig oder ein wenig frech. Möglicherweise auch nur ein Irrtum, auf welcher Veranstaltung er sich gerade befand.
Aber der Erste Spatenstich in Lindenholzhausen an sich war ganz bestimmt keine Politaffäre.
Zu der wurde er erst gemacht.
Durch das, was dann folgte.
Am 15. Mai erschien in der NNP ein Dementi unter der Überschrift „Korrektur“. Darin wurde berichtet, Stanke lege Wert darauf, dass er keineswegs das gesagt habe, was in der NNP berichtet wurde. Er hätte außerdem noch überhaupt keine Hausbesuche in Lindenholzhausen gemacht.
Diese „Korrektur“ wiederum nahm ich zum Anlass, meinen Artikel zu bedauern und besonders, dass ich die Integrität Michael Stankes bezweifelt hatte. Ich machte mir außerdem einige Gedanken bezüglich der Wahrhaftigkeit der Berichterstattung durch die NNP, die den Kandidaten überhaupt erst in den Verdacht gebracht hatte, er vermische pflichtwidrig Amt und Wahlkampf.
Seitdem ist nichts mehr wie es war.
Es brodelt gewaltig hinter den Kulissen und in sorgfältig verschlossenen Versammlungsräumen. Aus denen aber doch häppchenweise Informationen dringen. Wir sind ja in Limburg, der Stadt, die Diskretion aus dem Duden gestrichen hat.
Als Publizist habe ich natürlich nichts dagegen.
Die kleine Gemeinschaft der freien und abhängig beschäftigen Journalisten ist mehr als sauer. Natürlich auf den Dom-Zoo, der es wagte, den journalistischen Ethos der Nassauischen Neuen Presse und der dort Beschäftigten öffentlich in Frage zu stellen.
Die Operation „Shoot the Messenger“ ( = Kill den Boten) läuft auf Hochtouren und ich werde sehr direkt angefeindet. Mein Angebot an die betreffenden Angreifer, sie mögen sich doch öffentlich äußern, mir nachweisen, wann ich in welcher Weise die Unwahrheit gesagt habe, Stellung beziehen und für Klarheit sorgen, was denn nun wirklich geschehen ist, lehnen die Betreffenden leider ab.
Internes müsse und werde intern bleiben, heißt es kryptisch. Bzw. gar nicht kryptisch für den, der zwischen den Zeilen lesen kann und das Entschlüsseln geheimer Botschaften versteht.
Mir wurde in den privaten Mails, die mich erreichten, vorgeworfen, ich würde wegen „eines Wortes“ einen ungerechtfertigten Aufstand machen.
Dem ist nicht so.
Nach meinem Dafürhalten geht es sogar um viel mehr. Nimmt man alle frei verfügbaren Informationen zusammen, dann haben wir es hier mit einer Presseaffäre von erschreckenden Ausmaßen zu tun.
Es handelt sich nicht um „ein Wort“. Es geht um einen ganzen Absatz in einem Pressebericht einer nominell unparteiischen und unparteilichen Zeitung, der in der entscheidenden Zeit eines Bürgermeisterwahlkampfs erschien.
Ich werde versuchen, die Faktenlage und die Schlussfolgerungen aus den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, einmal darzulegen.
Dabei gibt es bezüglich der Tatsachen an sich genau zwei Optionen. Mehr nicht.
Option 1:
Michael Stanke hat sich in seiner Rede nicht so geäußert, wie es wiedergegeben wurde.
Dann existieren, soweit ich das überblicke, zwei Wege, wie das betreffende Zitat in den Bericht gelangt sein kann.
1.) Der Journalist, der den Artikel verfasst hat, hat Stanke die Worte
in den Mund gelegt. Dies wäre eine journalistische Todsünde erster
Ordnung. Etwas Übleres, als ein frei erfundenes Zitat zu
veröffentlichen, kann sich ein Reporter kaum erlauben. Dabei spielt es
überhaupt keine Rolle, ob er dies getan hat, um dem Betreffenden zu
schaden, oder um ihm zu „helfen“. Diese Möglichkeit darf man nicht außer
Acht lassen. Es könnte ja auch sein, dass der betreffende Schreiber den
Ersten Stadtrat in seiner Kandidatur unterstützen wollte, indem er in
dem Bericht dessen Ambitionen als zukünftiger Bürgermeister Raum gab,
obwohl diese bei besagtem Ereignis gar nicht Thema waren. Das wäre aber
Parteijournalismus der übelsten Sorte und würde etwas wiedergeben, das
nicht stattgefunden hat: Es bliebe damit eine Fälschung.2.) Der Journalist hat wahrheitsgemäß berichtet. Aber jemand, der den Artikel redigierte, sah sich veranlasst, auf genau die Art und Weise, wie oben beschrieben, die Bürgermeisterkandidateneigenschaft des Ersten Stadtrats nachträglich hineinzuarbeiten – und das Ganze dann als neutralen Artikel über ein harmloses Ereignis zu verkaufen. Ein solches Verfahren wäre genauso zu verurteilen und würde mit Nagelstiefeln auf jedem journalistischen Selbstverständnis herumtrampeln.
Hat Stanke den Spruch nicht getätigt, sind beide Möglichkeiten eine Katastrophe für die Nassauische Neue Presse. Dann hätte eigentlich die kleine „Klarstellung“ nicht gereicht, sondern der Kandidat hätte jeden Anspruch auf eine förmliche Gegendarstellung an gleicher Stelle und im gleichen Umfang gehabt.
Option 2:
Michael Stanke hat die zitierte Äußerung beim Ersten Spatenstich getätigt.
In diesem Fall hätte die NNP die Korrektur einer Meldung vorgenommen, die RICHTIG war. Sie hätte versucht, eine Äußerung, die gefallen war, durch eine unwahre Behauptung rückwirkend zu neutralisieren.
Da es für eine Zeitung absolut keinen Grund gibt, eine Tatsachenbehauptung, die sie belegen kann, zu dementieren, wäre dies ein Fall von unverhohlener, direkter Einflussnahme auf die redaktionelle Unabhängigkeit. Die Wahrheit würde in diesem Fall bedenkenlos parteipolitischem Kalkül und direkter Propaganda geopfert. Beteiligte Journalisten, die nichts als ihren Job gemacht hatten, würden hemmungslos diskreditiert und gezwungen, die Wahrheit, die sie berichtet hatten, nachträglich zur Lüge zu verfälschen.
Mit Freiheit der Presse hätte all das nichts zu tun. Es wäre ein Beleg dafür, wie eng verzahnt eine politische Partei und die Chefredaktion der Nassauischen Neuen Presse sind. Dann hätte die CDU einen Durchgriff bis in die Spitze der Redaktion und die Macht selbst zu bestimmen, was und vor allem wie berichtet wird.
Bis zum Ministerium für Wahrheit aus Orwells 1984 wäre es wirklich nicht mehr weit.
Welche der beiden Optionen nun die richtige ist, kann man mit den Informationen, die vorliegen, nicht entscheiden.
Nur eins ist klar: Die NNP und ihre Chefredaktion stehen im Mittelpunkt dieser ganzen Affäre.
Entweder wird dort wenigstens teilweise journalistisch erschreckend dilettantische Arbeit geleistet.
Oder es handelt sich bei der NNP um ein parteipolitisch geführtes und agierendes Propagandablatt.
Die NNP hat übrigens in ihrer "Korrektur" lediglich referiert, worauf der Erste Stadtrat hinweist. Sie hat NICHTS davon kommentiert, nirgends Stellung bezogen und hat im Rahmen der "Korrektur" nichts von dem vorhergegangenen Bericht zurückgenommen. Die NNP hat sich nicht für eine falsche Darstellung entschuldigt. Sie hat keine Gegendarstellung gedruckt.
Lediglich im Online-Archiv wurde der Artikel geändert und mit einem Disclaimer versehen: Anmerkung der Redaktion: in einer früheren Fassung des Artkels stand eine falsch wiedergegebene Aussage von Michael Stanke.
Abonnieren
Posts (Atom)


